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01.02.2017 - 11:13 Uhr

Mitten in der Altstadt gibts Gratis-Suppe


Gute Freunde geworden: Annette (53) und Peter (65) kommen fast täglich in die Gaststube. Foto: fzw.

Das Café Yucca ist eine Gaststube im Zürcher Niederdorf. Das Angebot richtet sich an arme Leute, meistens Obdachlose. Das Café bietet Platz zum Verweilen, billige Mahlzeiten und auch Rat in schwierigen Lebenslagen. Von Flavio Zwahlen

Mittwochmorgen, 11 Uhr. Das Café Yucca hat bereits geöffnet. Grund dafür sind die Temperaturen, die in den letzten Wochen auch tagsüber deutlich unter dem Gefrierpunkt lagen.

Annette (53) und Peter (65) sitzen an einem Holztisch. Sie schlürft an ihrem Hagebutten-Tee, er löffelt seine Suppe aus. Beide gehören zur Stammkundschaft. Peter trägt schwarze Trainerhosen, einen braunen Pullover und braune Lederschuhe. Das zerzauste graue Haar und der gleichfarbige Schnauzbart in Kombination mit der altmodischen Brille machen ihn sympathisch. «Ich komme viermal in der Woche ins Café Yucca», erzählt er. Meist esse er hier über Mittag eine Gratis-Suppe. Er kommt gern in die Gaststube: «Es ist lustig und ich treffe nette Leute, mit denen ich mich unterhalten kann.»

Rund 50 Gäste pro Tag

Yucca+, die zentrale kirchliche Beratungsstelle für Passanten, bietet unbürokratische Hilfe für Menschen, die in Not geraten sind. Dies wird im Café Yucca umgesetzt. Kurt Rentsch ist dort Teamleiter. Er sagt: «Durchschnittlich kommen pro Tag etwa 50 bis 60 Leute zu uns in die Gaststube.» Die meisten Gäste haben psychische Probleme, sind alkohol- oder drogenabhängig oder haben einen ausländischen Hintergrund. Viele sind obdachlos. «Gerade in den kalten Wintermonaten sind die sozial benachteiligten Menschen froh, wenn sie an einem warmen Ort verweilen können.»

Im Januar lagen die Temperaturen auch tagsüber weit unter dem Gefrierpunkt. «Wir öffneten das Café deshalb den ganzen Tag.» Sprich von 10 bis 22.30 Uhr. Ansonsten sei die Gaststube jeweils über Mittag und dann wieder am Abend offen.

Zweimal am Tag bietet das Café Yucca seinen Gästen Gratis-Suppe an. Wer etwas anderes will, muss dafür bezahlen. «Was nichts kostet, ist nicht wertvoll.» Die Preise sind an die finanziellen Möglichkeiten der Leute angepasst. Das niederschwellige Angebot ermöglicht es den benachteiligten Menschen, sich für wenig Geld ausreichend zu verpflegen.

Viele Deutsche kommen

Annette und Peter sitzen noch immer am Tisch und unterhalten sich. Sie lachen viel und scheinen sich wohl zu fühlen. Annette kam im letzten Winter aus Deutschland in die Schweiz. Sie ist obdachlos. «Ich will nicht mehr zurück. Mir gefällt es in Zürich.» Warum sie Deutschland verlassen hat, erzählt sie nicht: «Es ist ein weitgestrickter Fall, der mit Politik und Liebe zu tun hat.»

Annette ist bei weitem nicht die einzige Obdachlose aus Deutschland, die sich für ein Leben in der Schweiz entschieden hat. Kurt Rentsch sagt: «In den letzten Monaten kamen Dutzende zu uns.» Er erklärt sich die Situation mit der Flüchtlingspolitik im Nachbarland: «Die armen Leute fühlen sich benachteiligt, weil die Aufmerksamkeit der Regierung verstärkt den Flüchtlingen gilt.»

Lesen, beten, Fussball schauen

Annette fühlt sich im Café Yucca zu Hause. «Es ist ein Treffpunkt. Hier kann ich Kontakte knüpfen, streiten, lachen oder einfach mal gar nichts sagen.» Sie lese Zeitungen und Sachbücher über Krankheiten und Archäologie. Die 53-Jährige ist dem Team des Cafés dankbar. «Als ich zum ersten Mal hier war, brauchte ich dringend Hilfe.» Das habe alles reibungslos funktioniert.

Im Café Yucca gibt es viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. «Im Hinterzimmer haben wir einen Beamer installiert, auf dem wir Filme oder Champions-League-Spiele zeigen.» Weiter steht dort ein Computer, den man als Arbeitsplatz nutzen kann. Wer lesen möchte, kann sich am Bücherregal bedienen oder eine Zeitung durchblättern. Für Gläubige gibt es sogar eine Kapelle.

Der Betrieb würde nicht funktionieren, wenn sich die Gäste nicht an eine Hausordnung halten müssten. Es sei wie in allen sozialen Institutionen: «Wir geben den Leuten etwas, sie müssen sich im Gegenzug benehmen.» Störenfriede, Alkohol und Drogen sind nicht willkommen. «Es kommt selten vor, dass wir jemanden rauswerfen müssen, weil er stört.» Es habe aber schon Fälle gegeben, wo die Polizei eingeschaltet wurde.

«Wir versuchen, die benachteiligten Menschen zurück in das reale Leben zu bringen, machen ihnen aber keine falschen Versprechungen.»

 

Café Yucca: Häringstrasse 20, 8001 Zürich. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10.30 bis 13 Uhr und 15.30 bis 22.30 Uhr; Sonntag, 15.30 bis 22.30 Uhr.

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