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12.04.2017 - 14:42 Uhr

IG Grubenacker fordert ein Time-out


Die geplante Überbauung mit den drei Hochhäusern (im Vordergrund) passt gemäss IG Grubenacker nicht ins Quartier. Foto: zvg.

Der Verein IG Grubenacker wehrt sich gegen die städtischen Pläne auf dem Areal Thurgauerstrasse West. Er fordert eine politische Diskussion, das heisst, dass der Gemeinderat das Heft in die Hand nimmt.

Auf dem Areal Thurgauerstrasse West in Seebach plant die Stadt ein Schulhaus, einen Park und Wohnungen, teilweise in Hochhäusern, und Gewerbe im Erdgeschoss. Christian Häberli, Co-Präsident des Vereins IG Grubenacker, nimmt es gleich vorweg: «Wir sind nicht an sich gegen ein Bauprojekt auf dem Areal Thurgauerstrasse West und nicht gegen neue Nachbarn.» Trotzdem, sie wehren sich vehement gegen die städtischen Gestaltungspläne für das Areal. Die Gründe sind vielfältig. Vor allem fühlen sich die über 500 Anwohnerinnen und Anwohner nicht ernst genommen von der Stadt. «So sind unsere Interessen in erster Linie öffentlicher Art und nicht einfach Einzelinteressen», bekräftigt Häberli.

Freihaltezonen erhalten
Es ärgert die Mitglieder des Vereins IG Grubenacker, dass der Schutz vor Bahn- und Fluglärm in den Gestaltungsplänen kein Thema ist. Zudem sind die Gestaltungspläne, die BZO Teilrevision und die BZO Gesamtrevision nicht übereinstimmend. Auch müssen die Freiflächen gemäss dem Regionalen Richtplan des Kantons Zürich erhalten bleiben. Eine Einzonung von 697 Quadratmetern Freihaltezone in die Wohnzone, wie das der Gestaltungsplan vorsieht, steht im Widerspruch zum regionalen Richtplan, der für den Bereich Zürich Nord/Opfikon vorsieht, dass die Freiflächen zu erhalten sind. «Freiflächen erhalten, aufwerten und entwickeln», fordert deshalb die IG Grubenacker.

Weiter soll das geplante Schulhaus Thurgauerstrasse – dessen Notwendigkeit wird nicht angezweifelt – an einen anderen Standort verlegt werden. «Es ist nicht einzusehen, warum das Schulhaus exakt zwischen zwei Tramhaltestellen und nicht in der Nähe der geplanten Fussgängerpasserelle über die Thurgauerstrasse erstellt werden soll», erläutert Häberli. Auch sei der vorgesehene Standort am meisten lärmbelastet.

Zudem fehlt der IG Grubenacker die Begründung, warum es zwei Gestaltungspläne gibt und nicht nur einen. Und das Projekt sei nicht eingepasst ins Quartier. Damit erfülle es die Vorgaben der BZO nicht, die einen guten städtebaulichen Übergang verlangt. «Die bis zu sechsstöckig geplanten Gebäude nehmen keinerlei Rücksicht auf die Einfamilienhäuser entlang der Grubenackerstrasse», so die IG. Ein weiteres Thema ist der Schattenwurf. Aufgrund der Hochhäuser und der grossen Verdichtung gibt es gemäss IG Grubenacker eine erhebliche arealinterne Beschattung. Auch frage man sich, ob die Hochhäuser geeignet sind für gemeinnützigen Wohnungsbau. Argumente sind: eingeschränkte Wirtschaftlichkeit, nicht nachhaltig und nicht sozialverträglich. Ein weiteres Argument gegen die geplante Überbauung ist die Ausnützungsziffer. Diese beträgt in diesem Gebiet 300 Prozent, was deutlich höher sei als in anderen Gebieten der Stadt Zürich.

Gestaltungspläne auf Eis legen
Die IG Grubenacker fordert deshalb von der Stadt, dass die Gestaltungspläne auf Eis gelegt werden und ein Time-out in Form eines parteiübergreifenden Runden Tisches, das heisst echte Mitwirkung. Alle Interessen sollen abgewogen werden. Auch soll die Ausgabe des Kredits für den Architekturwettbewerb Schulhaus und die Parkanlage sistiert werden. Der Wettbewerb fürs Schulhaus läuft bereits. Ein neuer Gestaltungsplan soll das ganze Gebiet zwischen Schärenmoosstrasse, Eisfeldstrasse, Thurgauerstrasse und Bahngleis umfassen und nicht nur das städtische Areal.

Politisch aktiv werden
Mit der Stadt hätten drei Gespräche stattgefunden, so Häberli. Diese seien aber mehr Information gewesen als Gespräche. Ganz wenige Anregungen der IG Grubenacker zur Testplanung seien berücksichtigt worden.
Zudem hätten sie festgestellt, dass es besser sei, wenn die IG eine Vereinsstruktur hat und sich selber organisiert. «Wir fühlen uns durch niemanden wirklich vertreten», hält Häberli fest. Der Verein hat sich entschieden, sich einen juristischen Beistand zu nehmen.

Die IG Grubenacker fordert nun eine politische Diskussion. Die Legislative, das heisst der Gemeinderat, soll das Heft in die Hand nehmen.

Heute Abend findet eine ausserordentliche Generalversammlung statt. Bei dieser soll eine Resolution an den Gemeinderat verabschiedet werden. «Unser Ziel ist es, eine Diskussion darüber anzustossen, wie die Stadt Zürich mit ihrer letzten grossen Baulandreserve umgehen soll und ob mit den Gestaltungsplänen die angestrebten Ziele wirklich und bewohnerverträglich erreicht werden.» Es gebe durchaus Alternativen, doch darüber sei während und nach der Testplanung gar nicht diskutiert worden. (pm.)

Ein runder Tisch ist geplant

Das Hochbaudepartement der Stadt Zürich nimmt wie folgt Stellung zum Artikel oben: «Es wurde ein steter Dialog mit der Quartierbevölkerung geführt, dabei gab es auch viele positive Rückmeldungen. Die Zahl von 500 übergangenen Anwohnenden ist deshalb nicht nachvollziehbar. Auch weitere im Artikel vorgebrachte Annahmen sind nicht korrekt. Dass die Planung in geordneten Bahnen verläuft, hat nicht zuletzt die positive kantonale Vorprüfung bestätigt.

Es liegt auf der Hand, dass es unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen zur weiteren Entwicklung gibt. Die dazu im Mitwirkungsprozess eingebrachten Einwendungen werden gegenwärtig sorgfältig geprüft, bevor der Gestaltungsplan zur Beratung in den Gemeinderat geht. Ebenso ist ein runder Tisch mit Betroffenen geplant.»

Lucas Bally, Sprecher Hochbaudepartement

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