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10.11.2017 - 10:35 Uhr

«Die kluge Närrin» – eine Komödie mit Wortwitz


Die Theaterwerkstatt des Freigymis spielt wieder auf: Szene aus dem Stück «Die kluge Närrin». Foto: zvg.

Nach einer langen und intensiven Probenphase ist es so weit: Am 10. November feiert das Ensemble rund um Theaterleiter Alfred Bosshardt Premiere von Lope de Vegas «Die kluge Närrin».

Mit Spannung erwartet, präsentiert die Theaterwerkstatt des Freien Gymnasiums Zürich ihr neuestes Projekt: «Die kluge Närrin» von Lope de Vega. Das Team von 45 Schülerinnen und Schülern, teils professionellen Theaterschaffenden und Fachleuten bringt das zwischen den beiden literarischen Epochen Renaissance und Barock um 1613 entstandene spanische Lustspiel auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Närrische Tochter
Der junge Held Liseo ist auf dem Weg nach Madrid. Dort erwarten ihn seine Braut Finea und deren ebenso attraktiven und umworbenen Schwestern Nisa und Sinefa – alles unter der Obhut ihres Bruders Octavio. Obendrein winkt eine sagenhafte Mitgift. Was soll da noch schiefgehen? Doch – warum in aller Welt ist nur Finea mit solch einer Mitgift ausgestattet und ihre Schwestern nicht? Ob da etwas faul ist? Bald nach der Ankunft fällt es Liseo wie Schuppen von den Augen: Finea legt auffällige Verhaltensweisen an den Tag, ist begriffsstutzig und scheint überhaupt geistig minderbemittelt zu sein. So wurde ihre Mitgift vergoldet. Doch trotz der lukrativen Perspektive scheint das Unternehmen um ein Haar zu scheitern. Laurencio, ein weiterer Günstling der Schwestern, gelingt es, Liebe und Begierde in der einfältigen Finea zu wecken, worauf ihre geistigen Fähigkeiten wachgeküsst werden.
Die nähere Beleuchtung der historischen Hintergründe bringt aufschlussreiche Hinweise: Im Jahre 1562 geboren, wuchs Lope de Vega im streng katholisch geprägten Spanien der Gegenreformation auf. Jesuiten, bei denen de Vega seinen ersten Unterricht genoss, predigten strikte Moral. Dessen ungeachtet führte Lope de Vega ein ausgelassenes, amouröses und sinnenfrohes Leben: Neben seinen drei Ehen pflegte er noch unzählige weitere Frauenbeziehungen. Und das tat er wahrscheinlich frei von moralischen Gewissensbissen: de Vega wandte sich wohl nicht ohne Eigennutz der sogenannten Franziskanischen Mystik zu. Eine Auffassung, die zu dieser Zeit durch den Orden der Franziskanermönche verbreitet wurde. Diese rechtfertigte sein Tun und muss ihm daher sehr willkommen gewesen sein, um den Genuss des Lebens mit dem christlichen Glauben zu vereinen. Ein Jahr nach Veröffentlichung und der Uraufführung der «klugen Närrin» erhielt de Vega die Priesterweihe des Franziskanerordens.

Franziskanische Mystik
Die franziskanische Mystik stellte die Forderung nach der bedingungslosen Liebe für alles Irdische und war eine Reaktion auf die jesuitische gegenreformatorische Gesellschaftsmoral. Mit dem Mittel des Theaters konnte de Vega nun dieser Ideologie, der er persönlich so viel verdankte, nicht nur ein Kränzchen winden, sondern auch geschickt in einer grösseren Öffentlichkeit für sie werben, ohne die Hintergründe anzusprechen.
Freilich stellte die praktische Auslegung dieser religiösen Geisteshaltung im orthodoxen Spanien des 16. Jahrhunderts eine Zumutung für die gängigen christlichen Moralvorstellungen dar und beinhaltete gehörige Sprengkraft in Bezug auf das traditionelle Gottesbild: Was, wenn wir vor dem jüngsten Gericht nicht auf ein sittsames Leben hin geprüft, sondern danach befragt würden, inwieweit wir den göttlichen Gaben des Genusses und der Liebe auch wirklich gefrönt haben? Die grosse Herausforderung, Lope de Vega zu spielen, liegt in der Deutung seiner Texte. Um de Vega spielen zu können, muss seine Art zu schreiben zunächst einmal verstanden werden. Charakteristisch für das Stück «Die kluge Närrin» ist, dass der Text nie genau das sagt, was er aussagen will. Die Personen sagen meistens nicht, was sie wollen, und betrügen sich gegenseitig. Bei den Proben für das Stück nähern sich die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler zunächst dem Text an. «Das Einswerden mit der gespielten Figur ist ein langer Prozess, der mit viel Arbeit, Frust und Erkenntnissen einhergeht. Ist der Groschen einmal gefallen, werfen sich die Darsteller meist mit sichtlicher Leidenschaft auf die jeweilige Rolle – in diesem Fall werden die einzelnen Figuren mit grosser Komik erfüllt.» So Alfred Bosshard, Leiter der Theaterwerkstatt. «Für die Jugendlichen ist es ein gewaltiger Lernprozess, wenn sie sich auf eine solch intensive Art mit gewichtiger Literatur auseinandersetzen und sie auf diesem Weg wahrhaftig erleben. Im Ergebnis ist der Spass am Spiel in jeder Sekunde spürbar.»
Unterstützung in Tanz und Choreografie erfährt das Team durch die international versierte Flamencokünstlerin Giovanna Dominguez. Musik, Rhythmus und Tanzeinlagen versetzen den Zuschauer leicht an den Spielort Spanien; ebenso überzeugen die professionelle Bühnengestaltung, Maske und Kostüme sowie die Lichtund Toneffekte. (Sabine Engel-Wortmann)

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