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29.08.2017 - 18:38 Uhr

«Musicals haben einen positiven Einfluss»


Musiklehrer Beat Fritschi: Sein Wunsch war es, den persönlichen Abschluss mit einem Musical zu feiern. Foto: zvg

Musiklehrer Beat Fritschi hat in seiner 40-jährigen Zeit am Rämibühl immer wieder Musicals produziert. Nun verlässt er das Gymnasium. Ein Blick hinter die Musicalkulissen.

Beat Fritschi, nach 40 Jahren Dienstzeit als Lehrer verlassen Sie das Rämibühl. Wie fühlt sich das an?
Am Anfang war der Gedanke sehr gewöhnungsbedürftig, weil ich immer mit vollem Pensum gearbeitet und regelmässig Projekte verfolgt habe. Auf einmal merkt man, dass es bald nicht mehr so ist. Dann muss man sich schon fragen, ob das jetzt schon alles war. Unterdessen freue ich mich aber, aufzuhören. Ich habe natürlich noch vieles vor, denn als Musiker hat man immer die Möglichkeit, den Beruf weiter auszuüben. Vielleicht nicht unbedingt mit dem gleichen Publikum, sondern eher mit Erwachsenen.

Als Abschluss Ihrer Dienstzeit wird wieder ein Musical aufgeführt. Was begeistert Sie an der Theaterproduktion mit Jugendlichen?
An so einer Schule, wo es mehrheitlich um die Leistung geht und die Schüler viel mit dem Kopf arbeiten müssen, ist es wirklich ein echter Ausgleich, Theater, Musik, Tanz und Bewegung einbringen zu können. Das Theater hat eine lange Tradition hier, und die Schüler sind in der Regel begeistert. Damit holen sich viele Schüler oft die Motivation, am Gymnasium zu bleiben und die Matura zu machen.

Wie lange machen Sie schon Musicals an der Schule?
Musicals hatten wir bisher sechsmal im Dreijahresabstand. In den Jahren vorher hatten wir eher kleinere musikalisch theatrale Aufführungen, oft sogar Opern, Kinderopern, oder halbszenische Werke. In Zusammenhang mit der vokalen Begeisterung der grassierenden «MusicStar»-Euphorie merkten wir, dass man etwas näher bei den Schülern ist, wenn man ein Musical produziert.

Schreiben Sie das Stück noch um?
Wir haben das Stück ein bisschen auf unsere Verhältnisse zugeschnitten. Im Dezember hatten wir ein Casting, bei dem wir einen ziemlich guten Überblick über unsere Solistinnen und Solisten gewannen. Es kamen 75 Schüler und Schülerinnen, die sich für eine Solo-Rolle interessierten. Angenommen wurden schliesslich aber nur 30.

Und diejenigen, die nicht ausgewählt werden?
Mein Grundsatz ist: Man kann immer mitmachen. Es gibt verschiedene Funktionen. Wenn man nicht in einer Haupt- oder Nebenrolle ist, kann man auch im Chor singen, tanzen oder sich sonst als Schauspieler anbieten. Regisseur Marcel Wattenhofer ist sehr erfahren und bringt viele Ideen mit, wo er die Schüler noch einsetzen kann.

Die Plakate werden ebenfalls von den Schülern gestaltet?
Jawohl, auch dieses Mal ist es so. Schülergruppen aus dem Bildnerischen Gestalten haben als Wettbewerb einen Flyer gestaltet. Die besten wurden prämiert, der Sieger sogar gedruckt.

Warum haben Sie sich entschieden, Musicals zu machen?
Ich komme aus dem Chorsektor und der Kirchenmusik und habe viele Jahre in diesem Bereich einen Schwerpunkt gesetzt, immer mit grossem Erfolg. Die Kombination von Bewegung, Theater und Singen gelingt aber am besten mit einem Musical. Wir produzieren ja nur alle drei Jahre ein Musical, also bleibt auch zwischendrin noch Zeit. Dort hat es Platz für die ernsten Sachen.

In den zwei Jahren zwischen den Musicals läuft also etwas anderes?
Genau, jedes Jahr findet etwas Grosses Musikalisches statt. Wir versuchen, auch in anderen Bereichen Highlights zu setzen. Ich erinnere an die Carmina Burana, Porgy and Bess, das Mozart Requiem, Händels Messias. Im Unterschied zu den Musicals melden sich da natürlich etwas weniger Schüler. Beim Musical in diesem Jahr sind wir aber wieder rund 130 Personen. So wird die Schule bewegt.

Woher nehmen Sie die Ideen für die Musicals?
Wir kommen als Team zusammen und schauen, welches Musical man nehmen könnte. In den regelmässigen Projektwochen machen die Schüler oft auch musicalartige Produktionen, daraus erwächst oft auch ein Wunsch oder der Gedanke, welches Werk wir nehmen könnten. Die Idee, ein Musical zu nehmen, das bereits einen grösseren Bekanntheitsgrad hat, ist nicht Bedingung, erleichtert aber oft die erste Probenphase erheblich.

Wie haben sich die Musicals über die Jahre hinweg entwickelt?
Ich denke, alle Schüler rechnen damit, dass sie einmal mitmachen können. Der Dreijahreszyklus, macht es möglich, dass ein Schüler sicher einmal pro Schulzeit teilnehmen kann. Das Angebot wird rege genutzt.

