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09.06.2017 - 13:11 Uhr

Eine kleine Hommage an einen grossen Tüftler


Auch eine Seite des gebürtigen Berner Oberländers: «Muulörgele». Archivfoto: hl.

Er war stets ein Pionier – sei es beim Deltasegeln, beim hoch spezialisierten Modellbau oder beim Drohnenflug. Seine Werkstatt an der Zürichstrasse 87a war Jahrzehnte ein beliebter Treffpunkt für Tüftler und Flugfans. Nun ist Fred Haldi gestorben. Eine Würdigung.

Peter Keller und Heinz Morf, zwei Modellbaufans und Kollegen von Fred Haldi, sitzen betrübt am Pistenrand. Es ist still. Kein Motorengeräusch aus der Werkstatt nebenan, kein Gesurre eines Flieger- oder Helimodells. Der Grund ist ein trauriger: Fred Haldi, den man weitherum als versierten Autokenner und als Modellflug-
Legende kannte und schätzte, ist gestorben. Im Alter von nicht einmal 69 Jahren, nach kurzer, heftiger Krankheit, wie es in der Todesanzeige heisst. Er litt an einer unheilbaren Lungenkranheit. Dabei war Fred Haldi, der mit 30 Jahren nach Adliswil zog, sehr sportlich.

Im nationalen Ski-B-Kader
Aufgewachsen ist er in St. Stephan, einem kleinen und weltabgeschiedenen Dorf im Simmental (Berner Oberland). Schon früh zeichnete sich ab, dass durchschnittliche Leistungen für Fred Haldi zu wenig waren. Er tastete sich überall an die Grenzen heran, manchmal sogar darüber hinaus, wie damals in seiner Jugendzeit, als er sich bei einem kapitalen Skisturz elf (!) Knochen brach, was dann gleichzeitig seinen Abschied aus dem nationalen B-Kader bedeutete. Unterdessen absolvierte er erfolgreich eine Lehre als Automechaniker und Autoelektriker. Was lag da näher, als beim Autorennsport einzusteigen? Der Erfolg stellte sich rasch ein, was ein Sieg auf dem Hockenheimring belegt. Doch finanzielle Überlegungen – Tourenwagenfahren ist eine teure Sache – zwangen ihn zum Übungsabbruch.

«Über den Wolken . . .»
Eine neue Betätigung war bald gefunden: der Deltasegelflug. «Das war das schönste Hobby, das ich je ausgeübt habe», wird er in einem Artikel im «Sihltaler» zitiert. Er betrieb die Leidenschaft mit Inbrunst. Der dritte Rang an einer Schweizer Meisterschaft bestätigte dies. Voller Pioniergeist, wie er sein Leben lang war, wurde ihm als erstem Schweizer ein offizielles Brevet als Hängegleiterpilot verliehen. Zu diesem Zweck hatte er vorgängig noch den Segelflug erlernt und viel Theorie gebüffelt. Das war 1975. Deltasegelflüge von über acht Stunden und in Höhen des Mont Blanc bei minus 28 ° Celsius (Starttemperatur: plus 22 °!) waren ihm in bester Erinnerung.
Doch nach der Geburt seiner ersten Tochter Jeanine im Jahr 1982 – später kam noch Cécile hinzu – ging Fred Haldi in sich. Er entschied sich für eine gefahrlosere Freizeitbeschäftigung. Die Familie war wichtiger als jeder Nervenkitzel. So entdeckte er den Reiz des Helikoptermodellbaus.
Allein vorgefertigte Bausätze waren ihm zu wenig attraktiv. Er versuchte auch hier, Neuland zu betreten. Dieses fand er im sogenannten Scale-Bau, das heisst dem massstäblich verkleinerten Nachbau von Originalversionen. Mit viel Erfindergeist und ebenso grosser Improvisationskunst hat Haldi in den letzten Jahrzehnten viele Modell-Prototypen konstruiert, die in Fachkreisen höchste Aufmerksamkeit erregten. Auch das kleinste Detail wurde akribisch nachgebaut. Was Wunder, dass viele seiner Modelle ausgezeichnet wurden. Seine triumphalsten Rangierungen erlebte er 1986 und 1987, als er zweimal als Europas bester Helikopter-Modellbauer geehrt wurde. 1990 holte er sich zudem den Sieg an den französischen Staatsmeisterschaften in derselben Kategorie. Ebenso wenig erstaunt es, dass Firmen, vor allem aus Japan, mit der Bitte um serienmässigen Nachbau seiner Eigenschöpfungen an ihn herantraten. Damals übrigens war das Pilotieren von Modellhelis viel schwieriger als heute. Denn anders als heute mussten alle Ausgleichsbewegungen manuell getätigt werden, heute passiert das computergesteuert. Natürlich war ungemein viel Forscher- und Knochenarbeit für diese Erfolge nötig. «Zwischen 800 und 1500 Arbeitsstunden muss ich schon in ein neues Modell stecken», erklärte Fred Haldi vor Jahren. Zeit seines Lebens war er dankbar, dass seine Familie grosses Verständnis für seine Leidenschaft aufbrachte. Immerhin, tagsüber sorgte er als versierter Automechaniker für Lösungen aller Art und so stets für ein sicheres Familieneinkommen. Doch wenn die Reparaturen erledigt waren, legte er sofort die beiden legendären gelben Schalungsbretter über die Hebebühne und legte mit seinem Hobby los.
Zu schaffen machte Fred Haldi freilich ein dreister Einbruch vor Jahren, der nie aufgeklärt wurde. Gestohlen wurden ihm damals die aufwendigsten und erfolgreichsten Modelle – alles Eigenkonstruktionen. Heute sind sich viele einig: Es musste wohl ein Insider am Werk gewesen sein. Immerhin, weil Haldis Konstruktionen weltweit bekannt waren, konnte sie der Dieb nicht verkaufen.

Drohnen als neue Herausforderung
Im letzten Jahrzehnt wurden Drohnen Haldis neue Herausforderung. Auch hier reizte ihn das Einfache nicht. Oft war er seiner Zeit voraus, konstruierte Einrichtungen, damit perfekte Foto- und Filmaufnahmen ohne Bewegungsstörungen entstanden. Der stets gesellige und hilfsbereite Fred nahm es in den letzten Jahren etwas ruhiger. Dennoch er war fast jeden Tag in seiner geliebten Werkstatt und wurde von seinen vielen Kollegen regelmässig um Rat gefragt.
Oder es wurde einfach gefachsimpelt in oder vor der legendären Adresse Zürichstrasse 87a, an der Grenze zwischen Adliswil und Zürich. Dies
alles ist nun Vergangenheit. Heute Freitag wird Fred Haldi in der reformierten Kirche Adliswil verabschiedet. (Hans Lenzi/ Lorenz Steinmann)

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