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27.07.2017 - 14:56 Uhr

Freiwillige Profis bekämpfen die Flammen

Die Feuerwehrleute kämpfen gegen Flammen, Rauch, Hitze und Dunkelheit. Fotos: Franziska JudVor dem Haus gibt der Einsatzleiter seine Befehle an die Trupps.Zum Löschen benötigen die Trupps viel Material, das sie alles ins Haus tragen müssen. Hier zu sehen: Schlauchtragkorb und Schlauchpaket.Mit dem Schlauchpaket kann der Trupp ohne gefüllte Schläuche bis vor die brennende Wohnung und dort erst Wasser verlangen. Dies spart Energie.Hier übt die Mannschaft das richtige Öffnen einer Tür, hinter der Feuer vermutet wird.Personenrettungen üben die Feuerwehrleute oft mit Puppen, die in etwa das Gewicht eines Menschen haben.Das Tanklöschfahrzeug (TLF) bringt gleichzeitig Wasser und Material an den Schadensort.Die Maschinistin bedient die Pumpe am Tanklöschfahrzeug (TLF).Die Dunkelheit im Haus simuliert die schlechten Sichtverhältnisse bei Rauch.Bei Atemschutzübungen stärken sich die Feuerwehrleute in der Pause mit einer kleinen Zwischenverpflegung.Jeder Schlauch muss nach der Übung kontrolliert werden. Manchmal bedeutet dies ziemlich viel Arbeit, wenn viele Schläuche im Einsatz waren.Nach der Übung müssen die Atemschutzgeräte retabliert werden. Dies bedeutet Flaschen füllen und alles auf Funktionalität kontrollieren.

Im Ernstfall muss jeder Griff sitzen. Auch bei rund 30 Grad übt die Milizfeuerwehr die Brandbekämpfung. Ein Bericht aus nächster Nähe.

Einen heissen Sommerabend verbringen viele auf ihrem Balkon mit einem kühlen Getränk in der Hand. Nicht so die 18 Personen, die sich an diesem Donnerstagabend im Ausbildungszentrum Rohwiesen eingefunden haben: Ein Teil der Milizfeuerwehr Kompanie Zürich West trainiert für den Ernstfall. In ihrer Schutzausrüstung und mit Atemschutzgeräten auf dem Rücken, total rund 21 kg schwer, rennen die Feuerwehrleute die Treppe hoch. «Brand im zweiten Stock bei Familie Huber» lautet der Einsatzauftrag. Die Wohnung steht in Flammen: Sowohl in der Küche als auch im Wohnzimmer wütet das Feuer. Jetzt geht es darum, verletzte Personen zu suchen und den Brand zu löschen. Bei einer gründlichen Durchsuchung der Wohnung kann die Feuerwehr keine Verletzten finden, die Bewohner konnten sich glücklicherweise selbst retten. Der Trupp widmet sich nun dem Brand.

Autobrand in der Garage
In dem Moment fällt der Wasserdruck ab, die zwei Feuerwehrmänner müssen sich zurückziehen und die Übung wird abgebrochen. Schuld ist ein kaputter Feuerwehrschlauch. Bei der Besprechung wird klar, was passiert ist: Das in einer Ecke deponierte Feuerwehrbeil ist umgefallen und hat den Schlauch aufgeschnitten. «So wissen wir immerhin, dass es scharf ist», scherzt der durchnässte Instruktor Daniel Henggeler, der zufällig genau neben dem geplatzten Schlauch stand, und bedankt sich bei der Mannschaft für die unfreiwillige Dusche. Er lobt das Schlauchmanagement der Gruppe: Der Schlauch war im Treppenhaus schön der Wand entlang verlegt, dass daneben noch viel Platz bleibt, und vor der Wohnung hatte der Trupp noch genügend Schlauchvorrat, um den Brand zu löschen. Der kaputte Schlauch ist einfach Pech. Im Ernstfall würde der Schlauch liegen gelassen und stattdessen eine zweite Löschleitung gezogen. An der Übung wird darauf verzichtet: Die Männer und Frauen räumen das gesamte Material weg und nach einer kurzen Pause wartet der nächste Posten: In der Garage hat ein abgestelltes Auto Feuer gefangen. Schon vor dem Eingang spürt man eine unglaubliche Hitze, kaum vorzustellen, wie sich die Feuerwehrleute im Gebäude fühlen. Die engen Platzverhältnisse in der Garage behindern zudem die Löscharbeiten. Nach einiger Zeit bricht der Instruktor die Übung ab und bespricht mit der Mannschaft, woran noch gearbeitet werden muss. Beim zweiten Durchgang werden die Tipps direkt umgesetzt. Lukas Cimburek, der erst seit einem knappen Jahr in der Kompanie Zürich West mitmacht, ist begeistert: «Mein Highlight war der Fahrzeugbrand in der Garage. Es war mal etwas ganz Neues, das ich noch nie gemacht habe.»

