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13.09.2017 - 16:34 Uhr

«Ich verliere damit massenhaft Fans»


Ein Internetphänomen, das nun den Sprung auf die Bühne wagt: Der Zukkihund. Rafi Hazera, Herrchen des Zukkihunds, versucht, diesem die Welt zu erklären. (Foto: Yonni Meyer/Pony M.)

Bekannt wurde er durch Huskybilder auf Facebook, am 29. September ist er in Adliswil. Lokalinfo hat den Zukkihund getroffen. Offen redet er etwa darüber, wie er mit Witzen, die er selbst extrem lustig findet, massenhaft Fans verliert.

Rafi Hazera, den Zukkihund kennt man vor allem über Facebook. Wer ist der Mann, der hinter dem Hund steckt?
Ich bin Webdesigner und eher zufällig in die Comedy gerutscht, als ich auf Facebook einen Account eröffnet habe mit einem frechen Husky. Zuerst war dies rein privat gedacht, aber nachher entstand durch «20 Minuten» und «Tillate» ein richtiger Hype. Ich habe dann den Mut gefasst, dies auch auf die Bühne zu bringen.
Wie bist Du von Facebook auf die Bühne gelangt?
Ich hatte einen Kollegen, der einen Club hat. Dort konnte ich auftreten, und jetzt machen wir seit viereinhalb Jahren Stand-up-Comedy. Ich mache eine Mixed Show in der «Zukunft» und im «Bonsoir» in Bern gemeinsam mit anderen Comedians. Ganz neu haben wir uns umgetauft: Wir gehen weg von der «Zukunft» ins «Kanzlei» und haben uns zum «Kollektiv Komikaze» umtauft – das sind Pony M., Herr Richiger, Guy Landolt und ich.
Warum hast Du genau einen Husky ausgewählt?
Der Husky hat sich eigentlich angeboten, denn ich mag diese Hunde sehr. Ausserdem haben sie so einen guten Gesichtsausdruck. Im Internet findet man viele Bilder davon.
Besitzt Du einen Hund?
Ich selbst habe keinen Husky. Ganz viele Leute sind sehr enttäuscht, dass kein echter Hund auf der Bühne ist. Am Anfang habe ich sehr viele Husky-Bilder mit Text veröffentlicht. Damit bin ich gross geworden, unterdessen habe ich etwas aufgehört damit. Ich stelle jetzt gar nicht mehr so viele Husky-Bilder auf Facebook.
Woher nahmst Du die Ideen für die Bilder?
Ich war Einlasser im Club Cabaret, dort habe ich sehr viele Inputs gesammelt. Am Anfang ging es vor allem um die Partyszene, später wurde der Inhalt immer ausgeweiteter bis hin zu Themen wie Liebe, Alltag und Sex.
Unterdessen arbeitest Du nicht mehr als Einlasser. Woher kommen jetzt die Ideen?
Die stammen immer noch aus dem Alltag. Ich beobachte viel und schaue gerne auf Details. Man kann ganz viel Material aus alltäglichen Situationen nehmen, indem man schaut, was die anderen Leute auch für Probleme haben könnten.
Was gefällt Dir besonders an der Comedy?
Es ist eine Hassliebe. Einerseits ist Comedy nebenberuflich sehr anstrengend, aber andererseits auch sehr schön, wenn man sieht, dass es auf der Bühne funktioniert. Auf Dezember plane ich ein abendfüllendes Programm, das «Zürisack» heissen wird. Dies mache ich unter anderem, um herauszufinden, ob es für mich ein Weg wäre, Vollzeit-Comedian zu sein.
Weshalb möchtest Du diesen Weg gehen?
Es ist einfach nicht mehr lustig, alles halbherzig zu machen. Die Grafiker-Kunden wollen Resultate, dann organisiere ich Comedy-Events, ich schreibe für «Watson» – irgendwann wird es eng. Ich will mal ausprobieren, wie es ist, meine Comedy-Tätigkeit zu professionalisieren. Wenn ich meine vollberuflichen Comedy-Kollegen beobachte, habe ich grosse Ehrfurcht. Die Qualität, die sie zustande bringen, könnte ich niemals erreichen mit meinem Pensum.
Bist Du im echten Leben auch so schlagfertig wie als Zukkihund auf Facebook?
Im Internet ist es sehr viel einfacher, eine gute Antwort zu finden, denn man hat mehr Zeit. Ich habe natürlich unterdessen meinen Malkasten an guten Antworten, mein sogenanntes «Battlekit». Das sind Bilder für dumme, immer wiederkehrende Situationen. Wenn beispielsweise jemand «das ist nicht lustig» schreibt, habe ich einen Schredder mit dem Text «der Kommentar ist nicht lustig». Denn was qualifiziert einen unbekannten User im Internet, einfach generell zu behaupten, dass etwas nicht lustig ist, wenn 1200 andere den Beitrag witzig finden?
Was ist bei Live-Auftritten anders als im Internet?
Live ist echter und weniger abstrakt. Tausend Likes sind weniger fassbar als vier Leute, die applaudieren oder halt eben nicht. Darum habe ich mich für die Bühne entschieden. Anfangs habe ich mich total gefreut über Likes, aber unterdessen ist es mir egal. Mittlerweile mache ich ziemlich viele «schlechte» Witze, die ich selbst extrem lustig finde, und verliere damit massenweise Fans.
Welche Witze kommen andererseits eher gut an?
