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20.01.2017 - 14:30 Uhr

Stadträte nutzen Social Media stiefmütterlich


Im Zürcher Stadtrat hat Filippo Leutenegger (FDP) am meisten Likes auf Facebook und Followers auf Twitter. Das Foto stammt aus der Zeit vor seinem Unfall. Archivfoto: ls.

Eine Umfrage bei der Zürcher Exekutive zeigt: Facebook und Twitter werden mit unterschiedlichem Erfolg genutzt. Das könnte sich im nächsten Wahlkampf ändern. Von Pascal Wiederkehr

Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram – Barack Obama war der erste US-Präsident, der die sozialen Netzwerke nutzte. Heute Donnerstag ist sein letzter Tag im Weissen Haus. Im Gegensatz zu Obama ist der Zürcher Stadtrat auf Social Media zurückhaltender. Dies könnte sich ändern, denn am 4. März 2018 finden die Wahlen statt. Einer ist deutlicher Spitzenreiter: Filippo Leutenegger (FDP), Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartments, hatte bei Redaktionsschluss auf seiner Facebook-Seite 7946 Likes. Auf Twitter sind es 6284 Followers.
Einen Grund dafür liefert Daniel Leupi (Grüne): «Kollege Leutenegger war vor seiner Wahl in den Stadtrat als Nationalrat schweizweit bekannt und in den Medien dauerpräsent.» Das bringe allein schon eine hohe Zahl von Followers mit sich. Leupi hat auf Twitter selber 365 Followers. Es sei für ihn die ideale Plattform für politische Kommunikation. «Facebook habe ich privat», sagt der Finanzvorsteher. Ein offizieller Facebook-Kanal sei ab diesem Jahr vorgesehen.

Für Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) sind Social-Media-Plattformen nicht sehr wichtig: «Heute fragen sich ja fast alle Politiker ein wenig verunsichert oder gar eingeschüchtert: Muss man es nicht tun, wenn man zeitgemäss sein will? Ich finde: Nein, muss man nicht.» Man merke es einem Kanal sofort an, wenn er von jemandem betrieben werde, der kein Flair dafür habe.
«Ich habe ein Facebook-Profil und eine Facebook-Seite. Das Profil ist privat, da poste ich sehr selten etwas, letztmals im vergangenen Herbst», so Wolff. Die Facebook-Seite hingegen werde für den Wahlkampf wieder reaktiviert. Diese betreue er gemeinsam mit der AL. Wenn auf Social Media etwas Wichtiges laufe, informiere ihn sein Stab. Das reiche für seine politische Arbeit. «Dass ich mit diesem Minimalismus in den Augen der Jungen vielleicht unmodern bin, damit muss ich leben», meint Wolff selbstkritisch. Aber vielleicht sei das ja auch schon wieder Avantgarde.

Mauch auf dem dritten Platz
Trotzdem liegt Wolff im Stadtrat mit 3008 Likes auf dem zweiten Platz, gefolgt von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) mit 1886 Likes. «Ich beschränke mich derzeit auf Facebook. Für Aktivitäten auf zusätzlichen Social-Media-Kanälen schätze ich den zusätzlichen zeitlichen Aufwand als zu hoch ein», erklärt Mauch. Um über ihre Aktivitäten als Stadtpräsidentin zu berichten, nutze sie ihr offizielles Stadtpräsidentin-Facebook-Profil. «Für den Wahlkampf vor drei Jahren setzte ich ein anderes Profil als SP-Politikerin ein.» Und im kommenden Wahlkampf? «Ob ich 2018 noch einmal für das Amt der Stadtpräsidentin kandidiere, werde ich im Frühjahr bekannt geben», teilt die Stadtpräsidentin mit.
Claudia Nielsen (SP), Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartements, ist auf Facebook (663 Likes) und Twitter (312 Followers) aktiv. «Ihr Facebook-Auftritt gibt ihr die Möglichkeit, ein erweitertes Netzwerk zu pflegen, Einblick in ihre Arbeit zu geben oder über Sachen zu informieren, die sie interessieren», so ihre Mediensprecherin Vera Schädler. Sie werde Social Media für ihren Wahlkampf nutzen.

