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23.01.2020 Von: Dennis Baumann

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Wo Suppen garantiert versalzt werden


Das Kochen kommt irgendwie zu kurz. Kursleiterin Marlene Bäcker (Mitte) ermahnt die Teilnehmer. Foto: Dennis Baumann

Das Theaterensemble der Erlibacher Volksbühne feierte letzte Woche Premiere. In Nathalie Portmanns Komödie «Choche isch mänschlich» geht es während eines Kochkurses um alles mögliche, nur nicht ums Kochen.

«Kochen für Anfänger» lautete der Arbeitstitel des neusten Theaterstücks der Regisseurin Nathalie Portmann. Mit diesem käme der Kern des Stücks aber nicht genug zum Ausdruck. Denn die Komödie zeigt, wie selbst die gewöhnlichsten Situationen aufgrund des Zusammentreffens verschiedener Menschen ausarten können.
Die Geschichte handelt von der strukturierten Marlene Bäcker, gespielt von Johanna Vogt-Stierli ,die einen Kochkurs für Anfänger leitet. Dem penibel geplanten Kursablauf wird ein Strich durch die Rechnung gemacht, wenn die eintrudelnden Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer allesamt verschiedene Beweggründe für die Teilnahme am Kochkurs haben, ausser das Kochen zu lernen. Das Stück zeigt Menschen und deren zwischenmenschliche Probleme, die sie im Kochkurs versuchen zu lösen. Ob die Teilnehmer das Kochen doch noch erlernen, kann man als Zuschauer bis zum 2. Februar herausfinden.

Jedes Mitglied kann mitmachen
Die Ideen und feinen Details der einzelnen Charaktere stammen aus der Feder der gebürtigen Erlenbacherin Nathalie Portmann. Seit 2013 übernimmt sie die Regie innerhalb des Theaterensembles. Jahr für Jahr müsse sich die Erlibacher Volksbühne neu erfinden, erklärt die Regisseurin. Das Bühnenbild fällt etwas schlichter aus im Vergleich zum Vorjahr, als die Bühne in eine mit Wurzeln übersäte Märchenwelt verwandelt wurde. Dieses Jahr reiche eine Küche aus.
Die Regisseurin überlegte sich, wie ein Haufen Personen, die sich nicht kennen, aufeinandertreffen können und miteinander Zeit verbringen müssen. Der erste Vorschlag, ein Firmenessen als Anlass zu nehmen, bot nicht genügend Spielraum. «Und irgendwie sind wir dann auf den Kochkurs gekommen», sagt Portmann. Doch von der Grundidee zum fertigen Stück steht jedes Jahr ein langer Weg bevor. Wichtig für Portmann ist, dass die Spielenden ihre Ideen miteinbringen können. Jeweils im April stellt sie dem Ensemble einen Minimalplot vor. Castings vermeidet die 42-Jährige jedoch bewusst. «Ich mag das Konzept von Castings nicht. Bei mir kann jeder aus dem Ensemble mitmachen, der will. Ich kenne die Stärken und Schwächen der einzelnen Mitglieder. Als Regisseurin ist es meine Aufgabe, die Spielenden zum Glänzen zu bringen. »
Nach Einteilung der Rollen werden diese von Portmann ausgearbeitet. Jeder Charakter erhält zirka eineinhalb Seiten Hintergrundinformation. Das bringe nicht nur mehr Tiefe, sondern auch Glaubwürdigkeit. Als Übung arbeitet die Regisseurin mit den Spielenden auch abseits vom Set. Dabei interviewt sie die Darsteller, die auf die Fragen der Regisseurin innerhalb ihrer Rolle eingehen sollen.
Dazu muss das Skript frühzeitig fertig sein. In den Sommerferien nimmt sich die Regisseurin jeweils eine Woche Zeit, jeden Tag acht bis zehn Stunden in das Skript zu investieren. Ausserdem erstellt sie eine grobe Skizze des Bühnenbilds. Für den genauen Plan ist Vereinspräsidentin Johanna Vogt-Stierli zuständig. Mit ihrer handwerklichen Begabung gestaltet sie das Bühnenbild aktiv mit, während schwierig herstellbare Kulissen von einem Theaterfundus geliefert werden. Beim Aufstellen sind für gewöhnlich viele der Spielenden dabei mit Unterstützung von Verwandten und Bekannten.
Danach sei aber noch nichts in Stein gemeisselt, erklärt die gebürtige Erlenbacherin. «Vor allem dieses Jahr waren die Proben besonders lustig. Neben Wortwitz gibt es viele Slapstick-Elemente, wie man sie aus Laurel und Hardy kennt. Viele Pannen sind bei den Proben per Zufall entstanden. Die Kunst ist es dann, diese wiederholen zu können.»

Über sich selbst lachen
Portmann achtete besonders darauf, dass die Figuren Charakterschwächen mit sich bringen, die der Zuschauer an sich selber wiedererkennen kann. «Das Stück ist aber alles andere als ein moralischer Zeigefinger. Die überspitzten Darstellungen sollen bezwecken, dass das Publikum über seine eigenen Imperfektionen lachen kann», sagt Portmann.
Das haben alle Figuren gemeinsam: Sie sind nicht perfekt. Wenn Frau Schudel-Schöneberger (Irene Wellauer) mit ihrem Mann (Marc Renner) beim Kochkurs etwas Quality- Time haben möchte und er sich mehr für deren gemeinsamen Sohn interessiert, ist Ärger vorprogrammiert. Oder wenn eine junge Dame sich mit ihrem Tinder-Date beim Kochkurs verabredet und dieses nicht erscheint, kann vielleicht der eine oder andere Dating-Plattform- Nutzer im Publikum ein Lied davon singen. Es sei aber nicht immer leicht, bei jedem Zuschauer den Nerv treffen zu können, sagt die Regisseurin. «Humor ist immer etwas Individuelles. Ich kann daher nur inszenieren, was ich auch selber lustig finde.»
Nächstes Jahr wird es bunter Ganz ohne Tücken verlief die aktuelle Produktion jedoch nicht. «Auch wenn das Einüben der Slapstick-Elemente lustig war, genau so schwierig war es, diese zum richtigen Zeitpunkt im Stück einzusetzen. Allgemein ist es immer wieder eine Herausforderung, das richtige Timing der Pointen zu finden», erklärt die Regisseurin.
Ideen und Ansätze für das Stück im nächsten Jahr gibt es wie bisher schon während der aktuellen Aufführung. Worum es dann gehen wird, will Portmann aber noch nicht verraten. Es werde wieder etwas ganz anderes , so Portmann. «Sicher ist, dass es bunter wird, als in diesem Jahr.»



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