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01.04.2020
Zürich West

In der Krise ist Gemeinschaft im Geist gefragt


Die Gottesdienste fallen aus, aber die Glocken läuten weiterhin, und viele Kirchen sind offen für persönliche Momente der Stille. Foto mai.

Ostern, das wichtigste christliche Fest, steht vor der Tür. Doch der Corona-Shutdown schränkt auch das kirchliche Leben empfindlich ein. Kirchgemeinden und Pfarreien setzen aber alles daran, Gemeinschaft über die Krise hinweg aufrechtzuerhalten. 

Lisa Maire

Gerade in Zeiten wie der aktuellen, in der sich viele Menschen verunsichert und isoliert fühlen und deshalb auch vermehrt auf der Suche nach spirituellem Halt sind, kommt den Kirchen eine wichtige gesellschaftliche Funktion zu. Wie gehen sie mit der aktuellen Krisensituation um? Wie nehmen sie, gerade auch an Ostern, ihren Verkündungsauftrag wahr, wenn doch Gottesdienste ausfallen müssen? Ein Blick auf die Homepages der Zürcher Kirchen zeigt: Online steht mit Live-Streamings von Gottesdiensten, Radiopredigten sowie weiteren Wort- und Bildbeiträgen ein grosses Angebot zur Verfügung. Darüber hinaus können kirchliche Feiern vermehrt auch vor dem Fernseher verfolgt werden.

Telefonseelsorge kommt gut an

Doch vielen Kirchgemeinden und Pfarreien reicht das nicht, wie eine Umfrage in den Kreisen 3 und 9 ergab. «Uns ist wichtig, besonders jetzt nahe bei den Menschen zu sein», sagt Muriel Koch, Mitglied des Pfarrteams im reformierten Kirchenkreis 9. Eine grosse Zielgruppe könne jedoch nicht über das Internet erreicht werden.

Die Pfarrerinnen und Pfarrer setzen deshalb zurzeit auf die «aufsuchende Telefonseelsorge» und fragen vor allem bei älteren Gemeindemitgliedern nach, wie es ihnen geht. Die Anrufe kämen gut an, so Koch. Und: Bei den Gesprächen erfahre sie insgesamt mehr Positives als Negatives.

Auch wenn Gottesdienste fehlen. Gemeinschaft im Geist bleibt möglich: Das Pfarrteam stellt dazu jede Woche neue «Gedanken und Gebete» online und verschickt sie bei Bedarf per Post. Zu Ostern ist zudem ein grosser Versand an alle rund 10 000 Reformierten im Kreis 9 geplant: eine Postkarte mit einem Ostergruss, der Zuversicht und Aufmunterung vermitteln soll.

«Zu Hause bleiben» besser befolgt

Im Kirchenkreis 3 praktizieren Pfarrerinnen und Pfarrer ebenfalls viele «telefonische Hausbesuche». Kontakte für Seelsorge und Sozialdiakonie werden hier zudem «offensiv» auf Flyern in den Quartieren publiziert. Über die täglich von 9 bis 21 Uhr bediente Nummer 044 465 45 15 ist immer jemand aus dem Pfarr- oder Sozialdiakonieteam zu erreichen. Ob für seelsorgerliche Gespräche, einfach ein offenes Ohr oder für Einkäufe. Für Alltagshilfe arbeitet der Kirchenkreis auch mit der ökumenischen Aktion «Solidarität für Zürich» zusammen. Die Angebote würden nach zögerlichem Beginn inzwischen rege in Anspruch genommen, so Betriebsleiter Pascal Mueller-Born. Das Bewusstsein, dass zurzeit das Gebot «zu Hause bleiben» der beste Rat ist, sei offenbar gewachsen.

Vorsorgliche Anrufe, vor allem bei älteren Menschen, gehören auch für Pfarrer Matthias Horat von der Altstetter Pfarrei Heilig Kreuz zum aktuellen Kirchenalltag. Dabei erlebt er sehr berührende Momente. Zum Beispiel habe ihn kürzlich eine 80-jährige Frau am Telefon um seinen Segen gebeten. Sie sei an Covid-19 erkrankt und packe gerade das Köfferchen fürs Spital. Bei seiner seelsorgerlichen Arbeit hört Horat zurzeit manche klagende Stimmen. Vor allem jene Älteren, die Kirche als Heimat empfinden, fühlten sich jetzt verloren.

Gebete und Solidarität

Der Pfarrer setzt viel daran, mit den Pfarreiangehörigen in geistiger Verbindung zu bleiben. Zum Beispiel feiert er täglich um 8.30 Uhr an seinem Esszimmertisch eine Art stille Messe, in die er die Anliegen verschiedenster Menschen, die unter den aktuellen Umständen leiden, miteinbezieht. Online und via Briefpost lädt er dabei zum Mitbeten im Geiste ein. Das Heilig-Kreuz-Team verschickt auf Wunsch Osterkerzen nach Hause und verpackt jeden Freitag Pakete mit gespendeten Lebensmitteln. Bestimmt sind sie für das Hilfsprojekt von Schwester Ariane Stöckli, die sich auf der Gasse in Zürich und – zurzeit besonders intensiv – um Menschen ohne Angehörige und Wohnung kümmert.

Weitere Infos (etwa auch zu Live-Streaming von Gottesdiensten) über www.reformiert-zuerich.ch und www.zhkath.ch, mit Links zu den Kirchen in den Quartieren.



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