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24.07.2019
Zürich West, Zürich Nord

Forelhaus schafft mehr Wohnraum für Reintegration


Das Gebäude soll zusätzlich 15 Bewohnern nach abgeschlossener Sozialtherapie Platz bieten. Visualisierung: zvg.

Das Forelhaus Zürich mit Sitz in Wiedikon betreibt Wohnungen für ehemalige Suchtmittelabhängige. Diese sind jedoch überbelegt. Ein Neubau in Seebach soll Abhilfe schaffen.

Gian-Andri Baumgartner

Das «Betreute und Begleitete Wohnen» (BBW) des Forelhauses Zürich ist unter den abstinenten Alkohol- und Drogenabhängigen begehrt. Immer mehr Personen wollen sich nach abgeschlossener Sozialtherapie über diese Einrichtungen wieder in die Gesellschaft integrieren. Das hat Folgen: Seit einem Jahr sind die vom Forelhaus angebotenen Wohngemeinschaften und Studios chronisch überbelegt. Deshalb plant die Stiftung eine Kapazitätserweiterung. Zu diesem Zweck wird das etwas in die Jahre gekommene «blaue Haus» des Forelhauses mit elf WG-Plätzen des «Betreuten Wohnens» an der Seebacherstrasse 72 in Seebach abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser wird neben den wiedereingerichteten WGs 15 neue Studios im Bereich des «Begleiteten Wohnens» enthalten. Zudem werden 14 Wohnungen gebaut, die vom Forelhaus an Dritte fremdvermietet werden und von den restlichen Einrichtungen klar getrennt sind. «Das Gebäude ist faktisch zweigeteilt, es gibt zwei Eingänge und zwei Treppenhäuser», sagt Forelhaus-Leiter Jürg Dennler. Die Fremdvermietung hat den Vorteil, dass eine weitere Erhöhung der Unterkunftsplätze einfach gestaltet werden kann. «Wenn nötig, können wir die Wohnungen in diesem Bereich auch für das ‹Betreute und Begleitete Wohnen› nutzen», so Dennler.

Von der Erweiterung betroffen ist auch ein etwa hundertjähriges Gebäude neben dem «blauen Haus». Dieses steht auf einem erst kürzlich vom Forelhaus erworbenen Grundstück und wird ebenfalls abgerissen. Dennler erklärt: «Ursprünglich gehörten die drei Parzellen mit dem ‹blauen Haus›, dem älteren Gebäude an der Seebacherstrasse 74 und unserem 2013 gebauten Studiohaus an der Seebacherstrasse 70 zusammen.» Später seien sie in drei einzelne Grundstücke aufgeteilt worden, «bis heute. Nun führen wir sie wieder zusammen und erhalten so genügend Platz für unseren Ersatzneubau und einen für die Bewohner nutzbaren, attraktiven Aussenbereich, dem Forelhof», fügt Dennler hinzu.

Kaum Fluktuation

Der Neubau sei bitter notwendig. «Wir möchten allen Abgängern aus der Sozialtherapie in Wiedikon einen Platz im ‹Betreuten oder Begleiteten Wohnen› ermöglichen, wenn sie das wollen.» In Ersterem leben sie bis auf eine wöchentliche Sitzung selbstständig und es gibt Bezugspersonen, an welche sie sich wenden können. Noch etwas grösser ist die Autonomie beim «Begleiteten Wohnen», es gibt nur alle zwei Wochen eine Sitzung und bei Bedarf müssen sich die Bewohnerinnen und Bewohner selber externe Hilfe holen, wenn Probleme anstehen. Einige dieser Personen sind auch bereits wieder in der Arbeitswelt tätig. Dabei erhalten sie Hilfe von einem Jobcoach. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt die Tatsache, dass die im «BBW» lebenden Personen im letzten Jahr über 99 Prozent der Aufenthaltstage abstinent verbringen konnten.

Erfahrungsgemäss entscheidet sich etwa die Hälfte derjenigen Personen, welche die Sozialtherapie absolviert haben, für den Weg des BBW. Im letzten Jahr ist dieser Umzug aber nicht für alle möglich gewesen. «Viele Interessenten mussten woandershin ausweichen oder auf einen Platz warten», bedauert Dennler. Den Grund für die hohe Auslastung sieht er darin, dass sich die Tendenz je länger, je mehr von der stationären Behandlung wegbewegt: «Die Suchtmittelabhängigen kommen früher zu uns als in der Vergangenheit, weil sie nicht mehr so lange in der Suchtfachklinik bleiben können. Damit steigt natürlich unsere Anzahl an Bewohnern.» Zudem sähen immer mehr von einer Sucht betroffene Personen den Mehrwert einer schrittweisen und vorsichtigen Therapie, vor allem wenn sie lange davon betroffen gewesen seien und bereits mehrere Misserfolge beim Entzug erlitten hätten. Jedem werde bei der sozialen Integration die Zeit gelassen, die er brauche, sagt Dennler: «Wir werfen niemanden raus, der das nicht will. Für das Erlangen der inneren Sicherheit braucht jeder unterschiedlich viel Zeit. Deshalb ist die Fluktuation in unseren Wohneinrichtungen relativ gering und Interessierte müssen zum Teil lange warten.» Kürzere Aufenthaltszeiten sind also keine Option für Kapazitätserweiterungen, weshalb dafür nur der Neubau infrage kommt.

Finanzierung dank Fundraising

Bei den Baukosten rechnet das Forelhaus mit etwa 12 Millionen Franken, wovon knapp 7,5 Millionen durch das «Betreute und Begleitete Wohnen» verursacht werden. Einen Teil will das Forelhaus durch ein Fundraising wieder einnehmen. «Wir haben etwa 150 Stiftungen angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Auf Spenden sind wir angewiesen, auch auf solche von Privatpersonen. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Ziele mit dem Fundraising erreichen können», sagt Dennler. Eine Querfinanzierung des BBW mithilfe des fremdvermieteten Teils sei nicht geplant.

Ende Jahr dürfte das Forelhaus die Baubewilligung erhalten. Mit dem Bau soll dann im Frühling 2020 begonnen werden, bevor rund eineinhalb Jahre später die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in ihr neues Zuhause einziehen werden. Während der Bauzeit müssen die elf Bewohner des «blauen Hauses» umplatziert werden. Dennler erklärt: «Die Aussichten sind gut, dass wir in einer Genossenschaft mehrere Wohnungen als Übergangslösung beziehen können. Es ist nicht ganz einfach, weil wir ja auch dort die Betreuung der Bewohner aufrechterhalten müssen, aber das sollten wir geregelt bekommen.» Die Weichen für den zusätzlich notwendigen Wohnraum sind also gestellt.



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