Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
09.10.2019 Von: Béatrice Christen

Zürich Nord

Elektrozäune wegen Wildschweinen


Foto: Béatrice Christen

Die Freihaltezone auf dem Hönggerberg gibt erneut zu reden. Der Juchhof schützt Felder mit Gründünger mit Elektrozäunen gegen Wildschweinschäden. Hinweistafeln, die den Gründünger als Winterweizen deklarierten, wurden ausgewechselt.

Nachdem der Winterweizen auf dem Hönggerberg geerntet und die Felder umgepflügt wurden, verschwanden auch die Elektrozäune. Doch nur für kurze Zeit. Um die Erde zu lockern und den Boden für die nächste Aussaat vorzubereiten, wurde Gründünger angepflanzt. Da es auf dem Hönggerberg von Wildschweinen wimmelt, suchten diese an den Feldrändern Futter, und es entstanden Erdfurchen. Sehr zum Missfallen des Juchhofs, in dessen Kompetenz die Bewirtschaftung der Felder fällt. In der Folge wurden nah am Wegrand Pfosten erstellt, welche die elektrischen Drähte eines Zauns stützen sollten. Diese wurden aber einige Tage später – nachdem der Wildhüter interveniert hatte – einige Meter zurückversetzt. Spaziergänger ärgern sich über die Elektrozäune, und es kam zu Vandalenakten. Zusätzliches Ärgernis bildeten die aufgestellten Tafeln, welche Aufschluss gaben, dass hier Winterweizen gedeihen würde und die Zäune diesen vor Wildschweinschäden schützen sollten. Problematisch war allerdings, dass auf den Feldern kein Winterweizen, sondern Gründünger angesät war. Eine Tatsache, welche zu Kopfschütteln und Irritationen führte. Ein Spaziergänger sagte: «Wollen die uns eigentlich für dumm verkaufen?»

Wiese statt Gründünger
Nach einer Begegnung mit Bernhard Koch – Betriebsleiter des Juchhofs – zeichnete sich ab, dass man Winterweizen-Tafeln aufgestellt hatte, weil sie im Magazin noch vorhanden waren. Nach dem Gespräch zwischen Bernhard Koch und der «Lokalinfo» wurden diese ausgewechselt und der eingezäunte Gründünger als landwirtschaftliche Kultur bezeichnet. Bernhard Koch weist darauf hin, dass Schäden an den Kulturen nur dann von der Stadt oder dem Kanton beglichen würden, wenn ein Elektrozaun diese schützen täte. Auf die Frage, ob der Gründünger geerntet und als Viehfutter verwendet würde, verneint Koch und sagt: «Nein, diesen lässt man wachsen, bis er bei kalten Temperaturen verfroren ist und das Feld umgepflügt werden kann». Allerdings drängt sich da die Frage auf, ob das Ansäen einer Wiese nicht eine bessere Alternative gewesen wäre. Immerhin hätte man das Gras als Viehfutter verwenden können, und da die Felder so oder so umgepflügt werden müssen, würden auch die Wildsauschäden verschwinden.

Wildschweinschäden enorm
Wenn Wildschäden entstehen, arbeiten Landwirtschaft und Wildhut eng zusammen. Erwin Nüesch – verantwortlicher Wildhüter in Zürich Nord und Mitglied des Jagdausschusses Zürcher Unterland nimmt wie folgt Stellung: «Die Wildschweinschäden auf dem Hönggerberg sind enorm. Zurzeit leben insgesamt 42 Säue hier. Sie wühlen bei der Futtersuche die Erde auf. Um die Tiere zu dezimieren, sind diese zum Abschuss freigegeben. Wildschweine halten sich tagsüber im Wald auf. Sie verlassen diesen in der Dunkelheit. Wenn nun ein Elektrozaun nah am Waldrand steht, bleiben sie in Deckung und wagen sich nicht aus dem Gehölz. Aus diesem Grund müssen Elektrozäune zwingend einige Meter zurückversetzt und die Kulturen in entsprechendem Abstand angesät werden.»
Doch einfach ist der Abschuss der Säue nicht. Nüesch erklärt: «Da Wildschweine intelligente Tiere sind, braucht es viel Geduld. Das Tier muss sorgfältig ausgesucht werden. Es darf auf keinen Fall eine Bache mit Jungen sein. Während des Ansitzens in der Nacht konzentriere ich mich auf die Rotte und wähle das schwächste Tier aus. Nach einem Abschuss meiden die Wildschweine den Ort, kehren aber oft nach zwei bis drei Wochen wieder zurück.»

Landwirtschaft in der Stadt
In der Stadt Zürich sind Grünflächen rar geworden. So werden immer mehr Wiesen in der Freihaltezone landwirtschaftlich genutzt. Dazu gehören auch die Felder auf dem Hönggerberg. Hier befindet sich allerdings eines der wenigen Erholungsgebiete in der Stadt Zürich, das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Spaziergänger nutzen den grünen Erholungsraum, der früher von Wiesen umgeben war, auf denen sich Kinder, Hunde und auch Sportler – Bogenschützen etc. – tummelten. Der schmale Weg dem Waldrand entlang gehörte ursprünglich den Fussgängern. Doch seit sich die Velolandschaft verändert hat, fühlen sich Passanten bedrängt, weil sie – in letzter Zeit besonders im vorderen Teil des Waldrandes – oft durch Elektrozäune nur wenig oder gar keine Möglichkeiten zum Ausweichen haben.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 17. Oktober 2019
Zürich 2 vom 17. Oktober 2019
Zürich Nord vom 17. Oktober 2019
Zürich West vom 17. Oktober 2019
Küsnachter vom 17. Oktober 2019
Küsnachter Amtlich vom 17. Oktober 2019

Sonderzeitungen

Abenteuer Stadt Natur 2019
Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger Volketswiler Nachrichten