Was hat sich verändert?
Die Schülerschaft hat sich in den 40 Jahren nicht immer gleich verhalten. Als ich vor 40 Jahren angefangen habe, war Disziplin etwas, das für einen jungen Lehrer unglaublich schwierig war. Was aber über die Jahre bei der Schülerschaft immer gleich blieb, sind – und das stimmt hoffnungsvoll – die Begeisterungsfähigkeit und die Motivation der Beteiligten.

Was bedeutet es für die Jugendlichen, mitmachen zu können? Was hat es für einen Effekt auf sie?
Wir haben beobachtet, wie die Gruppe mit verschiedenen Altern und Hintergründen einen unglaublich positiven Kontakt untereinander hat. Ausserdem gibt es immer drei bis vier Schüler aus dieser Gruppe, die nachher professionelle Schauspieler werden. Wir hatten auch Musiker, die heute berühmte Sänger oder Musiker sind. Sie fühlen sich durch die Musicals angeregt, ihre Interessen weiterhin zu pflegen.

Welche Motivation haben die Lehrpersonen, um mitzumachen?
Bei den Lehrpersonen ist es so, dass man die Schüler von einer anderen Seite kennenlernt. Musik hat auch eine praktische Seite. Man ist sicher mehr akzeptiert, denn man ist nicht mehr nur der Musiker, der über Intervalle redet. Das ist sehr wichtig.

Haben die Musicals also einen positiven Einfluss auf den Musikunterricht?
Sicher. Ich würde sogar behaupten, dass sie auf die ganze Schule einen positiven Einfluss ausüben. Es gibt ein grossartiges Wir-Gefühl, da man etwas gemeinsam macht. Und wenn andere Kollegen an die Aufführung gehen, sehen sie die Schüler auf einer anderen Ebene als während der Schulzeit: Schüler, die im Unterricht nicht so motiviert sind und nicht viel sagen, kommen an den Musicals ganz aus sich heraus. Diese Reaktion höre ich immer wieder.

Sind die heutigen Jugendlichen anders als diejenigen, die zu Beginn Ihrer Dienstzeit an der Schule waren?
Im Moment sind sie betreffend Disziplin viel umgänglicher. Sie entschuldigen sich, wenn etwas geschehen ist. Das war in meinen Anfängen sicher viel weniger der Fall. Damals ging es manchmal schon ziemlich derb zu und her. Früher liessen die Jugendlichen ihren Frust einfach raus oder haben geschwänzt. Aber das ist natürlich nicht empirisch untersucht. (schmunzelt)

Was war Ihr prägendstes Erlebnis im Zusammenhang mit den Musicals?
Besonders ist immer das wahnsinnige Hochgefühl am Schluss des Abends. Es sind so viele Schüler dabei, die sich freuen und die merken, dass das Publikum auch Freude hatte. Darum war es auch mein Wunsch, nochmals mit allen ein Musical aufzuführen, wenn ich aufhöre. Dann bleibt eine gute Erinnerung zurück.

Gibt es auch etwas, worüber Sie froh sind, es hinter sich zu lassen?
In den letzten Jahren hat der administrative Bereich sehr zugenommen. Es gibt für alles ein Formular. Mit so einer Produktion geben wir natürlich Gegensteuer, aber daneben läuft wirklich noch sehr viel Administratives. Da sind so viele Kleinigkeiten, die in der Produktion einen Einfluss haben. Das ist relativ aufwendig und hat mit den Musicals nichts zu tun, sondern generell mit der Funktion als Lehrer, die man heute hat. Dies werde ich sicher nicht vermissen.

Werden weiterhin Musicals produziert?
Das ist noch offen. Bis jetzt habe ich mich dafür hergegeben, weil ich fand, jemand musste es machen. Die Funktionen kann man irgendwann aufteilen durch ein Netzwerk, das man sich schafft. Dieses entsteht aber nur, wenn sich jemand dieser Aufgabe stellt. Vielleicht ist später jemand aus der Schulleitung bereit, das zu übernehmen, oder man findet sonst jemanden aus dem Musikbereich. Ich habe aber nicht vor, weiter zu planen, das sollen meine Kollegen und Kolleginnen tun. Grundsätzlich kann ich mir gut vorstellen, dass weiterhin Musicals stattfinden.

Was würden Sie einem Nachfolger raten?
Wesentlich ist, dass man sehr gute Leute findet, mit denen man blind zusammenarbeiten und sich gegenseitig vertrauen kann. Das jetzige Team hat sich über Jahre mit Erfolg zusammengefunden. Da macht das Zusammenarbeiten Freude.

Wofür werden Sie die neu gewonnene Zeit verwenden?
Das ist eine gute Frage. Ich will eigentlich etwas kürzer treten, denn ich hatte mir bisher wenig Zeit genommen, um mich wirklich zurückzunehmen. Ich habe jedoch noch ein Ensemble und einen grossen Chor in Winterthur, also, ich sehe gar nicht so viele Pausen. Vielleicht ist es aber auch gut, dass ich direkt wieder Aufgaben habe. Ich habe schon verschiedene Anfragen bekommen und lasse es gerne etwas auf mich zukommen. Ich bin offen für das, was sich gerade ergibt, ich will mich gar nicht zu früh wieder binden.

Eine letzte Frage: Werden Sie weiterhin die Musicals der Schule besuchen?
Ja, das ist klar. Da würde ich natürlich meine Kollegen unterstützen, auch im Sinn, dass ich hingehe und eine Rückmeldung gebe. Das Musikleben an dieser Schule werde ich sicher weiterverfolgen. (Interview: Franziska Jud9

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