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01.04.2020
Zürich 2

«Viele suchen jetzt nach spirituellem Halt»


Auch in der Alten Kirche Wollishofen halten zurzeit mehr Menschen als sonst innere Einkehr – ob im Gebet oder am Flügel. Foto mai.

Ostern, das wichtigste christliche Fest, steht vor der Tür. Doch der Corona-Shutdown schränkt auch das kirchliche Leben empfindlich ein. Kirchgemeinden und Pfarreien setzen aber alles dran, Gemeinschaft über die Krise hinweg aufrechtzuerhalten. Beispielsweise im Kreis 2.

Lisa Maire

«Unser Pfarreizentrum ist geschlossen, aber im Hintergrund sind wir alle sehr tätig», sagt Uwe Burrichter, Diakon und Pfarreibeauftragter der Pfarrei St. Franziskus in Wollishofen. Seit das Coronavirus und das Gebot der sozialen Distanz herrschen, laufen bei den Kirchen vor allem die «telefonischen Hausbesuche» auf Hochtouren. Das St.-Franziskus-Team zum Beispiel hat in den letzten Tagen bereits beinahe 100 Wollishofer Familien kontaktiert, deren Kinder den katholischen Religionsunterricht besuchen. Burrichter: «Wir fragten nach, wie es ihnen in dieser speziellen Zeit geht und wie sie mit Homeoffice und Homeschooling zurechtkommen.» Die Anrufe seien extrem gut angekommen, berichtet er. Die meisten Familien kämen bisher mit der neuen Situation gut zurecht. Vereinzelt hätten sich aus signalisierten Problemen aber auch seelsorgerliche Gespräche ergeben.

Viele Ältere leiden

Das St.-Franziskus-Team kontaktiert zurzeit vermehrt auch die älteren Gemeindemitglieder aus den Vereinen und Alterszentren. «Sie leiden zum Teil sehr stark unter den Einschränkungen des sozialen Lebens», hat Burrichter erfahren. Er selbst bleibt telefonisch rund um die Uhr erreichbar für die aktuellen Nöte und Ängste der Menschen. Zur grossen katholischen Gemeinde gehören viele Familien mit italienischen und spanischen Wurzeln. Sie verzehren sich zurzeit vor Sorge um ihre ältere Verwandtschaft in Ländern, wo Covid-19 besonders viele Todesopfer fordert.

Zu Ostern wird die Kirche St. Franziskus, die für persönliche Gebete offen bleiben, wie immer festlich mit Blumen geschmückt. Besucherinnen und Besucher können ihre Gedanken und Wünsche in einem «Anliegenbuch» eintragen. Zudem werden die Predigten zu den Festtagen «ausgelegt». Und damit das Osterlicht zu Hause ankommt, kann man in der Marienkapelle der Kirche Heim-Osterkerzen kaufen. Auch die für Katholiken wichtige Palmsonntagstradition bleibt erhalten: In der Kirche werden dann gesegnete Olivenzweige zum Mitnehmen bereitliegen.
Wie die katholischen läuten auch die reformierten Kirchenglocken weiterhin zu Gottesdienstzeiten. Sie rufen zum Gebet – zur «Gemeinschaft im Geist», sagt Jürg Baumgartner vom Pfarrteam des Kirchenkreises 2. Wie sein katholischer Kollege im St. Franziskus beobachtet er, dass zurzeit vermehrt auch Menschen, die man sonst nicht in der Kirche sieht, die offenen Gotteshäuser für persönliche Andachten besuchen. In Zeiten der Verunsicherung und Isolation seien viele Menschen, auch jüngere, «auf der Suche nach einem spirituellen Halt», so Baumgartner. «Sie schauen sich um, was helfen könnte, und nehmen dabei auch die Angebote der Kirche wahr.»

Telefonseelsorge hoch im Kurs

Auch die reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer im Kreis 2 pflegen aktiv und intensiv den telefonischen Kontakt zu Gemeindemitgliedern und fragen nach dem Befinden. Dies werde nicht nur von älteren Menschen, sondern zum Beispiel auch von den Konfirmandenfamilien sehr geschätzt, sagt Baumgartner. Ein grosses Thema bei der Sozialdiakonie sei zudem die entlastende Unterstützung säkularer Organisationen, die zurzeit mit Anrufen überschwemmt werden. Auch für Freiwilligenprojekte wie die ökumenische Aktion «Solidarität für Zürich» (für praktische Hilfe im Alltag) biete man Hand. Zudem hat der Kirchenkreis zwei mit dem Projekt «Zyt-ha» eine eigene Hilfsplattform lanciert.

Und wie wird die Osterzeit gefeiert, wenn Gottesdienste ausfallen? Es gebe zwei Projekte, so Pfarrer Baumgartner. Zum einen gehe es um eine Tradition der Kirche Wollishofen: die Abendandachten zwischen Palmsonntag und Ostersonntag. Aus ihnen werden nun «Hausandachten» Als Anregung für diese «Gemeinschaft im Geist» wurde ein Heft mit einem Bibeltext, einer kleinen Auslegung und einem Gebet für jeden Tag zusammengestellt. Die Hefte liegen in den Kirchen auf und werden auch verschickt. Alle Reformierten im Kreis 2 werden zudem – dies das zweite Projekt – eine Postkarte mit Ostergruss erhalten. Sie soll, so Baumgartner, in der schwierigen Zeit Aufmunterung und Zuversicht vermitteln und mit Kontakthinweisen signalisieren: «Wir sind für euch da.».

Osterläuten und Osterlicht

Zu Ostern gibt es auch zwei ökumenische Aktionen: Am Gründonnerstag (um 20 Uhr) und am Ostersonntag (10 Uhr) läuten auch im Kreis 2 die katholischen und reformierten Kirchenglocken eine Viertelstunde lang gemeinsam zum Karfreitag und zum Ostergruss. Und in der Nacht auf Ostersonntag werden mehrere Kirchtürme von innen ausgeleuchtet – als symbolische Osterfeuer, als grosses Zeichen der Hoffnung.

Weitere Infos (etwa auch zu Live-Streaming von Gottesdiensten) über www.reformiert-zuerich.ch und www.zhkath.ch, mit Links zu den Kirchen in den Quartieren.



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