Andres Türler (FDP), Vorsteher des Departements der Industriellen Betriebe, lässt offen, ob er Social Media im Wahlkampf nutzen wird. Bei einem allfälligen Wahlkampf werde sich diese Frage sicher stellen, so Türler. «Social-Media-Plattformen sind ein kleiner Teil der möglichen Kommunikationskanäle, die wir in der politischen Arbeit haben», gibt er zu bedenken. Türler: «Für mich spielen sie eine untergeordnete Rolle. Die klassischen Medien sowie die persönlichen Auftritte haben für mich nach wie vor Priorität.» 312 Personen haben seine Facebook-Seite mit «Gefällt mir» markiert.
SP-Sozialvorsteher Raphael Golta, hat 147 Likes. Dafür 375 Followers auf Twitter – zweiter Platz im Stadtrat. Doch der letzte Tweet stammt vom 7. Januar 2014. «Social Media nehmen für ihn als Stadtrat derzeit nicht die höchste Priorität ein», teilt sein Mediensprecher Michael Rüegg mit. Zum nächsten Wahlkampf hin werde er sich wieder vermehrt darum kümmern.

Auch SP-Kollege und Hochbauamtsvorsteher André Odermatt nutzt Facebook (568 Likes). «Die sozialen Medien sind neben dem direkten Kontakt mit der Bevölkerung eine tolle Möglichkeit, um mit besonders interessierten Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Zürich in einen persönlichen Dialog zu treten», erklärt Odermatt. «Der Austausch an Veranstaltungen und in den Quartieren generell ist mir aber nach wie vor am wichtigsten.» Ob er Social Media für den Wahlkampf nutzt, «wird sich weisen, sobald ich entschieden habe, ob ich nochmals zur Wiederwahl antreten werde.» Odermatt nimmt den Erfolg Leuteneggers sportlich: «Ich freue mich natürlich für Kollege Filippo Leutenegger, dass er so viele Likes hat.» Persönlich würden für ihn weniger die grossen Zahlen, sondern viel mehr die persönliche Komponente zählen.

Leuteneggers eigene Analyse ist nüchtern: «Das wird auch an meiner langjährigen medialen und politischen Karriere liegen.» Er werde Facebook im Wahlkampf nutzen. «Soziale Medien sind allgegenwärtig und unausweichlich.» Besonders hilfreich seien sie auf kantonaler oder eidgenössischer Ebene. Leutenegger: «Für lokale Politiker sind mehr direkte zwischenmenschliche Kontakte möglich.»

Lauber tanzt aus der Reihe
Sportvorsteher Gerold Lauber (CVP) betreibt weder eine Facebook-Seite noch einen Twitter-Kanal. «Ich bin tatsächlich ein eher passiver Beobachter dieser Kanäle.» Dies habe mit Gewohnheit zu tun, allerdings auch mit Zeit: «Sollen diese Kanäle wirklich seriös bewirtschaftet werden, müsste ich mehr Zeit in diese investieren, und diese Zeit nutze ich lieber im direkten und persönlichen Kontakt.» Und im Wahlkampf? «Kein Politiker führt Wahlkampf ohne Begleitung von Social Media.» Auf den wichtigsten Plattformen ist Lauber zu Informationszwecken unterwegs. «Ausser auf Snapchat, das ist mir dann doch zu nervös.»
Übrigens: Die meisten Stadträte betreuen ihre offiziellen Social-Media-Kanäle gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden oder mit ihrer Partei. Filippo Leutenegger bildet eine Ausnahme: «Ich habe eine externe Person beauftragt, die ich privat bezahle.»

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