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10.07.2019
Zürich West

Stadt plant Gross-Schulhaus ohne das Quartier


«Wir lassen uns unsere ‹Josefwiese› nicht nehmen, sie ist der zentrale Begegnungsort im Quartier», betonen Thomas Isler (l.), David Zeller und José Cuevas von der Arbeitsgruppe des Quartiervereins Grünau. Foto: ho.

«Wir werden dieses Schulhausprojekt mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen», sagt der Quartierverein Grünau. Die Stadt hat den Standort festgelegt, ohne das Quartier zu fragen.

Thomas Hoffmann

Auf dem Sportplatz der Primarschule Grünau mit 12 Klassen plant die Stadt einen Neubau für ein Sekundarschulhaus mit 24 Klassen sowie eine Dreifachturnhalle. 2028 soll der Bau bereitstehen. Doch nun regt sich vehementer Widerstand. «Wir fordern, dass wir bei der Standortfrage mit einbezogen werden», sagt Thomas Isler vom Vorstand des Quartiervereins Grünau. Das habe man bereits im Mai 2018 gefordert, als man beiläufig von dem Projekt erfahren habe. «Aber wir wurden nicht ernst genommen», hält Daniel Zeller fest, Jugendarbeiter in der Grünau. Im Januar setzte dann im Gemeinderat eine Interpellation Druck auf. Sie fragt den Stadtrat unter anderem, ob man alternative Standorte evaluiert habe.

«Kein Verhandlungsspielraum»

Im Juni erhielt der Quartierverein ein Mail vom Hochbaudepartement. Im Hinblick auf eine grosse Dialogveranstaltung im Herbst wurde zu einem ersten Vorbereitungsgespräch eingeladen. «Da hat man uns eröffnet, dass beim geplanten Sekundarschulhaus Grösse und Standort bereits festgelegt sind und es keinen Verhandlungsspielraum mehr gibt.» Thomas Isler schüttelt ungläubig den Kopf: «Was ist das für ein Dialog, bei dem man vor vollendete Tatsachen gestellt wird?»
Die Standortsuche sei von Immobilien Stadt Zürich breit und sorgfältig durchgeführt worden, heisst es bei der Stadt. «Ein anderes Areal, das die Bedingungen bzgl. Grösse, Zeitraum und Erreichbarkeit erfüllt, steht nicht zur Verfügung.» Das Areal sei für eine Schule dieser Grösse gut geeignet. «Es ist räumlich angebunden an eine bestehende Schule, was bei Bedarf Synergien ermöglicht», argumentiert das Schul- und Sportdepartement, dessen Vorsteher das Schulhaus für die Kreisschulbehörde Letzi beim Hochbaudepartement beantragt hat. «Zudem kann ein Neubau in absehbarer Zeit ermöglicht werden, was den Druck auf den Schulraum im Schulkreis Letzi entlasten würde.» Aber wieso ist der Standort «nicht mehr verhandelbar», wie der Quartierverein sagt? «Nur indem die Stadt Standort und Grösse rechtzeitig festlegt, kann sie sicherstellen, dass der benötigte Schulraum auch am richtigen Ort zur richtigen Zeit bereitsteht», schreibt das Hochbaudepartement. Dennoch: Die Stadt nehme mögliche Vorbehalte sehr ernst, die Stadträte André Odermatt und Filippo Leutenegger werden vor den Herbstferien im Quartier den aktuellen Stand der Planung vorstellen und Anliegen aufnehmen.

«Wir sehen den geplanten Standort nicht nur als Schulsportwiese», sagt Daniel Zeller, «er ist zentraler Ort der Begegnung im Quartier, hier ist unsere ‹Josefwiese›.» In der Grünau fehlen öffentliche Räume, hält die Arbeitsgruppe fest, die Wiesen der Wohnsiedlungen seien nur halböffentlich, dort würde man die Mieter stören. Der Sportplatz mit den Spielgeräten für kleine Kinder und den Sitzgelegenheiten werde hingegen für Quartierfeste, Fussballturniere und Familienpicknicks geschätzt. Für die Integration in der multikulturellen Grünau sei ein solcher Ort zentral. «Der geplante Schulhausneubau zerstört diesen Raum.» Für José Cuevas, der seit 40 Jahren im Quartier wohnt, ist klar: «Vor dem Schulhausbau braucht es einen Entwicklungsplan für die Grünau. Wenn alles überbaut ist, ist es zu spät.»

Stadt lehnt Alternativen ab

An diesem Standort würde man nicht nur 500 zusätzliche Schüler mitten ins Quartier bringen, so Thomas Isler. «Die Dreifachturnhalle bietet Platz für 500 Zuschauer, die am Wochenende in ein Quartier mit 3200 Bewohnern drängen.» Deshalb schlägt die Arbeitsgruppe Alternativ-Standorte in der Grünau vor. Beispielsweise auf der freien Wiese bei der Abfahrt von der Europabrücke oder gegenüber auf dem Fussballplatz 11 der Sportanlage Hardhof. Diese Orte seien mit Tram und Bus gut erschlossen. Das Hochbaudepartement winkt ab: Die alternativen Standorte liegen, mit Ausnahme der Tramschlaufe Werdhölzli, alle in Erholungs- oder Freihaltezonen. «Die Realisierung einer Schulanlage ist daher gemäss geltender Bau- und Zonenordnung nicht möglich.» Die Tramschlaufe Werdhölzli wiederum sei zu klein. Das lässt Thoms Isler nicht gelten: «Man kann diese Orte ja umzonen.» Die Arbeitsgruppe fordert ohnehin, das Projekt vorläufig zu sistieren und das Quartier anzuhören.



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