Küsnachter

Das Projekt Herbstsonate: So soll der «Neue Gehren» in Erlenbach dereinst aussehen. Grafik: Graber Pulver Architekten
Herbstsonate hält in Erlenbach Einzug
Das Alterswohnheim Gehren ist in die Jahre gekommen und muss ersetzt werden. Nun stellte die Gemeinde Erlenbach mit dem Modell «Herbstsonate» den Sieger des Projektwettbewerbs vor.
Philippa Schmidt
«Mr. James», «Papillon» oder «Turteltauben» – sie haben klingende Namen, die Projekte, die unter die letzten zehn gelangt sind. Entschieden hat sich die neunköpfige Jury schliesslich für «Herbstsonate», eine Holz-Beton-Konstruktion von Graber Pulver Architekten, die auf 4 Etagen Platz für 60 Zimmer und 20 Wohnungen bietet.
Das heutige Alterswohnheim sowie die Alterssiedlung Spitzliweg sollen nun durch den «Neuen Gehren» ersetzt werden, in dem sowohl betreutes als auch selbstständiges Wohnen möglich wäre. Grund für den Rückbau des fast 40-jährigen Gebäudes und den Neubau ist vor allem die veraltete Infrastruktur, die den heutigen – verstärkt auf Pflege fokussierten – Anforderungen nicht mehr genügt. Ob das «Alterskompetenz- und Dienstleistungszentrum Neuer Gehren» auch wirklich gebaut wird, hängt vom Souverän ab, denn sowohl der Projektierungs- als auch der Baukredit kommen vors Volk. Während über den Projektierungskredit im Jahr 2013 abgestimmt wird, geht der Baukredit 2014 an die Urne. 2015 ist dann der Baubeginn geplant, und wenn alles klappt, könnten 2017 die Bewohner einziehen. Während der Bauarbeiten kämen die derzeitigen Bewohner übrigens in Küsnacht im Seniorenheim am See unter. Die Baukosten werden aus heutiger Sicht auf etwa 35 Millionen Franken veranschlagt.
7300 Quadratmeter gross ist das Grundstück, auf dem das neue Alterswohnheim dereinst entstehen könnte. Der spitzwinklige Grundriss des Geländes zwischen See- und Erlengutstrasse stellt «grosse Anforderungen an den Architekten», wie Gemeindepräsident Ferdy Arnold an einem Informationsabend ausführte. Er selbst war mit Gesundheitsvorstand Walo Deuber Teil des Preisgerichts. «Wir waren die einzigen Nobodys», erinnerte sich der CVP-Politiker schmunzelnd an den Ausflug in die Architektur.
Das «Weisse Haus» von Erlenbach Graber Pulver Architekten haben sich für die Herbstsonate am räumlichen Gefüge eines Weilers orientiert: Entstanden ist ein weisses Gebäude mit zahlreichen Winkeln, geneigtem Dach und Holzlamellen, dessen zwei Teile mithilfe eines Durchgangs verbunden werden. Dieser Durchgang ist Teil einer Wegverbindung, die vom «Neuen Gehren» direkt zum Bahnhof Erlenbach führen soll.
Es solle ein Wohnhaus sein, kein Hotel und kein Spital, betonte Architekt Thomas Pulver bei der Präsentation seiner Herbstsonate. Alte Menschen sollen im «Neuen Gehren» allerdings nicht nur wohnen, das Heim soll dank einem öffentlich zugänglichen Restaurant und einem Streichelzoo auch eine Begegnungsstätte für Jung und Alt werden. Teil des «Neuen Gehren» wird voraussichtlich auch ein Alters- und Kompetenzzentrum werden, in dem unter anderem die Spitex untergebracht würde.
Bei den Wohnungen sind 2½- bis 3½-Zimmer-Wohnungen vorgesehen, die je nach Wunsch auch in Zimmer umgewandelt werden könnten. Die Grundlage für den Bau bildet ein Gestaltungsplan, den die Gemeindeversammlung letzten Sommer abgesegnet hatte. Ein Plan, der auch aufgrund der Tatsache, dass das derzeitige Gebäude in einer künstlichen Mulde liegt, welche zu einer Rechtsunsicherheit bezüglich der möglichen Höhe der Bebauung führte, notwendig geworden ist. Nachdem die letzten Anläufe, das Alterswohnheim zu erneuern, von der Bevölkerung nicht goutiert wurden, bleibt abzuwarten, ob die «Herbstsonate» endgültig in Erlenbach Einzug halten wird.
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