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11.09.2019 Von: Leon Zimmermann

Züriberg

Sie wollen die Gentrifizierung bekämpfen


Tina Held, Manuel Lehmann, Matthias Köhler, Cordelia Kreft, Christine Kuhn und Susanne Bührer (v. l.) bilden den Vorstand des Netzwerks Mehrgenerationen Riesbach, das im Februar gegründet wurde. (Foto: lz)

Eine Baugenossenschaft will im Seefeld bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bis in 20 Jahren soll dort ein Netzwerk von 40 Liegenschaften entstehen.

Alte, teils heruntergekommene Häuser, kaum Restaurants und Bars – und abgesehen von einigen zwielichtigen Gestalten auch sehr wenig Leben auf der Strasse: Es ist die leicht überspitzte Beschreibung vom Riesbach des 20. Jahrhunderts.

Seit Beginn der 2000er-Jahre hat sich dort bekanntlich einiges verändert. Viele der alten Häuser wurden abgerissen und kostenintensiv durch Neubauten ersetzt, was viele wohlhabende Bürger in die Gegend zog. Dies wiederum führte schliesslich zu einer Erweiterung des gastronomischen Angebots. Gentrifizierung nennt sich dieses demografische Phänomen. Und davon war in den letzten Jahren kein anderer Zürcher Stadtteil so stark betroffen wie das Seefeld.

Manuel Lehmann, Präsident der Ende Februar gegründeten Wohnbaugenossenschaft Netzwerk Mehrgenerationen Riesbach, will diesem Strukturwandel entgegenwirken. Sein Ziel ist es, im Seefeld wieder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Seine Vision: «Bis in 20 Jahren soll hier ein Netzwerk von 40 Häusern entstehen, das Wohnraum für rund 500 Personen bietet.» Eine weitere Option sei die Errichtung eines zentralen Neubaus.

Dass sich die Genossenschaftsmitglieder dabei auf einen Stadtteil beschränken, hat laut Lehmann seine Gründe. «Die verschiedenen Häuser sollen sich in Velo- oder Gehdistanz befinden», erklärt er. Bereits vor der Gründung der Genossenschaft haben sich die rund 30 Mitglieder monatlich im Gemeinschaftszentrum Riesbach getroffen, um ihre Pläne auszuarbeiten. Lehmann hat diese Treffen im November 2017 initiiert. «Bei der ersten Zusammenkunft habe ich auf einem Flipchart die Ausgangslage und meine Idee aufgezeigt.»

Und die Ausgangslage ist laut Lehmann klar: «Im Seefeld ist es schön, und es gibt hier eine Wohnungsnot.» Ältere Menschen seien davon besonders stark betroffen. So finden diese oft keine Wohnung mehr und müssen in ein Alterszentrum ziehen. «Auf dieses Problem bin ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam geworden», erinnert sich Lehmann. Darauf habe er beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen.

Vielfältige Anliegen

So ist das Wohnen auch eines der zentralen Themen, mit denen sich die Mitglieder der Genossenschaft beschäftigen. Dazu gehöre auch, die städtische Alterspolitik zu verfolgen. «Wir sind zuversichtlich bezüglich der neuen Altersstrategie, welche die Stadt Zürich momentan erarbeitet», sagt Lehmann. Auf die ersten gemeinsamen Treffen der heutigen Genossenschafter folgte ein gemeinsamer Workshop. Lehmann erinnert sich: «Wir haben dabei Arbeitsgruppen gebildet – jeweils eine für die Finanzen, die Liegenschaften und die Kommunikation.»

Zudem habe er im Rahmen des Workshops eine Umfrage durchgeführt. «Ich wollte herausfinden, wie unsere Mitglieder überhaupt wohnen wollen», erklärt der Präsident. Dabei sei herausgekommen, dass die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind und von möglichst günstigen Wohngemeinschaften bis hin zu möglichst gut gelegenen Einzelwohnungen reichen.

Später hat sich nebst den Arbeitsgruppen ein sechsköpfiger Vorstand gebildet. Am 27. Februar erfolgte die Gründung des Netzwerks Mehrgenerationen Riesbach. Während die Vorstandsmitglieder aktuell vorwiegend mit administrativen Aufgaben beschäftigt sind, sind die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgruppen bereits aktiv geworden.

Die Arbeitsgruppe Liegenschaften geht in nächster Zukunft auf die Eigentümer im Seefeld zu. Finanziert wird die Genossenschaft durch Mitgliederbeiträge und Anteilscheine. «Vor allem junge Genossenschaften sind stark auf ihre Mitglieder angewiesen», erklärt Lehmann.

Im örtlichen Quartiertreff gibt es ebenfalls eine Arbeitsgruppe, die sich für günstigen Wohnraum in Riesbach einsetzt. Allerdings eher in einer vermittelnden und beratenden Funktion, wie Lehmann erklärt: «Die Gruppe will vor allem aufzeigen, dass es für Eigentümer auch andere Möglichkeiten gibt, als ihre Immobilien einfach an den Meistbietenden zu verkaufen.»

Kann überall funktionieren

Und genau diese Möglichkeiten will sich die Genossenschaft nun zunutze machen. Lehmann zeigt sich bezüglich seiner Ziele optimistisch: «Ich denke, wir treffen den Zeitgeist mit unserer Idee», sagt Lehmann.

Expandieren will der Genossenschaftspräsident aber nicht. «Wir wollen stattdessen kopiert werden», sagt er. Entsprechend zeigt er sich überzeugt: «Falls das Projekt in Riesbach funktioniert, kann es überall funktionieren.»



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