
Schulzentren in Zollikon richtet die Schulpflege ihr Augenmerk verstärkt auf die Schulwegsicherung. Mit einer Studie sollen jetzt die gefährlichen Stellen aufgespürt werden.
Interview: Claudia Benetti
Patrik Jeuch, letzten Juni stimmten die Zollikerinnen und Zolliker dem Vorhaben der Schulpflege zu, die Kindergärten und die beiden Primarschulen Dorf und Berg an zwei Standorten zu vereinen und Schulzentren zu schaffen. Wie weit sind Sie schon in der Planung?
Wir sind mitten in der Planung und arbeiten an verschiedenen Projekten. Wir werden voraussichtlich den Stimmberechtigten an der nächsten Dezember-Gemeindeversammlung unsere Anträge für die Projektierung der Schulzentren vorlegen können.
Vorgesehen ist, die acht Quartierkindergartenstandorte aufzuheben und diese auf die Gelände der beiden Primarschulen Oescher und Rüterwis zu verlegen. Dazu müssen auf den beiden Anlagen neue Gebäude erstellt werden. Gibt es diesbezüglich schon konkrete Ideen?
Nach dem Beschluss der Gemeindeversammlung letzten Sommer haben wir für den neuen Trakt in der Schulanlage Rüterwis in Zollikerberg einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Das neue Gebäude soll auf dem Areal erstellt werden, auf dem heute die alten Pavillons stehen, in denen die Musikschule ist. Darin sollen sechs Kindergärten sowie Räume für den Musikunterricht untergebracht werden. In der Schule Rüterwis hat es zudem keinen Singsaal. Daher planen wir, die alte Turnhalle in einen Singsaal umzufunktionieren und neben der anderen bestehenden Turnhalle eine neue – grössere – Turnhalle zu bauen.
Und auf der Schulanlage Oescher in Zollikon-Dorf?
Hier wurde bereits bei der Projektierung des neuen Trakts Platz für eine weitere Ausbauetappe reserviert. Dieser befindet sich auf der Wiese neben unserem Betreuungshaus. Da wollen wir das neue Gebäude errichten lassen, um die Kindergärten und Räume für den Musikunterricht unterzubringen. Mit den beiden Bauvorhaben in Zollikerberg und Zollikon können wir nicht nur Kindergärten und Primarschulen örtlich vereinen, sondern auch die Musikschule. Diese ist jetzt an mehreren Standorten untergebracht, zum Teil in ungeeigneten Räumen und Provisorien. Auch können wir die Gruppenräume schaffen, die uns in den Quartierkindergärten heute zum Beispiel für den Deutschunterricht fehlen. Ausserhalb der Kindergartenzeiten können diese Zimmer im Sinne einer «Mehrfachnutzung» dann wiederum der Musikschule zur Verfügung stehen. Bei der Planung der neuen Kindergärten wird ein besonderes Augenmerk auf die altersgerechte Gestaltung der Aussenräume gelegt. Die jüngsten Kinder sollen wie bisher ihr eigenes «Territorium» bekommen.
Welche Kosten werden anfallen?
Längerfristig kommt es uns billiger, wenn wir die Schulzentren schaffen, da die Betriebskosten von neuen, zeitgemäss isolierten Liegenschaften erheblich günstiger sind als bei den Quartierkindergärten aus den 1960er Jahren. Doch wir planen die Schulzentren nicht in erster Linie aus finanziellen Erwägungen, sondern aus pädagogischen. Innerhalb eines Schulzentrums werden sich auch unserer Kleinsten selbständig zwischen Kindergarten, Turnhallen, Betreuungshaus, allenfalls Therapieräumen und der Musikschule bewegen können. Die aufwendige organisatorische und personelle Vernetzung zwischen der Infrastruktur der Primarschulen und den Kindergärten entfällt. Nachdem der Kindergarten jetzt ja Bestandteil der obligatorischen Schulzeit ist, ist diese geografische Einbindung in die Schule eine natürliche Entwicklung, die den Kindern mehr Ruhe und Sicherheit im Tagesablauf geben kann.
Mit der Aufhebung der Quartierkindergärten werden einige Kinder längere Schulwege haben. Ergeben sich daraus Konsequenzen für die Planung?