Engagierte Feuerwehrleute
Auch Instruktor Henggeler, selber Berufsfeuerwehrmann, ist zufrieden. Sein persönliches Highlight ist der Eifer der Milizfeuerwehrleute, der nicht selbstverständlich ist: «Man kommt in der Freizeit nach dem Arbeitstag, es ist heiss, und trotzdem ist die Motivation da und das Engagement, was ich sehr schätze.» Henggeler spricht auch von Fortschritten, welche die Milizfeuerwehr mit jeder Übung macht. Ihm fällt es schwer, etwas zu benennen, das an diesem Abend nicht so gut geklappt hat. Nach einigem Überlegen meint er: «Woran man grundsätzlich sicher noch arbeiten muss, ist die Kommunikation.» Dies sind einerseits die Meldungen aus dem Haus zur Einsatzleitung, denn draussen ist man auf Rückmeldungen zur angetroffenen Situation angewiesen. Andererseits müssen klare Befehle gegeben werden, um sicherzustellen, dass die Mannschaft die richtigen Arbeiten ausführt.
Gefragt nach der Motivation, sein berufliches Wissen an die Miliz weiterzugeben, nennt Berufsfeuerwehrmann Henggeler die Zusammenarbeit: «Man lernt Leute aus der Stadt kennen, die in der Feuerwehr sind und die man nachher auch mal im Einsatz wieder sieht.»

Alltagsnutzen der Ausbildung
Für diese Einsätze übt die Kompanie Zürich West an jährlich zehn Übungen, je nach Funktion auch mehr. Dafür investieren die rund 300 Milizfeuerwehrleute der Stadt Zürich ihre Freizeit, bekommen aber einiges zurück: Den Nutzen der praktischen Ausbildung haben einige schon im Alltag erlebt, etwa bei medizinischen Notfällen oder kleineren Bränden. Nicht zuletzt pflegen die Feuerwehrleute enge Kameradschaft, denn man verbringt viel Zeit miteinander und muss sich ganz auf den anderen verlassen können.
An besagtem Donnerstagabend müssen nach der Übung zuerst die Fahrzeuge und das Material wieder einsatzfähig gemacht werden. Das Fachwort dafür lautet «retablieren». Bald zeugen von der Übung nur noch die zufriedenen, etwas erschöpften Gesichter der Männer und Frauen. (juf.)

Multitalente
Die Aufgaben der vier Brandkompanien und der Sanitätskompanie in Zürich sind vielseitig. Jeder Kompanie ist neben der Brandbekämpfung ein Spezialgebiet zugeordnet. Die Kompanie Zürich West verfügt über ein eigenes Ölwehrfahrzeug für Chemie- und Wasserereignisse. Zudem ist eine Gruppe der Kompanie ausgebildet, um bei Tunnelbränden das Team des Lösch- und Rettungszugs der SBB zu unterstützen. Jugendliche ab 14 Jahren können in der Jugendfeuerwehr mitwirken.

Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau werden? Mehr Infos unter Tel. 044 411 24 11 oder stadt-zuerich.ch/srz.

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