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11.09.2019 Von: Lisa Maire

Züriberg, Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Beim Komponieren gärt es wie bei einem guten Wein»


Mit Zürich, der Hauptstätte seines beruflichen Wirkens, bis heute verbunden: Peter Wettstein. (Foto: Lisa Maire)

In der Welt der Musik ist ein Notturno ein lyrisches Nachtstück. Eine ganze Reihe solcher Nachtstücke gelangen nun zur Feier von Peter Wettsteins 80. Geburtstag an der Musikschule Konservatorium Zürich zur Aufführung.

Hier im altehrwürdigen «Konsi» hat der Komponist und Dirigent fast 40 Jahre seines musikpädagogischen Berufslebens verbracht – zunächst als Lehrer, später und bis zu seinem Rücktritt 2003 auch in leitender Stellung. Dabei prägte er massgeblich den starken Wandel mit, den das Berufsbild des Musikers bzw. der Musikerin in diesen Jahren erfuhr und der zu diversen institutionellen Neuausrichtungen im Ausbildungsbereich führte.

Komponieren beim Wandern

Für sein kompositorisches, musikpädagogisches und kulturpolitisches Engagement wurde Wettstein mehrfach ausgezeichnet. Zum Beispiel auch in Küsnacht, wo der geborene Oerliker 25 Jahre lang mit seiner Familie lebte und sich aktiv am Kulturleben beteiligte. Inzwischen ist das Haus an der Seestrasse das Heim von Sohn Martin  – ebenfalls ein Komponist – und dessen Familie. Peter Wettstein und seine Frau Elisabeth sind weitergezogen – zuerst nach Zollikon, dann nach Wallisellen. Das kleine Häuschen der Familie im glarnerischen Elm ist indes seit über 40 Jahren immer noch ein Refugium. Dort fand Wettstein die Natur, die Ruhe, die Bewegung, die er als Ausgleich zu seiner anstrengenden Arbeit brauchte, die immer wieder auch seine kompositorische Kreativität anregte. «Beim Wandern verfestigen sich Ideen», bilanziert er. Und fügt lachend an, Ideen habe er natürlich auch abends im Bett beim Einschlafen. Am nächsten Morgen finde er sie dann aber jeweils nicht mehr so gut.
Auf der einen Seite der Einfall, auf der anderen das Handwerk: «Die Musik denken – das ist eine Fähigkeit, die man lernen muss», erklärt der Komponist. Er träume ja nicht Partituren, sondern «nur» Klangkombinationen. Den ganzen eindeutig schwierigeren Rest – das Schreiben der Musik – müsse man sich intellektuell erarbeiten. So oder so: Wettstein komponierte stets nur dann, wenn er Aufträge dazu hatte. Für die Schublade schreiben, das war nie sein Ding. Über 90 Stücke, zum Teil international aufgeführt, umfasst sein zeitgenössisch-klassisches Werk heute.

Von Rilke inspiriert

Seine jüngste Komposition schenkt er sich und seinem Publikum nun zum 80. Geburtstag. Entstanden ist sie im Auftrag einer Gruppe von befreundeten Musikerinnen und Musikern, die sich zusammenfand, um einen Konzertabend zu seinen Ehren zu organisieren. «Weit in den Klang der Nacht hinein» heisst das Werk, inspiriert von zwei Rilke-Gedichten, die auszugsweise in die Klangbilder eingeflossen sind. Speziell an dem Notturno ist: Wettstein hat es für drei Frauenstimmen, Sologeige und Solocello sowie Streichorchester geschrieben – eine einmalige Besetzung. Etwa zwei Monate lang hat er an seinem Nachtstück gearbeitet. Wettstein: «Sobald ich den Auftrag hatte, fing es an zu gären – wie bei einem guten Wein.»

Auf dem unkonventionellen Konzertprogramm stehen neben Wettsteins Uraufführung vier weitere Nachtstücke. «Von Komponisten, die mich ansprechen – alle aus meiner eigenen Grossvätergeneration.» Und was spricht ihn am gewählten Thema an? «Wenn es draussen ruhig wird, taucht alles Mögliche im Kopf auf», sagt Wettstein. Sei er befreit von den Regeln des Tages, kämen kreative Prozesse in Gange. Die Nacht habe viel Geheimnisvolles, sei dunkel und hell gleichzeitig. Auch in seinem Notturno-Projekt gebe es melancholische und fröhliche Stimmungen. Obwohl er die Nacht als musikalisches Thema liebt: Ein nachtaktiver Kreativer ist Wettstein deshalb keineswegs. «Ich stehe gerne früh auf, gehe laufen, dann kommt die Arbeit, und abends trinke ich gerne ein Glas Wein – da ist dann fertig mit Komponieren.»

Noch nicht aller Tage Abend

Ja, vielleicht sei die Nacht schon auch ein Thema, das im Alter – am Lebensabend – wichtiger werde, überlegt Wettstein. Er habe aber schon früher etliche Notturni geschrieben. Auch wenn «Weit in den Klang der Nacht hinein» zum Alterswerk gehört: Der 80-Jährige, der bis heute noch regelmässig als Experte bei Musikprüfungen an mehreren Musikhochschulen tätig ist, versprüht jede Menge Vitalität. Die Kompositionsaufträge sind zwar spärlich geworden, und neue Projekte gibt es zurzeit nicht. Doch es ist ja noch nicht aller Tage Abend: «Wer weiss, was noch kommt», meint Wettstein frohgemut.



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