Joel Bedetti
Ronin so hiessen im alten Japan Samurai-Krieger, die ihren Herrn verloren hatten. Und so nennen sich die fünf Musiker um Bandleader Nik Bärtsch nicht ohne Grund. Als Ronin war man im feudalen Japan geächtet. Die herrenlosen Krieger rangierten am untersten Ende der gesellschaftlichen Skala. Trotz leerem Magen und zerfetzen Kleidern besassen sie jedoch etwas, das den anderen verwehrt blieb: die totale Freiheit. Die Parallele zur historischen Reminiszenz ist unverkennbar, auch wenn die Zürcher «Ronin» keinen Hunger leiden müssen. Musik abseits des Mainstream ist eine brotlose Angelegenheit. Aber sie erlaubt es den Musikern, einen eigenen Weg zu gehen.
Obwohl sie in den Veranstaltungskalendern unter Jazz aufgeführt werden, sieht Bandleader und Kreativkopf Nik Bärtsch sich und seine Band The Ronin nicht als reinrassige Vertreter dieser Stilrichtung. «Jazz ist ein Einfluss in unserer Musik aber nicht der einzige», erklärt er. «Ich kreiere eher verschiedene Genres, in denen ich dann verschiedene Facetten meines Sounds ausprobieren kann.» Konkret positioniert Bärtsch seine Musik im Schnittfeld zwischen Funk, Jazz und neuer Klassik. Der Ausnahmemusiker hat bereits mit den Grössen der hiesigen Jazzszene zusammengearbeitet, tritt an den wichtigen Festivals auf und arbeitet in Projekten zusammen mit internationalen Stars. Hellhörig geworden ist nun auch die Schweizer Kulturförderungsstiftung Pro Helvetia. «Ronin» wurde für ein exklusives dreijähriges Förderprogramm ausgewählt.
Die seit 2001 existierende Gruppe ist in erster Linie eine Plattform, die Bärtsch nutzt, um kontinuierlich an seinem einzigartigen Sound zu arbeiten. Die «Ritual Groove Music» soll den Raum, den sie ausfüllt, ordnen durch Repetition und Reduktion aufs Minimale. Die winzigen Veränderungen werden vom Hörer umso intensiver empfunden. Es sei eine Musik der rohen Poesie, die einen Weg vorgebe, in dem aber viel Raum zur Interpretation gelassen wird, ist auf Bärtschs Homepage zu lesen. «Ekstase durch Askese», lautet Bärtschs Essenz über das Schaffen und sein Ziel der «Ronin».
Beitrag an «Alltagskultur»
Als Lokal, wo zusammen am Sound gewerkelt werden konnte, bot sich 2004 das wieder eröffnete Bazillus an. Nach und nach entstand eine erweiterte «Community», wie Bärtsch die rund 30 bis 80 Zuschauer der montäglichen Sessions nennt. «Tendenziell geht es also eher aufwärts mit der Publikumsresonanz. Wir verändern aber auch ständig etwas und wollen eine Dringlichkeit bewahren, die alles am Leben erhält».
Der Eintritt kostet lediglich 10 Franken zu hören kriegt man jedoch Musik der ersten Güteklasse. «Finanziell verdiene ich gar nichts an der Sache», sagt Nik Bärtsch. «Ich wusste aber von Anfang an, dass Montags vor allem eine Investition in die Musik und die Community ist und auch unser Beitrag an eine lebendige Alltagskultur in unserer Stadt. Diese Investition zahlt sich ständig in anderen Bereichen aus.» Etwas Geld verdient Bärtsch mit den Workshops, die er jeden Montagnachmittag im Bazillus durchführt. Unbeirrbar gehen Nik Bärtsch und «Ronin» ihren Weg.
Musikfreunden ist also ein Besuch des «Montags» sicher zu empfehlen.