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10.10.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Baumfreunde wehren sich gegen Fällungen


Die Rosskastanie auf dem ARA-Areal in Küsnacht soll Genossenschaftswohnungen Platz machen.

Erst verärgerte die Fällung einer Rotbuche die Spaziergänger auf der Forch, nun soll auch eine Rosskastanie an der Freihofstrasse dranglauben. Die Frage tut sich auf, wie stark das Volk bei Fällungen mitreden darf.

Ihr Herz blute, sagt Katherine-Ann Mueller, eine Anwohnerin der Freihofstrasse in Küsnacht. «Während auf der ganzen Welt Proteste zum Thema Klimanotstand und Nachhaltigkeit stattfinden, wird in Küsnacht frisch und fröhlich weitergefällt.» Die ganze vergangene Woche musste sie direkt vor ihrem Fenster mit ansehen, wie mehrere gesunde Bäume durch den privaten Totalunternehmer «Falling Garden» gefällt wurden. «Ein regelrechtes Massaker.» Dagegen lässt sich nichts machen. Dafür aber gegen die geplante Fällung der Rosskastanie, die gleich daneben auf dem Areal der ARA Küsnacht- Erlenbach-Zumikon steht.

Rosskastanie soll weichen
An diesem Ort will die Gemeinde Genossenschaftswohnungen bauen. Der entsprechende Projektierungskredit ist von der Gemeindeversammlung bereits vor zwei Jahren bewilligt worden. «Pünktlich zum Baubewilligungsprozedere» sei die Rosskastanie für krank befunden worden, bemängelt Katherine-Ann Mueller. Weiter habe es geheissen, der Baum sei während eines Sturms im Januar 2018 beschädigt worden und stelle ein Risiko dar. Das will Mueller nicht glauben: «Über 1½ Jahre später steht und gedeiht die Rosskastanie nach wie vor.»
Ein Rekurs gegen das Projekt ist am Laufen, eingegeben von einer Gruppe von Anwohnern. «Es ist richtig», sagt die Küsnachter Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola, «dass verschiedene direkte Nachbarn gegen die Baubewilligung rekurriert haben.» Dies, nachdem die Gemeindeversammlung das Projekt «nahezu einstimmig» genehmigt habe. Ein Entscheid des Baurekursgerichts stehe aber noch aus, so Erb Pola weiter. Der Baum ist einer der Rekurspunkte.
Traurig und empört ist auch Daniel Schüz. Sein Anliegen ist die gefällte Rotbuche auf der Forch. «Der prächtige, uralte Baum wurde bereits im Juni gefällt», erinnert er sich an den Schreck. «Wir Anwohner hatten keine Ahnung, wir sind nicht vorgewarnt worden.» Eines Morgens sei sie am Boden gelegen, Schüz machte mit seinem Hund eben einen frühen Morgenspaziergang. Dabei liess er es aber nicht bewenden. «Ich habe mich an die Gemeinde gewendet.» Das Gespräch mit Walter Matti (parteilos), dem zuständigen Tiefbauvorstand, hat vergangenen Monat stattgefunden. «Die Buche stand direkt am Strassenrand », sagt Matti auf Anfrage zum Grund der Fällung. Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Kronenweg wären die Wurzeln sowie der Stamm stark beschädigt worden. «Der Fortbestand des Baumes wäre nicht mehr möglich gewesen.»
Matti ist sich bewusst, dass «das Fällen von Bäumen ein sensibles Thema» ist. Entsprechend würden deshalb Abklärungen gemacht – im Fall der Rotbuche seien auch die Stellungnahmen von Fachpersonen eingeholt worden. An einer Sitzung der Baukommission habe man den Fall diskutiert und als verhältnismässig erachtet, sofern Ersatzpflanzungen gemacht würden. «Zur Information der Bevölkerung besteht keine gesetzliche Verpflichtung», so Matti weiter, «gleichwohl werde ich das Anliegen für eine proaktive Kommunikation bei erforderlichen Baumfällungen in speziellen Fällen in meinem Team besprechen.» Dass in Zukunft aber auch die Energie und Naturschutzkommission in die Fällungsentscheide mit einbezogen wird, verneint er. «Das ist nicht vorgesehen », so der Tiefbauvorstand.

«Natur soll geschützt werden»
Dies wäre Daniel Schüz aber wichtig. «Ich finde, der Entscheid einer Fällung sollte nicht allein vom Tiefbauamt bestimmt werden.» Denn schliesslich sei nicht nur ein Bauvorhaben ausschlaggebend, sondern auch das Schützen der Natur. «Unsere Rotbuche hat im Sommer Schatten gespendet, die Luft rein gehalten, das Ortsbild verschönert. Zudem gab sie den Vögeln und Käfern ein Zuhause.»
Unterstützung hat Schüz inzwischen von der Interessengemeinschaft «RotGrünPlus» bekommen. Zusammen finden sie, dass die Bevölkerung vor einer Fällung informiert werden muss, um die Möglichkeit für eine Einsprache zu haben. Die Baumallee ist inzwischen durch den privaten Unternehmer «Falling Garden» gefällt worden. Wie es mit der nahe gelegenen Rosskastanie weitergeht, ist noch offen.



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