Der Winter ist dieses Jahr unerbittlich: Noch bevor in der Stadt die Skiferien anfangen, deckt er uns mit Schnee ein, und zwar nicht zu knapp. Die Kinder (sowie Lehrer und Erziehungsberechtigte) freuts, die Hersteller von bestimmten Psychopharmaka weniger: In den 10-Uhr-Pausen tobt sich die Jugend in Schneeball- statt Strassenschlachten aus.
Ebenfalls weniger erfreut sind die Automobilisten, die im Schritttempo durch die weissen Strassen tuckern und vor jedem Fussgänger in Strassennähe Schweissausbrüche bekommen. Vielleicht deshalb ist der Januar für die VBZ einer der stärksten Monate. Die Garagisten freuen sich wohl im Stillen, da die prekären Strassenverhältnisse für Blechschäden und damit Umsatz sorgen.
Der Velofahrer steigt getrost auf den ÖV um, ohne sich gleich als Weichei zu fühlen: Was kann er dafür, wenn sein Fahrstreifen derzeit vor allem als Matsch-Zwischenlager genutzt wird.
Ich geniesse zwar das Privileg, jetzt selten Auto fahren zu müssen, bin aber dennoch nicht ohne Sorgen, was meine Bodenhaftung betrifft. In vier verschiedenen Schuhläden fand ich kein Paar, welches das Prädikat «wintertauglich» verdient: Entweder hätte ich mir im nackten Leder die Füsse abgefroren oder wäre auf praktisch profillosen Sohlen umhergerutscht wie der bedauernswerte Rollerfahrer kürzlich am Hönggerberg. Wahrscheinlich werde ich den Rat des Kollegen befolgen und mir Schuh-Schneeketten (ja, die gibts wirklich!) besorgen.
Die einzigen Verkehrsteilnehmer, denen das Schneetreiben herzlich egal ist, sind die Trams: Sie rattern durch die Strassen, als wärs nichts Besonderes, und ähneln mit ihren schneebedeckten Nasen zugekoksten Cobras.