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07.11.2019 Von: Yannick Schenkel

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Den Freiwilligen etwas zurückgeben


Sie koordinieren die Freiwilligenarbeit in Küsnacht (v. l.): Emine Birgi, Brigitte Seifert-Wüst, Gemeinderätin Pia Guggenbühl und Abteilungsleiterin Gesellschaft Rita Niederöst. Foto:Yannick Schenkel

Die Gemeinde Küsnacht huldigte mit einem Fest der Freiwilligenarbeit. Diese ist längst nicht mehr selbstverständlich und hat sich im Laufe der Zeit verändert.

«Jahr für Jahr engagieren sich weniger Schweizerinnen und Schweizer freiwillig. Musikvereinen fehlen die Aktuare, Gemeinden und Körperschaften Präsidentinnen, der Feuerwehr die Helfer», stellte die Küsnachter Gemeinderätin Pia Guggenbühl fest. Um Freiwilligen zu danken und ihrer Arbeit Anerkennung zu geben, organisierte die Gemeinde Küsnacht ein Fest für sie. In der Heslihalle trafen sich am letzten Freitag 150 Einwohner, die verschiedene Dienste in der Gemeinde leisten. Sie geben Flüchtlingen Deutschkurse, arbeiten in den Kirchengemeinden oder engagieren sich in den zahlreichen Vereinen. Für ihre Arbeit erhalten sie keine Gegenleistung, sie machen es aus Freude und Leidenschaft.
FDP-Gemeinderätin Guggenbühl betonte auch die Arbeit ausserhalb der Strukturen, die mindestens so wichtig sei. «Das kann zum Beispiel Hilfe in der Nachbarschaft, in der Familie oder im Freundeskreis sein.» Die Anerkennung für diese Form der Freiwilligenarbeit werde oft vernachlässigt.

Freiwillige fördern Zusammenhalt
In Küsnacht sind die Verantwortlichen insgesamt zufrieden mit dem Engagement der Bevölkerung. Doch wären sie froh, wenn vermehrt junge Leute Freiwilligenarbeit leisten würden. «Gerade wegen der demografischen Entwicklung gibt es immer mehr ältere Leute, die auf Hilfe angewiesen sind», analysierte Brigitte Seifer- Wüst die Situation. Sie ist in der Fachstelle Alter und Gesundheit für die Freiwilligen zuständig.
Zudem hätten viele sehr lange Freiwilligenarbeit geleistet, die altershalber bald aufhören müssten. Später sind auch sie auf junge Leute angewiesen, welche ihnen helfen. Im Bereich Alter und Gesundheit können die Freiwilligen in den beiden Alterszentren Trägerhalde und Wangensbach für die Bewohner Einkäufe erledigen, sie bei Ausflügen begleiten oder bei Spaziergängen einfach nur Zeit mit ihnen verbringen. Der Grossteil der Freiwilligen sei nicht mehr berufstätig, weil pensionierte Leute mehr Zeit hätten. Jedoch würden sich laut Seifer-Wüst auch jüngere engagieren: «Unsere jüngste Freiwillige ist gerade im Jahr der Matura, die älteste ist 94 Jahre alt.»
Nicht nur in Zusammenarbeit mit älteren Menschen sei Freiwilligenarbeit wichtig, findet Gemeinderätin Guggenbühl. Auch für die Gemeinschaft in einem Dorf sei sie von zentraler Bedeutung. Freiwillige in den Vereinen organisieren kulturelle Anlässe, bei denen die Einwohner zusammenkommen, neue Leute kennen lernen und sich gegenseitig austauschen. Solche Events schweissen eine Gemeinde zusammen. Das hob Gemeinderätin Pia Guggenbühl bei ihrer Rede hervor: «Ein Viertel der Schweizer engagiert sich in einem Verein. Ohne sie gibt es keine Sportanlässe, keine Konzerte und keine Kunstausstellungen.»
Die rückgehende Anzahl an Helferinnen und Helfern in Vereinen, der Politik und anderen Institutionen schwäche den gesamten gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wo sollten sich die Dorfbewohner treffen, wenn diese Institutionen keine Anlässe mehr organisieren würden?

Form der Arbeit verändert sich
Trotz dieser Herausforderung ist es so, dass nach wie vor Freiwillige gefunden werden. Emine Birgi, Koordinatorin der Freiwilligenarbeit im Migrationsbereich, bemerkte: «Als sich infolge der Flüchtlingswelle in Küsnacht mehr Migranten niederliessen, hat die Bevölkerung solidarisch und unterstützend reagiert.» Freiwillige würden einen grossen Beitrag für die Integration der Migrantinnen und Migranten leisten. So geben sie Deutschkurse, helfen bei Bewerbungen oder organisieren Freizeitaktivitäten. Diese Arbeiten sind alle auf ein Projekt bezogen und wohl deshalb beliebt. Eine im Frühjahr 2018 publizierte Studie des Gottlieb-Duttweiler-Institutes bestätigt denn auch einen Strukturwandel in der Freiwilligenarbeit. Anstatt sich klassisch in Vereinen zu organisieren, würden die Leute gemäss der Studie lieber in kurzfristigen und projektbezogenen Engagements Freiwilligenarbeit leisten.
Auch Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) liess sich die Gelegenheit nicht nehmen, sich für das Engagement der Freiwilligen bei seiner Rede zu bedanken. Diese würden das heute begrenzte Gut Zeit zur Verfügung stellen und so der Gemeinde Küsnacht zu einer noch besseren Lebensqualität verhelfen.
Für Unterhaltung sorgte die lokale Theatergruppe «Die Kulisse». Sie brachte mit dem dritten Teil der bekannten Komödie «Plaza Suite» von Neil Simon das Publikum mehrmals zum Lachen. Abgerundet wurde das Stück von den Klängen des ehemaligen Küsnachter Kulturpreisträgers Martin Wettstein. Danach genossen die Gäste bis spät in den Abend Speis und Trank.



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