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Alles für die Katz?


Solche Szenen erlebt man doch nur im Film: Ein Paar kommt nach einem fröhlichen Ausgang nach Hause, und die Feuerwehr steht vor der Tür! Dass meinem Mann und mir so etwas passieren könnte, schien uns damals schlicht unmöglich. Wir waren zu jener Zeit als junges Ehepaar von Küsnacht-Goldbach in eine grössere Wohnung an die Seestrasse gezogen. In der Nähe, wo heute Tina Turner residiert, fanden wir in einem ehemaligen, umgebauten Einfamilienhaus eine grosszügige Wohnung mit Balkon und Dachgarten.

Wir teilten uns das Haus mit der französischen Familie B., die unter uns wohnte und mit der wir in freundschaftlichem Kontakt standen. Dazu gehörte auch der eine oder andere Schwatz. Zeit dazu hatten wir zum Beispiel, wenn Herr B. mit seinem Mini in der Hofausfahrt stand und auf eine Gelegenheit wartete, um sich mit Vollgas und quietschenden Reifen in die stets rollende Kolonne von Automobilisten auf der Seestrasse einzuordnen. Bei einem solchen Gespräch orientierte ich Herrn B., dass wir planten, in wenigen Tagen für Ferien in unser Tessiner Haus zu fahren. Wir würden dann auch unser neues «Familienmitglied», einen jungen Kater, mitnehmen.

Kurz nachdem wir an die Seestrasse gezügelt waren, klingelte bei uns das Telefon, und ein Verwandter teilte uns mit, er hätte einen jungen Kater zu verschenken. Beide sind wir in unserer Jugend mit Katzen aufgewachsen, und so mussten wir es uns nicht lange überlegen, zuzusagen. Bald wurde der kleine Kater mit schwarz-weissem Fell aus dem Berner Seeland zu uns gebracht. Wegen seines hübschen Näschens tauften wir ihn «Stupsi». Er schien sich schnell wohlzufühlen am Zürichsee. Besonderen Gefallen fand der Kater an unseren Vorhängen und Polstermöbeln. Wir mussten uns recht intensiv um seine Erziehung kümmern.

Nun gut, vor unseren Ferien waren wir noch bei Freunden zum Essen eingeladen. Es war uns klar, dass wir unser Kätzchen während unserer Abwesenheit nicht alleine in der Wohnung lassen konnten. Wir fanden eine Lösung, indem wir «Stupsi» für diesen Abend auf unseren Balkon verlegten, da konnte er am wenigsten anstellen, hatte viel Auslauf und frische Luft.

Wir verliessen unsere Wohnung und verbrachten unterhaltsame Stunden mit unsern Freunden. Guter Dinge machten wir uns auf den Heimweg. Als wir zum Parkieren in unseren Hof einbiegen wollten, versperrte uns – oh Schreck – ein riesiger Kastenwagen mit Leiter der Feuerwehr Küsnacht den Weg. Mit weichen Knien stiegen wir aus dem Auto und schauten uns um.

Seltsam, weder loderten Flammen aus dem Dach unseres Hauses, noch stieg uns beissender Rauch in die Nase. Es war ruhig. Wo waren die Menschen? Das Küchenfenster der Familie B. war hell erleuchtet, und von dort kamen Stimmen. Wir drückten die Türglocke, wurden eingelassen – und was erwartete uns da? Eine Gruppe von Küsnachter Feuerwehrmännern sass in gemütlicher Runde bei Speis und Trank am Küchentisch. Inmitten der fröhlichen Gesellschaft fanden wir den «Star des Abends» – unseren kleinen Kater. Herr B. drückte mir das weiche Bündel in die Arme, und es begann sogleich zu schnurren. Erleichtert wandten wir uns mit fragendem Blick an unseren Nachbarn, der uns gerne erklärte, was sich in den vorangegangenen Stunden abgespielt hatte:

Unserem auf den Balkon gesperrten Kater gefiel es dort anscheinend nicht so gut, wie wir uns dies vorgestellt hatten. Kurz nach unserem Weggang wurde es ihm langweilig und er begann kläglich zu miauen. Das hörten Herr und Frau B. Nachdem das Miau-Konzert einfach nicht enden wollte, begannen sich unsere Nachbarn Sorgen zu machen. Herr B. erinnerte sich an unsere Ferienpläne, und der Gedanke, wir seien eventuell schon abgereist und hätten das Kätzchen vergessen, liess ihn nicht mehr los. Unser Nachbar stieg auf den Dachgarten. Irgendwie musste er den Kater aus seiner misslichen Lage befreien. Er holte ein Körbchen, knüpfte ein Seil daran und liess es auf unseren Balkon herunter. Trotz akrobatischen Einlagen und gutem Zureden streikte «Stupsi». Er wollte einfach nicht ins Körbchen steigen. Das trieb Herrn B. fast zur Verzweiflung, bis er auf die Idee kam, die Feuerwehr aufzubieten.

Eigentlich ist es müssig zu erwähnen, dass nach diesem «dramatischen» Abend unsere nachbarschaftlichen Beziehungen noch vertieft wurden. Aber auch die Männer der Feuerwehr Küsnacht dachten mit einem Schmunzeln an ihren Einsatz zurück.



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