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08.11.2017 - 13:00 Uhr

Bilanz des Profis: «Dement, aber nicht bescheuert»


Der Preisträger Michael Schmieder (r.) zusammen mit Urs Lauffer, Präsident des Stiftungsrats der Paradiesstiftung. (Foto: ls.)

Die Paradies-Stiftung für soziale Innovation hat den diesjährigen Preis mit Schwerpunkt Demenz an Michael Schmieder, den pensionierten Leiter des Kompetenzzentrums Sonnweid in Wetzikon, verliehen. Seine Arbeit hat weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden.

Die Paradies-Stiftung für soziale Innovation bezweckt die Förderung innovativer Lösungen im Sozialbereich und verleiht dazu alle zwei Jahre Preise in Höhe von 150000 Franken. Dieses Jahr stand Demenz im Alter im Mittelpunkt. Zur Würdigung des diesjährigen Preisträgers Michael Schmieder, pensionierter Leiter des Kompetenzzentrums Sonnweid in Wetzikon, durch Urs Lauffer, Präsident Stiftungsrat, erschienen auch Regierungsrat Mario Fehr und Stadtrat Raphael Golta. Lauffer hielt in seiner Laudatio fest: «Wir ehren Sie im Bewusstsein, dass Sie, obwohl Sie die operative Leitung der Sonnweid abgegeben haben, noch längst nicht im Ruhestand sind und wir hoffentlich von ihnen noch viel hören und lesen werden.» Schmieder habe dem Umgang mit Demenzkranken professionalisiert und die Sonnweid zu einem führenden Demenzzentrum Europas gemacht. «Menschen mit Demenz haben dieselben Bedürfnisse wie Menschen ohne: Licht, Bewegung, Gesellschaft, Sicherheit, Respekt und Wertschätzung», so Lauffer. Er dankte Schmieder, dass er in den letzten Jahrzehnten zahlreichen dementen Menschen geholfen habe, diese Bedürfnisse trotz ihrer Krankheit befriedigen zu können.

Eigenes Lebensmodell weiterleben
Das Kompetenzzentrum Sonnweid in Wetzikon hat sich seit fast 30 Jahren auf die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz spezialisiert. Es bietet in verschiedenen Wohnformen Raum für 155 stationäre Bewohner. Die Tag/Nacht-Station entlastet betreuende Angehörige mit Kurzaufenthalten. Die Sonnweid gilt als eine der weltweit führenden Institutionen für Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz. Die Lokalinfo hat mit Michael Schmieder, gesprochen.

Michael Schmieder, Demenz ist heute in aller Munde. Was versteht man darunter?

Das Wort «Demenz» bezeichnet verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Es geht immer mit Verlusten der kognitiven Leistungen einher. Es gibt verschiedene Demenzformen, die bekannteste Form ist Alzheimer.

Sie haben die beiden Homepages www. alzheimer.ch und www.ungekuenstelt.ch lanciert. Welchen Zweck verfolgen diese?

Die beiden www-Adressen verfolgen unterschiedliche Ziele. www.alzheimer.ch ist eine Informationsplattform zur ganzen Demenzthematik. Dabei steht im Vordergrund, eine breite Diskussion anzuregen, breit zu informieren und verschiedene Ansichten und Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Weiter sind dort selber produzierte Lehrfilme aufgeschaltet zu verschiedenen Problemstellungen und Lösungsansätzen. Diese Filme sind auch auf dem YouTube-Kanal einsehbar. Alzheimer.ch ist stark auf Facebook präsent und fördert so eine breite Diskussion. Die Website ungekünstelt.ch zeigt Kunst von Menschen mit Demenz. Dabei geht es darum, den oftmals hervorragenden Werken, aber auch den «Produkten», die durch ihre Verfremdung erst zu Kunst werden, eine Plattform zu geben. Die alten Ausstellungen bleiben auf der Website, und es kommen immer neue dazu. Die allererste Ausstellung zeigt Fotografien von Kieswegen, die ein Bewohner täglich mit dem Besen wischte und dadurch spezielle Kunstobjekte schuf, die er gar nicht als solche sah.

Sie haben auch ein Buch herausgegeben: «Dement aber nicht bescheuert». Warum ist Ihnen Demenz ein so grosses Anliegen?

Menschen, die in irgendeiner Form in einer Situation sind, die für sie Not bedeutet, haben mich beruflich immer mehr interessiert. Der Mensch ist in Not ehrlicher und oft klarer. In diesem Sinne war und ist ein Mensch mit einer demenziellen Erkrankung in einer Situation, in der er sehr stark davon abhängig ist, wie seine Umwelt ihn wahrnimmt, wie sie gestaltet ist und, vor allem, wie die Menschen um ihn mit ihm in Beziehung sind. Es geht immer darum, Beziehung anzubieten und Beziehung herzustellen. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Mit einer demenziellen Erkrankung kommt dies deutlich zum Vorschein, er lebt diese Gemeinschaft, und das kann zu Konflikten und Spannungen führen, zuhause wie im Pflegeheim.

Was bietet die Sonnweid dementen Menschen mehr als ein Pflegeheim?

Die Sonnweid hat sich seit dem Jahr 1986 auf die Betreuung von Menschen mit Demenz spezialisiert, hat einen grossen Erfahrungsschatz und differenzierte Konzepte entwickelt, damit Menschen in den unterschiedlichen Krankheitsphasen unterschiedliche Konzepte zur Verfügung haben. Architektonisch ist die Sonnweid ein ästhetisch gestalteter Ort, an dem dem grossen Bedürfnis nach Ästhetik Raum gegeben wird. Damit haben die Menschen weniger Stress, können in schöner Umgebung ihr eigenes Lebensmodell weiterleben. Dies führt auch zu Angehörigen, die in hohem Masse gerne zu Besuch kommen und beruhigt wieder gehen können, da sie wissen, dass Menschen betreuen und pflegen, die mit grossem Engagement ihre wichtige Arbeit tun. (Text und Interview: Pia Meier)


www.alzheimer.ch

www.ungekuenstelt.ch

 

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