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08.11.2017 - 14:34 Uhr

Schildkrötenbaby aus dem Nest befreit


Auf einem Feld beim Meer hat das Team ganze Reihen an Schildkrötennestern abgesteckt. Foto: Sarah Koller

Während meines Volunteer-Einsatzes in Boa Vista lerne ich, mit Meeresschildkröten zu arbeiten – und den Schlafmangel auszutricksen.

Gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft ist es so weit: Zusammen mit dem Campleiter und zwei weiteren Volontären mache ich mich nachmittags auf den Weg in die Brutstation oder «Hatchery», wie sie im Camp genannt wird. Auf einem neben dem Meer gelegenen Feld hat das Team ganze Reihen an Schildkrötennestern abgesteckt. Dabei befindet sich neben jedem Nest ein Schild, auf dem steht, wie viele Eier sich darin befinden.
Zur Erklärung: Die Vorarbeit leisten während der Nacht jene Volunteers, die in der Hatchery stationiert sind. Sie beobachten die Nester und notieren sich alles. Am Folgetag werden die Nester untersucht und vollständig ausgegraben. Somit können auch Schildkrötenbabys, die es nachts nicht aus dem Nest geschafft haben, gerettet werden.

«We have a baby!»
Etwas unbeholfen schaue ich meiner Kollegin dabei zu, wie sie die Plastikhandschuhe überzieht und ein grosses Loch zu graben beginnt. Sieht ganz schön anstrengend aus, dazu noch diese Hitze. Im ersten Moment erkenne ich nicht viel. Doch dann, ganz allmählich, seh ich es: Die Eierschalenreste von den Neugeborenen, und da, ganz weit unten, ein strampelndes Schildkrötenbaby!
«We have a baby!», hebt es meine Kollegin stolz in die Höhe. Die Augen blinzeln und die Beinchen rudern wie wildgeworden hin und her. Jedoch, so atemberaubend der Anblick auch ist, schon im nächsten Augenblick folgt eine weniger schöne Arbeit: das Analysieren der nicht geschlüpften oder gar toten Babys. Dafür öffnet sie die noch vollen Eier, betrachtet diese eingehend und teilt sie in verschiedene Stadien ein. Wir machen uns ans Zählen der Schalen und vergleichen das Total mit der auf dem Schild stehenden Nummer. So können wir in etwa einschätzen, ob alles übereinstimmt. Danach kümmern wir uns um die restlichen Nester und entlassen die Kleinen in die Freiheit. Dafür setzen wir sie einige Schritte vom Meer entfernt aus und sehen ihnen dabei zu, wie sie, eine nach der anderen, den Wellen entgegenwatscheln und sich dann von ihnen wegtragen lassen.

Nachts beim Schildkrötenmami

Die Nachtschicht im Camp ist ganz schön hart. Das bekomme ich bei meiner ersten Patrouille von 21 bis 1 Uhr zu spüren. Denn während mein Körper längst auf Schlafmodus umgeschaltet hat, suchen die Schildkröten nun die Strände auf, um ihre Eier abzulegen. Zu zweit marschieren wir mit Rucksack und Stirnlampe den Strand hinunter. Es dauert nicht lange, bis wir die erste Spur entdecken. Weil das Tier offensichtlich bereits wieder im Meer verschwunden ist, können wir lediglich Eckdaten wie Uhrzeit, Koordinaten und Name des Strands notieren. Das zweite Notizbüchlein zücken wir eine Stunde später, als wir eine nistende Schildkrötendame entdecken.

Um sie nicht zu stören, legen wir uns in ihre Nähe. Ich bin erstaunt, wie gross die Tiere sind, zumal sie auf Fotos immer viel kleiner aussehen. Als die Eiablage zu Ende ist, fertigen wir erneut Notizen an, nehmen Mass sowie eine DNA-Probe. Um Punkt 1 Uhr erscheint schliesslich die Ab- und Erlösung: Feierabend. Eine weitere Dienstart stellt die Hatchery bei Nacht dar. Um die schlüpfenden Babys im Auge behalten zu können, verbringt man im Duo die gesamte Nacht im Zelt direkt neben dem Brutfeld. Weil mein Kollege und ich nichts verpassen wollen, einigen wir uns darauf, den Wecker stündlich neu zu stellen und uns währenddessen mit der Arbeit abzuwechseln. Zum Tätigkeitsfeld gehört, nebst dem Ablaufen des Feldes, das Anfertigen von Notizen, die am Folgetag verwendet werden.

Schlaf vorholen
In dieser Nacht herrscht nur wenig Betrieb. Weil man auf dem nackten Zeltboden nicht sonderlich gut und viel schläft, verbringe ich den gesamten nächsten Morgen, auf meiner heiss geliebten Matratze im Hauptzelt. Schlaf vorholen, so merke ich, ist hier besonders wichtig. Eine Feststellung, die auch in der nächsten Berichterstattung eine entscheidende Rolle spielen wird. (kos.)

Meeresschildkröten helfen: Teil 3
Nachdem die 22-jährige Sarah Koller aus Altstetten diesen Sommer erfolgreich ihre Lehre als Kauffrau abgeschlossen hatte, fasste sie spontan den Entschluss, auf die Kapverdischen Inseln zu reisen, wo die Turtle Foundation ein Schutz- und Hilfsprojekt für Meeresschildkröten unterhält. Von dort aus berichtet sie nun für drei Wochen und stellt das Projekt auf Boa Vista näher vor. Im dritten Teil der Kurzserie geht es vor allem um die nächtlichen Einsätze für die Meeresschildkröten.

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