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05.09.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Grünes Licht für die Biogasanlage


So wird die geplante Halle beim heutigen Kompostplatz aussehen. Die Grüngutannahme mit Waage und Betriebsgebäude auf dem oberen Platz bleibt bestehen und wird weiter wie bisher genutzt. Visualisierung: zvg.

Der Baurechtsvertrag für die geplante Biogasanlage auf der Küsnachter Allmend liegt vor. Jetzt eilts mit dem Baustart: Im Mai 2020 läuft die Bewilligung aus.

Lange hats gedauert, jetzt muss es schnell gehen: Die Kompostieranlage auf der Küsnachter Allmend soll in eine Biogasanlage mit Halle umgebaut werden. Der Küsnachter Gemeinderat hat die wichtigsten Eckwerte des entsprechenden Baurechtsvertrags mit der Firma Maschinenring genehmigt, wie er kürzlich in den Amtlichen mitteilte. Und weil das Gesuch der Betreiberin bereits im Mai 2017 bewilligt worden ist, eilt es jetzt. Sie muss bis Mai 2020 mit dem Bau beginnen. «Unsere personellen Ressourcen waren knapp», sagt Roman Stauffacher, Geschäftsführer-Stellvertreter beim Maschinenring, zur Verzögerung. «Zudem waren langwierige Verhandlungen und viele Vorabklärungen nötig.» Beispielsweise habe man vom Bundesamt für Energie erst vor vier Monaten die definitive Zusage zur Einspeisevergütung für den produzierten Strom erhalten. «Diese Vergütung ermöglicht es überhaupt, die erneuerbare Energie zu einem für die Bezüger interessanten Preis abgeben zu können», so Stauffacher.

Knackpunkt sind die Abnehmer
Der wichtigste Punkt ist für die Betreiberin noch offen: Wer wird dereinst Bezüger der produzierten Fernwärme? «Wir verhandeln zur Zeit mit den anliegenden Quartierbewohnern », so Stauffacher, «die meisten Einfamilienhäuser sind heute mit Gas oder Öl erschlossen.» Ziel wäre es, das ganze Quartier mit der Abwärme, die als Nebenprodukt der Stromgewinnung anfällt, im Wärmeverbund nahe der Anlage zu verteilen. «Biogas ist ein ökologischer Energieträger, der an Bedeutung gewinnt », ist Stauffacher überzeugt.
Plan B aber, falls die Verhandlungen scheitern, wäre eine Umleitung der Wärme in Trockenboxen, aus denen dann Pellets hergestellt werden. «Diese Variante ist jedoch wirtschaftlich weniger interessant», so Stauffacher. Eine dritte, zukunftsweisende Möglichkeit sei das Abfüllen von Gasflaschen – dann spiele die örtliche Verteilung keine Rolle mehr. «Diese Technik ist neu und noch sehr teuer.» Mit der neuen Anlage wird der Maschinenring neu bis zu 6500 Tonnen gemischtes Grüngut und Holz verarbeiten. Heute sind es 4500 Tonnen. «Wir werden mit der neuen Anlage auch das gesammelte kommunale Grüngut aus Küsnacht, Erlenbach und Herrliberg annehmen und verwerten», so Stauffacher. «Heute muss dieses Material bis nach Oetwil gefahren werden.» Die Standortnähe sei mit ein Grund gewesen, dass der Maschinenring am Bau der neuen Anlage interessiert gewesen sei.

Standort wird heiss diskutiert
Den ehemaligen Präsidenten des Quartiervereins Allmend-Küsnacht, Lorenz Tschudi, beunruhigt, dass möglicherweise die Grüngutsammlung aus Küsnacht wie auch aus den umliegenden Gemeinden durch das verkehrsberuhigte Quartier gefahren werden soll. Der befürchtete Mehrverkehr war schon damals, vor drei Jahren, der Hauptgrund für den Widerstand aus dem Quartier gewesen.
Der Abschluss des Baurechtsvertrags liegt allerdings in der Kompetenz des Gemeinderates. Ein Rekurs dagegen wäre wohl chancenlos. «Ich finde aber immer noch, dass es mehr Sinn machen würde, eine solche Anlage in ein Industriequartier zu verlegen», so Tschudi.

Begrenzte Zahl der Autos
Immerhin: Die Zahl der Transporte ist eine der Auflagen: Gemäss vorliegender Baubewilligung darf der Maschinenring höchstens 7800 Transporte pro Jahr durchführen. Stauffacher: «Gegenüber den bisherigen Werten von 2014 wird dies lediglich eine Steigerung von 340 Fahrten jährlich bedeuten.» Zum Standort äussert er sich ebenfalls positiv: «Ich halte die Allmend beim Wald für ideal, weil die Bäume den Lärm bestens absorbieren. Einzig die Zufahrt könnte besser sein.» Mit der neuen Anlage erwarte die Bevölkerung nicht mehr Lärm – eher weniger, weil der Prozess im Innern der Halle stattfinde, so Stauffacher. Dank neusten Technologien werde auch der üble Geruch kein Thema sein. «Es wird weniger stinken und weniger lärmig sein.»
Für den ehemaligen Quartierpräsidenten Lorenz Tschudi bleibt der gewählte Standort der heikle Punkt: «Vor 60 Jahren wurde auf der Allmend die Kompostieranlage platziert, damals war sie noch weniger dicht besiedelt.» Heute sei sie eine schöne Wohnlage, die mit dem Mehrverkehr stark entwertet werde. «Eine neue Anlage würde man nie und nimmer dort platzieren.» Liegenschaftenvorsteher Ueli Schlumpf (SVP) verteidigt den Standort: «Er dient heute schon langjährig der Verarbeitung von Grüngut, welchen die Küsnachter mit grossen Gärten sehr rege nutzen.» In der Gewerbezone gebe es zudem keine Standorte, die finanzierbar oder frei wären. Der jetzige Platz in der Zone für öffentliche Bauten sei zonenkonform. Und schliesslich liege die Verarbeitung und insbesondere die thermische Nutzung von Grüngut sehr stark im öffentlichen Interesse. Zum befürchteten Mehrverkehr meint Gemeinderat Schlumpf weiter: «Er soll sich nicht vergrössern, sondern weiterhin auf einen 10-Kilometer- Radius beschränkt und gebündelt sein.» Sollte sich aber während des Betriebs ein Problem ergeben, verspricht er, würde man Massnahmen ergreifen.
Bei der Firma Maschinenring wird jetzt auf Hochtouren gearbeitet: Abklärungen zur Finanzierung sowie die konkrete Projektierung stehen an. Bis spätestens Mitte September müssen die Betreiber ihrerseits Stellung nehmen zum Baurechtsvertrag.



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