Küsnachter

Windpark im Gegenwind

Die Absage des Herrliberger Souveräns kam nicht überraschend – aber überraschend deutlich.

Philippa Schmidt

Mit 145 zu 84 Stimmen sprachen sich die Herrliberger an der Gemeindeversammlung letzte Woche gegen eine 75-prozentige Beteiligung der Gemeinde Herrliberg am Windpark La Vénerie aus. Konkret ging es um 3,925 Millionen Franken, welche die Gemeinde eine solche Investition gekostet hätte. Zu Beginn des Abends führte Werkvorstand Felix Besser (FDP) nochmals die Eckpunkte des einzigen Traktandums des Abends aus. Die Stromproduktion in Schweizer Städten und Gemeinde habe schon Anfang des letzten Jahrhunderts Tradition gehabt, erläuterte Besser und verwies darauf, dass man einen wichtigen Joker habe, wenn man im heutigen liberalisierten Strommarkt auch Produzent sei. Der Werkvorstand zeigte sich überzeugt davon, dass andere Gemeinden in der Grösse Herrlibergs dem Beispiel folgen würden.
Zudem führte er nochmals aus, dass sich die Anlage aufgrund der günstigen Windverhältnisse in der Basse Normandie befände und dass sowohl die betroffenen französischen Grundbesitzer als auch die Betreiberfirma Zéphir énergie sich die verbleibenden 25 Prozent des Vorhabens teilen würden. Ein untragbares Risiko mochte Besser in der Herrliberger Beteiligung nicht sehen, konnte sich mit dieser Ansicht aber nicht durchsetzen.


«Herrliwind à la française»
Die Kritik an der Windpark-Beteiligung war denn auch deutlich und betraf verschiedenste Aspekte des Vorhabens. Schnell wurde ersichtlich, dass einer Grosszahl der Herrliberger der Gedanke, dass die Gemeinde Windenergie in Frankreich produzieren könnte, nicht geheuer war. So wurde bereits nach wenigen Worten vom RPK-Vorsitzenden Joel Gieringer klar, dass er sich an diesem Abend schwer tat mit seiner Rolle, stellte er doch gleich zu Beginn nochmals die Aufgabe der RPK klar und verwies darauf, dass es sich bei ihr um ein selbstständiges Organ handle. Harsch kritisierte er die Tatsache, dass das sogenannte Due-Diligence-Verfahren, eine technische, finanzielle und juristische Prüfung vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung, noch nicht durchgeführt worden sei.

Einen Schritt, den der Gemeinderat bewusst noch nicht gegangen war, da eine solche Prüfung bis zu 300 000 Franken kostet. Das Fehlen von Due Dilligence führte aber auch dazu, dass die RPK den Antrag zurückwies, da die Beteiligung an La Vénerie aufgrund fehlender Unterlagen nicht abschliessend habe beurteilt werden können. Die Kritik des RPK-Vorsitzenden war bestimmt nicht förderlich für das Vertrauen der Bürger in das Traktandum, doch es sollte noch dicker kommen. So sagte Reto Tobler, Vorsitzender der Herrliberger SVP, dass er das Vorhaben sowohl persönlich als auch im Namen seiner Partei ablehne, da die Steuergelder besser verwendet werden könnten als für «Herrliwind à la française».
Ein anderer Votant wies auf die finanziellen Risiken hin, die man nicht abschätzen könne. Besser hatte bei seiner Präsentation zwar darauf hingewiesen, dass es keine abschliessende Sicherheit gebe, wie sich der Strompreis und das französische Steuersystem entwickeln werden, trotzdem ging er von einer 3,5-prozentigen Rendite aus.


Laues Lüftchen
«Macht Dorfpolitik und vergesst globale Ambitionen», empfahl der ehemalige RPK-Präsident Enrico Clerici dem Gemeinderat. Nachdem die Diskussion auf Antrag eines Herrlibergers hin schliesslich abgebrochen wurde, war es auch nicht überraschend, dass nur 84 der Anwesenden der Beteiligung zustimmten, während 145 Bürger diese zurückwiesen. «Sie sehen, dass der Gemeinderat richtig lag, keine weiteren Kosten durch Due Diligence zu verursachen», war das Resümee, das Gemeindepräsident Walter Wittmer nach diesem Ergebnis zog. Beim anschliessenden Apéro in der Trotte legte der Sturm der Emotionen sich wieder.