Man kann sich über andere lustig machen, also sie verspotten, oder Alltagsprobleme thematisieren, denn die betreffen jeden. Ich weiss schon, womit ich jeden glücklich machen könnte, aber irgendwann nervt das. Man muss ein bisschen mischen, also Witze im Programm haben, die allgemein funktionieren, aber auch etwas Abwechslung hineinbringen.
Bist Du nervös vor Deinen Auftritten?
Ja, das beginnt kurz vor dem Start und dauert, bis die ersten Lacher kommen. Danach habe ich immer so eine Art Blackout, ich weiss jeweils nach dem Abend gar nicht mehr, was ich eigentlich genau gemacht habe.
Was tust Du gegen diese Nervosität?
Meist laufe ich etwas herum. Gut, vielleicht liegt die Nervosität auch daran, dass ich einfach faul bin. Ich übe zu wenig. Irgendwie wurde dies über die Jahre schliesslich zu meinem Stil, dass ich auf der Bühne nicht so getextet wirke. Mein Programm ist ziemlich modular und innerhalb dieser Module bin ich frei. Es klingt jedes Mal etwas anders und entwickelt sich immer. Das ist mir wichtig. Und es hat natürlich den Vorteil, dass ich etwas weniger üben muss …
Zurück zu Deinen Wurzeln auf Facebook. Was gefällt Dir an Facebook, und was findest Du eher weniger gut?
Ich verdanke Facebook viel. Die Plattform war mein Werkzeug zum Erfolg, hat mir neue Kunden für meine Agentur gebracht und so auch wirtschaftlich geholfen. Die meisten anderen Comedians müssen jahrelang auf die Bühne, bis sie im Internet einen Namen haben, während mir viele Türen einfach geöffnet werden. Ganz ehrlich bin ich aber nicht sicher, wie lange Facebook noch relevant bleiben wird.
Ist es für Dich ein Problem, wenn die Jungen Facebook den Rücken kehren?
Ich sehe ziemlich genau in den Statistiken meiner Facebook-Seite, wer zu meinem Zielpublikum gehört. Dies sind die 18- bis 35-Jährigen. Die ganz Jungen haben sich noch nie wirklich für den Zukkihund interessiert.
Wie siehst Du als Grafiker den Niedergang des Prints?
Es ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich mag gerne Bücher, dann habe ich etwas Greifbares in den Händen, aber gewisse Bücher sind das Baumsterben nicht wert. Ich glaube aber nicht an einen Niedergang. Es wird einen schweren Rückgang geben, aber schöne Drucksachen werden immer eine Plattform finden. Weniger Schrott, mehr Qualität.
Haben Deiner Meinung nach Zeitungen, insbesondere Lokalblätter, eine Zukunft?
Ab und zu lese ich gerne Lokalblätter, aber ich würde es wohl lange nicht merken, wenn sie weg wären. Vermutlich steckt noch viel Nostalgie hinter den Lokalblättern. Die Frage ist halt, ob es sich wirklich lohnt, nur wegen der Nostalgie noch so eine Maschinerie aufrechtzuerhalten.
Braucht es denn überhaupt noch Journalisten, oder sollte man sich seine Infos lieber irgendwo im Netz holen?
Wenn es keine Journalisten gibt, wer macht die Infos? Natürlich ist Werbung unumgänglich für Gratismedien, aber es braucht auch Unabhängigkeit. Darum glaube ich an Plattformen wie «we.publish» und die «Republik». Ich finde, man sollte für mehr Unabhängigkeit in den Medien sorgen, deshalb bin ich ein Befürworter der Billag. Klar, für mich ist es auch etwas viel, es nervt, aber wer, wenn nicht das SRF, ist noch unabhängig?
Kommen wir zurück zu Deinem Auftritt in Adliswil …
Ach, das ist ja auch noch.
Was fällt Dir zu Adliswil ein?
Adliswil – was ist dort hinten nochmals? Früher führte der Weg zum Tessin dort durch, aber mittlerweile mit der neuen Autobahn interessiert es wirklich niemanden mehr. Ein Kollege von mir arbeitet bei Matí. Ich weiss, dass er jeden Tag mit dem Velo nach Adliswil fährt, es kann also nicht allzu weit weg sein.
Welche Comedians sind aus Deiner Sicht gut oder eher schlecht?
Die Szene ist etwas zu klein dafür. Bleiben wir lieber bei den guten. Charles Nguela und Herr Richiger sind ganz grossartig. Ich könnte jetzt natürlich alle aus meinem Kollektiv nennen, aber das ist einfach. Es gibt viele, auch Slam Poeten gehören dazu: Renato Kaiser, Kilian Ziegler, Lara Stoll oder Hazel Brugger. Und natürlich Eddie Ramirez. Er ist körperlich schwer behindert und macht bitterböse Witze darüber, wie er den Alltag erlebt.
Warum muss man denn am 29. September genau Dich schauen kommen?
Es wird exklusives Material zu sehen geben, das noch nirgends gespielt worden ist. Ausserdem ist die Show ein Potpourri. Ich arbeite sowohl mit Musik-Einspielern als auch mit Multimedia oder Requisiten. Wissen Sie, wenn man nicht gut ist, kann man einfach Hilfsmitteln benützen. Es wird aber ebenfalls ganz klassische Stand-up-Comedy. Ich bringe eine Mischung von Klassikern aus Themen wie Liebe, Alltag, Hundeprobleme, Menschenprobleme… Auf jeden Fall ist für fast jeden etwas dabei.

Friday Comedy mit Zukkihund, 29. September, 20 Uhr, Kulturschachtle Adliswil. Tickets & Infos: www.zh-innovativ.ch

 

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