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10.07.2019
Zürich West, Züriberg

Steht Publibike vor dem Aus?


Die hochdefizitäre Postautotochter Publibike sucht verzweifelt finanzielle Unterstützung. Im Gegensatz zu Bern will Zürich keine Hand bieten. Damit sieht die Zukunft düster aus.

«Publibike zielt auf eine verbesserte Wirtschaftlichkeit ab und setzt in Zukunft auf Partnerschaften», liess der Veloverleiher vor einigen Tagen verlauten. Der Grund: Die Tochter der Postauto AG hat seit der Lancierung mindestens elf Millionen Franken Verlust eingefahren, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle offenlegte. Sprich, der Veloverleiher schreibt tiefrote Zahlen und muss Finanzmittel suchen. Doch im Gegensatz zur Stadt Bern, wo die Verwaltung eine mögliche Unterstützung befürwortet, winkt Zürich ab. «Für die Stadt Zürich gilt der aufgrund der öffentlichen Ausschreibung unterzeichnete Vertrag mit PubliBike. Darin sind keine Beiträge an das Angebot von Publibike vorgesehen», so Sprecher Pio Sulzer vom federführenden Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED). Der Hauptsponsor, die Zürcher Kantonalbank, sagt auf Anfrage, man kommentiere die Entwicklung nicht. Die Rede ist von bis zu einer Million Franken nötigen jährlichen Zuschüssen. Publibike betont, man gebe konkrete Zielsetzungen in Franken oder Prozent nicht bekannt. «Publibike ist daran, die Situation schweizweit zu analysieren, und arbeitet ständig daran, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern», so ein Mediensprecher.

Kritik von Post-Präsident Schwaller
Doch Publibike ist intern massiv unter Druck: Post-Präsident Urs Schwaller hat «bis Mitte 2019» eine Überprüfung angekündigt, wie er gegenüber der «NZZ am Sonntag» ausführte. Mittlerweile sind die Resultate bekannt. Ziel sei es, "mit gezielten Partnerschaften und professionalisierten Unternehmensstrukturen die Wirtschafttlichkeit des bislang defizitären Angebots nachhaltig zu verbessern".

In einem Kommentar schrieb die «NZZ» unabhängig davon, dass Unternehmen in öffentlichem Besitz in zahlreichen Märkten aktiv seien, die auch ohne sie auskämen. «Das schadet ihren privaten Konkurrenten, letztlich aber auch den Kunden und den Steuerzahlern», so die «NZZ».
Zu den Kosten in Zürich gehört für Publibike auch die Bezahlung des rund 40-köpfige Teams Netzwartung Züri Velo. Dieses ist für den Unterhalt der aktuell 1500 Velos und 122 Stationen und für den Betrieb zuständig und besteht aus Klienten, die Sozialhilfe beziehen, sowie ausgebildeten Sozialarbeitern. «Darüber hinaus kommt Publibike für alle weiteren Kosten auf, die in Verbindung mit dem Verleihsystem stehen, sprich Mieten und Benutzungskosten für alle genutzten Flächen sowie sämtliche Betriebsmittel», so Pio Sulzer vom TED. Das summiert sich und bestätigt François Kuonen, CEO der Bieler Firma «Intermobility». Diese war bei der öffentlichen Ausschreibung für das Zürcher Veloverleihsystem unterlegen. Kuonen sagte damals gegenüber dem «Züriberg»: «Das Businessmodell von Publibike mit einer Offerte von null Franken Kosten für die Stadt Zürich ist unmöglich zu finanzieren.» Publibike habe die Ausschreibung mit einem Dumpingangebot gewonnen.
Publibike gibt sich nach wie vor optimistisch: Man suche in erster Linie Kooperationspartner aus Bereichen der Mobilität. Über die Frist, bis wann Publibike schwarze Zahlen schreiben muss, wollte sich das Unternehmen, das sich zu 100 Prozent im öffentlichen Besitz befindet, nicht äussern. Hört Publibike auf in Zürich, wenn das Ziel nicht erreicht wird? «Publibike steht gegenüber den Bestellern zu seinen vertraglichen Abmachungen», heisst es auf Anfrage. Und: Es gebe «keine Pläne, mit dem Angebot in Zürich aufzuhören».
Für Zürich wäre der Verlust verkraftbar. Hier hat es – im Gegensatz zu Bern – genügend private Anbieter. Etwa Bird, Lime und Smide. Zudem läuft der Veloverleih «Züri rollt» weiter, auf Druck des Gemeinderats und gegen den Willen des Stadtrats. Ist Stadtrat Filippo Leutenegger, bei der Einführung von Publibike verantwortlich, enttäuscht über die Entwicklung von Publibike? Dazu möchte er sich nicht mehr äussern, da er nicht mehr Vorsteher des TED sei, so sein Sprecher. (Text+Foto: ls.)

Anmerkung: In einer ersten Version schrieben wir, dass Post-Präsident Schwaller bis Mitte 2019 eine Überprüfung angekündigt habe. Diese Aussage ist laut Post Schweiz AG veraltet: "Das Resultat dieser Überprüfung liegt vor. Der Verwaltungsrat der Post hält an PubliBike fest und sucht zudem Partner. PubliBike hat mit Zürich einen Fünfjahresvertrag, der eingehalten wird", so Post Schweiz AG.
Weiter moniert Post Schweiz AG, dass die aktuellen Zahlen der Velos und Stationen in Zürich tiefer als angegeben seien: "Das Netz «Züri Velo» besteht aktuell aus 1500 Velos und 122 Stationen". Die Passagen im obigen Artikel sind mittlerweile angepasst. (ls.)



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