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30.10.2019
Zürich West

Albisrieden ist altersfreundlich, aber …


Schwellenfreie Übergänge auf Strassen sind eines der Anliegen älterer Menschen. Foto: mai.

Eine Gruppe Albisriederinnen über 50 hat ihr Quartier auf seine Altersfreundlichkeit hin untersucht. Fazit: Die vielen Organisationen sollten besser zusammenarbeiten. Und es bräuchte einen «Quartierkümmerer».

Wie steht es um das altersgerechte Leben in Zürich? Der Seniorenrat Zürich sah 2018 Handlungsbedarf und erstellte das «Panel für ein altersfreundliches Albisrieden». In Zusammenarbeit mit dem GZ Bachwiesen wurden Einwohnerinnen und Einwohner ab 50 in Albisrieden gesucht, die bei der Abklärung der Angebote und allfälliger Lücken mitmachen wollten. Es bildete sich eine Gruppe von engagierten sieben Frauen und zwei Männern zusammen mit der Projektleitung sowie des GZ-Teams.

Es habe sich sehr bald herausgestellt, dass Albisrieden, gemessen an den öffentlichen und privaten Angeboten und bezüglich Lebensqualität, als ausgesprochen altersfreundlich bezeichnet werden könne, so die Arbeitsgruppe. Allerdings sähe man sich noch vor Herausforderungen wie die Zunahme der Einsamkeit sowie der Tatsache, dass Zugänge zu Angeboten und Informationen für ältere Menschen immer schwieriger werden. Deshalb wurde ein Bericht verfasst, der Verwaltung und Politik die vorhandenen Defizite aufzeigt.

Im Bereich der Mobilität und Wohninfrastruktur machen die Befragungen deutlich, dass verkehrsberuhigte Strassen, ein barrierefreier ÖV, schwellenfreie Übergänge auf Strassen oder die Entflechtung des Verkehrs zwischen Fussgänger, Rollator und Autos weit oben auf der Wunschliste stehen. Interessanterweise gewinnen Quartierläden mit persönlichem Service inklusive Lieferservice sowie das Unterstützte Wohnen an Bedeutung.

Baustelle bei Kirchenangeboten

Durchmischte Wohnmodelle wie Mehrgenerationenhäuser scheinen immer wichtiger zu werden. Mittagstische, wie es schon der Verein Hochneun anbietet, unterstützten zudem die Bewusstseinsförderung der Jungen für die Anliegen und Befindlichkeiten der Älteren. Eine Baustelle kristallisiert sich bei den konfessionsübergreifenden Angeboten heraus. Für Nichtkirchgängerinnen und Konfessionslose seien die kirchlichen Angebote, auch wenn sie offiziell für alle offen stehen, kaum zugänglich.

Alte seien auch während der Schulferien alt. Mit dieser pointierten Aussage fassen die Macherinnen und Macher der Untersuchung das Bedürfnis zusammen, dass Kulturevents und Veranstaltungen während allen Jahreszeiten geschätzt würden. Dazu kämen Schnittpunkte zwischen Jung und Alt im Theater, an Konzerten und Spielen. Mit anderen Worten: Es muss nicht immer «Seniorentreff» heissen oder «Wandern ab 60».

Stelle für eine Quartierassistenz?

Viele Befragten schätzten einen interkulturellen Austausch mit Neuzugezogenen aus anderen Ländern und Sprachräumen, nicht erst beim Fachpflegepersonal im Heim. Und es werden Wünsche laut nach Coaching bei psychischen Problemen, Spitex-Angeboten und die Akzeptanz der Komplementär- und Alternativmedizin. In dieses Kapitel fallen auch Anliegen wie altersgerechte Freizeitplätze, passende Sitzgelegenheiten, unkomplizierte Begegnungsorte, Tauschbörsen und Erfahrungs- und Wissenstransfer zwischen Jung und Alt bei Projekten und Dienstleistungen.
Im Alter wird der Lebensradius kleiner. Das heisst, das eigene Quartier – die Umgebung, in der man am meisten Zeit verbringt – wird für sämtliche Bedürfnisse relevanter. Um sein Leben so lange und so selbstbestimmt wie möglich führen zu können, sind Verwandte, Bekannte sowie Angebote der Nachbarschaftshilfe wichtig aber sie seien nicht immer ausreichend. Das inzwischen erprobte Modell der Anlaufstelle für Altersfragen oder Quartierassistenz – auch Quartierkümmerer genannt – böte sich hier an. Eine solche lokale Funktion könne adäquate Lösungen nicht nur für die Betagten finden. Zu den Aufgabenstellungen gehörten Unterstützung der Wohnautonomie, nachbarschaftliches Netzwerken, Koordination von Fachstellen und Stärkung des ambulanten Bereichs.

Bei der Quartierassistenz stellt sich die Frage nach den Kosten und der Trägerschaft einer solchen Aufgabe. Es wäre zu prüfen, ob ein Teil der Kosten durch Beiträge der lokalen Dienstleister zu decken wäre. Für die Trägerschaft böten sich lokale Institutionen an wie das GZ mit jahrelanger Erfahrung im Brückenbauen zwischen Organisationen und Gruppen. Man könne sich auch eine Partnerschaft mit Pro Senectute vorstellen.

Ein Jahr Zeit für die Verwaltung

Das Team vom Panel begrüsst es, dass die in Arbeit befindliche Altersstrategie der Stadt Zürich den Bedarf für eine Quartierassistenz schon erkannt habe. In einem Jahr werde das Panel Verwaltung und Legislative anfragen, was mit dem hier beschriebenem Befund geschehen ist. Sollten kaum Fortschritte erzielt worden sein, trete das Panel erneut zusammen, um die Umsetzung der Forderungen weiter zu forcieren. (pd.)



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