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08.11.2017 - 12:30 Uhr

Gas und Öl mit Abwasser ersetzen


Ein 160-Millionen-Projekt hat das EWZ in Altstetten und Höngg gestartet. Allerdings muss darüber noch abgestimmt werden.

Im Zürcher Abwasser steckt viel Energie. Auf 200 Gigawattstunden wird das Abwärmepotenzial im Abwasser des Klärwerks Werdhölzli beziffert. Mit der Energie könnten rund 15 000 neuere Einfamilienhäuser ein Jahr lang geheizt werden.
Die Abwärme im Abwasser will das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) nun via Energieverbund in Altstetten und Höngg verteilen. Schon vor dem Start sorgte das Geschäft für Debatten im Gemeinderat und einen Stimmrechtsrekurs der AL gegen einen Stadtratsbeschluss. Der Rekurs war erfolgreich. Anfang Jahr setzte die linke Ratsseite – dank der Stimme des parteilosen Mario Babini – durch, den Energieverbund nicht via Tochtergesellschaft, sondern direkt vom EWZ betreiben zu lassen.

Die Suche nach Kunden für den Energieverbund Altstetten hat Anfang Oktober begonnen. In Höngg westlich der Kirche und in Altstetten nördlich des Bahnhofs stehen die Liegenschaften, die EWZ-Projektleiter Pascal Leumann als Erstes für einen Anschluss an das unterirdische Leitungsnetz gewinnen will.

Gasverträge ablösen

Das EWZ setzt bei der Vermarktung darauf, im Zielgebiet in Höngg und Altstetten bestehende Gaslieferverträge «koordiniert» abzulösen. Auch die Besitzer von Ölheizungen sollen überzeugt werden, ihre Heizung baldmöglichst durch einen Anschluss an den Energieverbund zu ersetzen. Einen Preisnachteil bestehe für die Kunden nicht, sagt das EWZ. Im Gegenteil. Eine Kilowattstunde aus dem Energieverbund wird für 6,2 Rappen angeboten – wobei der Anteil aus erneuerbaren Energien 75 Prozent beträgt –, eine Kilowattstunde Gas kostet aktuell 8,2 Rappen. Zusammen mit dem Grundpreis kostet eine Kilowattstunde aus dem Abwasser 13,5 Rappen. Extra zu bezahlen ist der Anschluss einer Liegenschaft ans Leitungsnetz, abgestuft nach Grösse der Heizung. Auf diese Anschlusskosten gewährt das EWZ bis Ende März 2018 einen Rabatt von 30 Prozent.

Der Anschlussrabatt ist eine Starthilfe, damit der Energieverbund überhaupt ins Leben gerufen werden kann. Denn gebaut wird der Wärmeverbund erst, wenn es dem EWZ gelingt, im Zielgebiet in Höngg und Altstetten so viele Kunden für die erste Etappe zu gewinnen, dass sich ein kostendeckender Betrieb berechnen lässt. Wie viele Verträge dafür unterzeichnet sein müssen, lasse sich nicht beziffern, sagt EWZ-Mediensprecherin Lena Harm. «Das hängt ab vom Verhältnis zwischen der verkauften Energieleistung und den Erschliessungskosten pro Kunde.» Je grösser die Liegenschaften sind und je kürzer die Leitungen zu diesen Liegenschaften, desto besser ist der Kostendeckungsgrad.

Entscheidung im nächsten Jahr

Der Endtermin für den Anschlussrabatt dürfte nicht ohne Grund im März 2018 liegen. Irgendwann im nächsten Jahr nämlich wird das EWZ entscheiden müssen, ob der Energieverbund zustande kommt oder nicht. Auf ein bestimmtes Datum festlegen wollen sich Harm und das EWZ nicht, doch sicher ist: Es wird 2018 oder 2019 eine Volksabstimmung entscheiden über die Investitionen für die erste Etappe des Wärmeverbundes.

Ein Ja zum ersten Teilkredit für den Energieverbund vorausgesetzt, wird anschliessend die sogenannte Energieauskoppelung im Klärwerk Werdhölzli gebaut, die Hauptleitungen für den Anschluss von Höngg und Altstetten sowie eine Energiezentrale. Die Weisung des Stadtrates sieht für diese Bauwerke insgesamt Investitionen von 70 Millionen Franken vor. Auch hier will sich EWZ noch nicht genauer festlegen. «Die genaue Höhe des Objektkredites für die erste Phase kann erst nach Abschluss von Projektierung und Akquisition beziffert werden», sagt Harm. Die ersten Liegenschaften will der Energieverbund im Herbst 2020 mit Wärme versorgen, eine weitere Etappe soll den Betrieb ein Jahr später aufnehmen.
Bei einem Nein des Volkes zum Kredit müsste das EWZ Investitionen von mindestens zwei Millionen Franken abschreiben, die für Vorarbeiten im Klärwerk Werdhölzli und die Projektierung bereits ausgegeben wurden. Insgesamt hat der Gemeinderat für das Projekt ein Kostendach von 5,6 Millionen Franken bewilligt.

Rendite von 9 Prozent angepeilt

Die Pläne des EWZ für den Energieverbund Altstetten sind ebenso gross, wie das Abwärmepotenzial im Werdhölzli, von dem bisher erst ein knappes Fünftel für den Energieverbund Schlieren genutzt wird. Insgesamt sehen die Planungen Investitionen von über 160 Millionen Franken vor, um Höngg und weite Teile Altstettens anzuschliessen – und das UBS-Rechenzentrum, dessen heisslaufende Computer ebenfalls als Kraftwerke genutzt werden sollen. Die UBS wird in dem Projekt als Schlüsselkundin bezeichnet. Die Bank könnte mit dem Anschluss an den Verbund ihren Anteil an verbrauchter erneuerbarer Energie von 50 auf 70 Prozent erhöhen.

Als Ziel für den Energieverbund definiert der Stadtrat eine Eigenkapitalrendite von 9 Prozent. «Diese Rendite ergibt sich mit der Verdichtung des Verbundes über die Zeit», sagt Mediensprecherin Harm. Ob die Verdichtung gelinge, ob also möglichst viele Kunden auf möglichst kleinem Gebiet die Abwasserenergie abkaufen, sei vorläufig nicht absehbar. (David Herter / Foto: Baudirektion Kt. ZH)

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