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12.09.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Migros geht vorsichtig vor bei Planung


Heute befindet sich beim Eingangstor zu Küsnacht ein Parkplatz. Foto: Google

Am Montag hat die Migros ihre Pläne für eine grössere Filiale auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof Küsnacht vorgestellt. Früh will sie die Bevölkerung miteinbeziehen, denn bis jetzt haben sich am Areal alle die Zähne ausgebissen.

«Wir gehen nicht mit dem Kopf durch die Wand», meinte Heinz Fankhauser, Expansionsleiter bei der Migros, an der Veranstaltung vom Montag, «es ist uns wichtig, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. » An diesem Abend einfach mal «abspüren», ob die Migros in Küsnacht überhaupt eine Chance habe, das Areal hinter dem Bahnhof zu entwickeln, doppelte der anwesende Architekt von der Keeas AG nach.

Alle sind bisher gescheitert 
Die Vorsicht ist wohl berechtigt: Mit zwei gescheiterten Überbauungsvorlagen hat sich vor zwei Jahren bereits die Gemeinde für sehr viel Geld die Zähne am Areal ausgebissen. Ein paar Jahre früher ist die Migros ebenfalls mit einem Projekt gescheitert. Zu zweit nun sassen die Migros- Vertreter auf dem Podium, zu zweit auch die Architekten, und in der ersten Reihe fast der gesamte Gemeinderat – die Bevölkerung kam ebenfalls zahlreich, es musste auf etwa 150 Plätze aufgestuhlt werden. 

Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) machte am Anfang der Veranstaltung deutlich, dass die Migros zur Information eingeladen hatte und nicht die Gemeinde. «Wir sind offen für den Prozess», sagte er. «Wenn die Migros etwas baut, das der Bevölkerung gefällt, freuen wir uns. Wenn nicht, dann leben wir einfach weiter mit dem Parkplatz.» Aktiv würde man zu diesem Zeitpunkt keine Steuergelder mehr einsetzen für die Gestaltung des Platzes. Die Vorteile der privaten Initiative allerdings strich Ernst heraus: Ein Abschluss des Geschäfts würde der Gemeinde einen Baurechtszins bescheren.
Migros-Vertreter Fankhauser legte die nüchternen Fakten dar: «Heute ist das Areal ein Parkplatz mit 117 Plätzen, einer Gesamtgrösse von knapp 4300 Quadratmetern und einer zulässigen Gebäudehöhe von 13,5 Metern.» Die Parkplätze seien praktisch, aber sicherlich keine Visitenkarte für Küsnacht. Die Migros wolle dort nun «ein einfaches, schlankes Projekt» realisieren. Auf keinen Fall wolle man eine weitere Planungsleiche anstossen.
Die grössere Filiale soll eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern aufweisen, am heutigen Standort Ecke Zürich-/Oberwachtstrasse sind es zirka ein Drittel weniger. «Gemessen an der Einwohnerzahl von Küsnacht, ist das eine unterdurchschnittliche Vertretung für die Migros», so Fankhauser. Die Vorteile wären zudem «ein lebendigeres Zentrum, ein grösseres Einkaufserlebnis». Der Ort soll aber auch «ein Begegnungsort mit Aufenthaltsqualität» werden.
Drei Varianten sind schliesslich auf dem Tisch gelegen – die Migros im Obergeschoss, im Erdgeschoss oder im Untergeschoss des neuen Gebäudes. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte man diese mit sämtlichen Ortsparteien, dem Gewerbe, dem Bürgerforum, den Nachbarn sowie der Gemeinde besprochen sowie in einem Round Table im Juni vertieft. Dabei seien vielfältige Wünsche geäussert worden, so Fankhauser weiter. Beispielsweise wünschte sich Kantonsrat Hans-Peter Amrein (SVP), «etwas für Alt und Jung», die SP, «dass Arbeitsplätze geschaffen werden», die Grünen «nichts Überladenes, etwas Bescheidenes ». Auch befragt worden sind die Initianten des damaligen Konkurrenzprojekts, die Parkdeck-Initianten Hermann Gericke und Rheinhard Wolf. «Braucht es das?», war deren Meinung bei der vorgängigen Befragung durch die Migros.

Eine Variante ist der Favorit
Nach diesen Gesprächen ist eine Variante als Favorit übrig geblieben, und diese wurde am Montag ausführlicher vorgestellt: «Die Migros im Oberschoss, dort hätte sie genügend Platz für ein wesentlich breiteres Angebot », so Fankhauser, «auf dem Erdgeschoss wären bis zu 40 oberirdische Parkplätze möglich – unterirdisch kämen etwa 140 dazu.» Und: «In einem überdachten Teil wäre ein Bereich frei für Begegnungen.»
Diese freie Halle, ob geschlossen oder nicht, würde laut Fankhauser Platz für ein Café oder ein Take-away bieten. Auch könnte sie «unterschiedlich bespielt» werden. Daneben würde die Migros «hohe Anforderungen an die Gestaltung» legen und den Platz zusätzlich begrünen. Die anschliessende Diskussion fiel angeregt aus und zeigte, wie sehr das Thema bewegt. «Braucht es ein Shoppingcenter?» So äusserte sich Architekt Urs Esposito positiv zur Migros, aber bezeichnete es als «Armutszeugnis» für die Gemeinde, dass sie die Zentrumsplanung aus der Hand gibt. Weiter kritisierte er, dass man die andere Seite der Gleise nicht in die Planung mit einschliesse und die SBB ins Boot hole. Ein anderer Küsnachter fragte in die Runde, ob es wirklich ein so grosses Shoppingcenter mitten im Dorf brauche. Nachbar und damaliger Gegner des gemeinderätlichen Projekts Rheinhard Wolf schliesslich sagte, er verstehe die Welt nicht mehr. In der Nachbefragung zur gescheiterten Abstimmung hätten die Küsnachter deutlich gesagt, dass sie keine zusätzlichen Gebäude im Dorfkern wünschten.
Hans-Peter Amrein schliesslich fragte nach dem Mehrverkehr. «Insbesondere, wenn der Kreisel Oberwachtstrasse kommt und Tempo 30 gilt.» Ein anderer Votant wollte wissen, ob denn im neuen Gebäude kein Wohnanteil vorgesehen sei und was mit dem angestammten Platz passiere, wenn die Migros zügle. «Wir werden den Ort selber nutzen», meinte Migros-Vertreter Fankhauser, «mit einem Migros-Format wie zum Beispiel Denner oder Alnatura.» Dies lasse sich zum heutigen Zeitpunkt aber noch nicht abschliessend sagen, das Detailhandelsgeschäft ändere sich laufend.
Direkt im Anschluss an die Veranstaltung startete die Migros eine Online- Befragung, welche die Meinung der Bevölkerung bis zum 6. Oktober einholen will. Aufgrund des Ergebnisses entscheidet der Grossverteiler dann bis Ende Jahr, ob er das Projekt weiterverfolgen wird. Das letzte Wort werden die Küsnachterinnen und Küsnachter haben: Sie müssten den neuen Gestaltungsplan an einer Gemeindeversammlung genehmigen; die Landabgabe im Baurechtszins müsste zudem an der Urne legitimiert werden. Inbetriebnahme des neuen Migros wäre frühestens im Jahr 2025.



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