Küsnacht: Tunnellösung kommt vors Volk

Küsnacht soll schöner werden. Letzte Woche haben Gemeindepräsident Max Baumgartner und Patrick Ruggli von der Firma Ernst Basler + Partner die Ergebnisse der Verkehrsstudie Zentrum an einem Infoabend vorgestellt.

Philippa Schmidt

Nicht nur das Areal an der Zürichstrasse oberhalb des Bahnhofs soll sich wandeln, auch die Verkehrssituation ist veränderungsbedürftig. Baumgartner und Ruggli präsentierten nun zwei Lösungsvorschläge, welche das beauftragte Planungsunternehmen Ernst Basler + Partner, die Steuerungsgruppe sowie eine Begleitgruppe, der neben Experten auch Vertreter des Kantons und der Gemeinde angehörten, ausgearbeitet hatten. Neben der Tunnellösung, bei der ein neuer, 300 Meter langer Tunnel das bereits bestehende Bauwerk ergänzen soll, wurde auch das sogenannte Betriebs- und Gestaltungskonzept Oberwachtstrasse (BGK) vorgestellt, das die Verkehrssituation beruhigen soll. Beide Vorlagen kommen am 17. Juni an die Urne. In der Studie wurde nicht nur die mögliche Umsetzung der beiden Möglichkeiten ausgearbeitet, die beiden Konzepte wurden auch gegenübergestellt, um den Nutzwert zu analysieren.


Gestaltungskonzept bevorzugt
Bei diesem Verfahren kam die Studie zum Schluss, dass der Nutzwert des Gestaltungskonzepts wesentlich grösser sei als die Tunnellösung. Ein Resultat, das sich nicht zuletzt auf die gewaltige finanzielle Differenz bezieht. Während die Tunnelvariante voraussichtlich etwa 43 Millionen kosten würde, die die Gemeinde alleine stemmen müsste, würde die Neugestaltung der Oberwachtstrasse «nur» etwa fünf Millionen Franken kosten, die zum Teil vom Kanton getragen würden. Technisch machbar sind allerdings beide Varianten.
Vorgesehen ist ein Tunnel mit dem schon bestehenden Eingang des alten Tunnels. Die Fahrbahn würde dann aber nicht nach rechts abbiegen, sondern unter der Rosenstrasse verlaufen, um dann auf Höhe der Eigenstrasse nach rechts abzubiegen. Kurz vor deren Einmündung in die Oberwachtstrasse würde der Verkehr wieder an die Oberfläche gelangen. Dies geschähe in Form eines wuchtigen Portals (siehe Bild). «Das Tunnelportal an der Eigenstrasse ist ortsbaulich eine ganz heikle Sache», schätzte Patrick Ruggli ein solches Bauwerk ein. Ein weiterer Punkt, der von den Referenten am Informationsabend negativ vermerkt wurde, war die Tatsache, dass ein Tunnel einen neuen Kreisel direkt unter dem schon heute bestehenden Kreisel Oberwachtstrasse/Alte Landstrasse erforderlich machen würde. Sowohl bei der Tunnelvariante als auch beim BGK gäbe es einen direkten Zugang vom Tunnel ins geplante Parkhaus. Bei der Neugestaltung der Oberwachtstrasse würde dieses vom heute bereits bestehenden Tunnel aus erschlossen werden. Neben dem Wunsch, die Möglichkeit einer Tunnelvariante zu prüfen, hatte sich aus dem Mitwirkungsverfahren auch das Anliegen einer Verkehrsberuhigung der Oberwachtstrasse herauskristallisiert. Gemäss den Analysen des Ingenieurbüros, befahren durchschnittlich 12 700 Fahrzeuge diese Verkehrsschneise durchs Dorfzentrum. «Im Vergleich zu anderen Ortsdurchfahrten ist dies nicht übermässig viel», kommentierte Ruggli. Durch die Tunnellösung könnte diese Zahl aber immerhin laut Studie auf etwa 3500 Fahrzeuge pro Tag reduziert werden.


Aufgrund der Anliegen aus dem Mitwirkungsverfahren hatten sich die Autoren der Studie zum Ziel gesetzt, eine Möglichkeit zu finden, sowohl die Verkehrslärmbelastung als auch die Trennwirkung der Oberwachtstrasse zu reduzieren. Eine leichtere Überquerung der Oberwachtstrasse soll nun insbesondere durch einen Mittelstreifen im Bereich zwischen Zürichstrasse und Alte Landstrasse gewährleistet werden. Zusätzlich soll die jetzige Kreuzung Zürichstrasse/Oberwachtstrasse/Dorfstrasse in einen Kreisel umgewandelt sowie die Haltestelle der Busse in Richtung Itschnach/Zumikon bergwärts verschoben werden. Eine Tempo-30-Limite könne auf der Oberwachtstrasse aber nicht eingeführt werden, da es sich um eine Kantonsstrasse handle, erklärte Max Baumgartner auf Nachfrage. Es bringe keine Reduktion des Verkehrs, aber eine Verkehrsberuhigung, spezifizierte der Gemeindepräsident den Nutzen des BGK.


Bauarbeiten sind an der Oberwachtstrasse übrigens unumgänglich, da diese sowieso saniert werden müsse. Baumgartners Urteil zur Tunnelvariante war klar und deutlich: «Das Dorfbild ist am Schluss vielleicht verschandelt. Ist uns das 40 Millionen wert?» Entsprechend empfiehlt der Gemeinderat die Tunnelvariante zur Ablehnung.


Skepsis überwog
Die Fragen an Ruggli und Baumgartner aus dem Publikum waren zahlreich und kritisch. «Für Fussgänger ist ein Kreisel schlecht», merkte ein Votant beispielsweise an. «Ein Kreisel ist für Fussgänger eher nachteilig, weil sie Umwege zurücklegen müssen», stimmte dem auch Ruggli zu. Weitere Bürger befürchteten eine Minderung der Verkehrssicherheit oder einen Rückstau. Ein Küsnachter, der im Mitwirkungsverfahren mit dabei war, monierte, dass der visionäre Blick fehle. Einen Einwand, den Baumgartner mit der Bemerkung, dass eine Vision erst ab 60 Millionen aufwärts möglich sei, zu entkräften versuchte. Der Gemeindepräsident zeigte sich überzeugt davon, dass es Optimierungsmöglichkeiten bei der Gestaltungslösung gebe.