Einige Kinder werden tatsächlich einen weiteren Weg haben, viele jedoch werden mit der Eröffnung der beiden Schulzentren Rüterwis und Oescher kürzere Schulwege haben! Die beiden Schulanlagen liegen im Zentrum Zollikons und Zollikerbergs. Ein grosser Vorteil der Schulzentren wird sein, dass viele Kinder weniger mit dem Schulbus fahren müssen. Einige von ihnen müssen heute mehrmals am Tag von einem Ort zum andern befördert werden, etwa für den Besuch von Förderunterricht oder Therapien oder weil sie im Betreuungshaus einen Teil ihrer Freizeit verbringen. Beinahe die Hälfte der Kindergärtler nimmt mindestens einmal pro Woche das Mittagessen im Betreuungshaus ein. Zukünftig müssen einige Kinder höchstens noch am Morgen zum Schulzentrum und von dort wieder nach Hause gefahren werden. Im Vordergrund steht aber unser Anliegen, dass die Kinder Ihren Schulweg gemeinsam mit ihren Kameraden aus dem Quartier zu Fuss bewältigen können. Da ist natürlich auch die Sicherheit ein wichtiges Thema.
Planen Sie diesbezüglich schon konkrete Massnahmen?
Ja. Die Schulpflege hat zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe gegründet und eine Studie in Auftrag gegeben. Diese wird die Schulwege auf ihre Gefährlichkeit hin genauer unter die Lupe nehmen und in einem Plan besonders gefährliche Orte bezeichnen. Dabei werden auch unsere Elternräte mit einbezogen. Steht die Bestandesaufnahme, werden wir uns zusammen mit dem beauftragten Ingenieurbüro geeignete Massnahmen zur Schulwegsicherung überlegen. Wir wollen den Eltern künftig auch konkrete Empfehlungen abgeben können, welche Schulwege ihre Kinder zu einem der beiden Schulzentren nehmen sollen. Zudem planen wir, einen «Pedibus» einzuführen. Die Kinder sollen an bestimmten Orten zu speziellen Zeiten in ihren Wohnquartieren von einer Schulwegbegleiterin oder einem Schulwegbegleiter abgeholt und gemeinsam zu Fuss in die Schulzentren begleitet werden.
Was geschieht mit den heutigen Kindergarten-Grundstücken in der Gemeinde?
Um die Schulzentren zu finanzieren, will sich die Schule von diesen Liegenschaften trennen. Wir prüfen daher deren Abgabe im Baurecht beziehungsweise den Verkauf von sieben der acht Liegenschaften. Der achte, der Witelliker Pavillon, befindet sich auf dem Grundstück des Schwimmbads Fohrbach und soll erhalten bleiben. Dessen Nutzung ist aber noch offen. Wir wissen aufgrund erster Schätzungen, dass wir mit den sieben Grundstücken einen Ertrag von rund 22,6 Millionen Franken erwirtschaften könnten. Mit dem Geld können wir unsere beiden Schulzentren-Projekte mit den Räumen für die Musikschule, dem Singsaal und der Turnhalle Rüterwis vollständig finanzieren. Geplant ist, dem Stimmbürger ein differenziertes Ertragskonzept vorzulegen. Zu diesem Zweck wurden Nutzungsstudien zu den einzeln Grundstücken in Auftrag gegeben. Auf dieser Grundlage kann dann über eine Abgabe im Baurecht an eine Baugenossenschaft oder über einen freien Verkauf abgestimmt werden.
Müssen Zonenänderungen gemacht werden, um auf den Grundstücken der heutigen Quartierkindergärten günstige Wohnungen bauen zu können?
Ja. Einige Quartierkindergärten befinden sich heute in der Zone für öffentliche Bauten. Diese müssen wir in Wohnzonen überführen, wenn sie künftig für den gemeinnützigen Wohnungsbau genutzt werden sollen. Solche Umzonungen müssen von den Stimmberechtigten an einer Gemeindeversammlung gutgeheissen werden.
Wie sieht der Zeitplan konkret aus?
Wir rechnen damit, dass uns im Sommer die Resultate des Architekturwettbewerbs für die Bauten auf der Schulanlage Rüterwis und die Ergebnisse der Studien punkto Liegenschaften und Schulwegsicherung vorliegen werden. Danach müssen wir die Vorlagen mit unseren konkreten Anträgen zu Handen der Gemeindeversammlung ausarbeiten. Genehmigen die Zollikerinnen und Zolliker unsere Anträge an der Dezember-Gemeindeversammlung, stehen zu den Baukrediten noch Urnenabstimmungen an. Werden die beiden Projekt gutgeheissen, könnten wir die Schulzentren frühestens auf das Schuljahr 2014/15 eröffnen.