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08.01.2018 - 10:00 Uhr

Kostbares und Kurioses aus alten Zürcher Häusern

Im Zentrum der Ausstellung im Alterthümer-Magazin steht das Thema Türen, mit allem drum und dran. (Fotos: Lisa Maire)Dazu gehören auch Türrosetten aus mehreren Jahrhunderten...... oder zum Beispiel Türfallen.Besonderes Juwel: eine schweizweit einmalige Tapetensammlung mit über 1400 restaurierte Tapetenmotiven, ...... sogar in alten Tapetenmuster-Büchern samt Preislisten darf man blättern.Ziehen sofort alle Blicke auf sich: Toiletten vom englischen Jugendstil bis zum Klassiker aus den 50er-Jahren.Ein Katzengedicht zur Hygiene: Sogar das Klopapier stammt aus vergangenen Tagen.Eines der Intérieurs hinter den Türen: Bistrotisch aus dem Metropol.Dieser Thermaherd aus den 20er-Jahren stand einst in der unlängst renovierten Villa Streiff in Küsnacht.Nostalgie im Bauteillager in Stettbach: Der Schriftzug gehörte einst zum Café Caravelle an der Stauffacherstrasse 147, die Omega-Faltblatt-Tafel zum abgebauten Gleis 17 am HB.Hunderte alter Türen, nach Alter geordnet, warten im Bauteillager auf ein neues Leben – genau wie die Klappsessel aus dem Bezirksgericht Winterthur.Die Recycling-Chancen dieses riesigen Blasebalgs aus einer Schmiede dürften eher bescheiden sein.Ausgemusterte Löwen sind bei der Zürcher Denkmalpflege keine Mangelware...Im Denkmaldepot der Stadt Zürich ist eine skurrile Skulpturen-Gesellschaft versammelt.  «Amputierte» Glieder ...... oder auch fehlende Köpfe gehören in diesem Keller  zum Alltag.Hans Waldmann ungewohnt «verschupft»: Die Originalskulptur des Zürcher Heerführers und Staatsmanns lagert getrennt ...... von seinem Schlachtross, von dem nur die Hufe unter dem Leintuch zu erspähen sind.

Was manche nicht wissen: Im Alterthümer-Magazin in der Selnau kann man bei öffentlichen Führungen in die Welt vergangener Bau- und Wohnkultur eintauchen. Die Zürcher Denkmalpflege zeigt hier ihre besonderen Schätze.

Schon im Durchgang zu den Ausstellungsräumen gehts los: Teile von mehreren hundert Jahren alten Decken- und Wandmalereien hängen hier. Besonders beeindruckend: ein herausgelöstes, 1968 restauriertes und auf Kunstharz aufgezogenes Wandgemälde aus dem 14. Jahrhundert. Es stamme aus dem Haus Glockengasse 2 und sei bei Renovierungsarbeiten hinter altem Wandtäfer zum Vorschein gekommen, erzählt Denkmalpflegerin Sandrine Keck bei einer Führung.

Schätze aus dem Bauteillager

Was sich dem Blick beim Eintritt in die Magazinräume auftut, hat museale Qualitäten. Schön und sorgfältig, zum Teil auch witzig zusammengestellt, zum Anfassen und in Vitrinen, wird hier eine grosse Vielfalt an Zeugnissen früherer Zürcher Bau- und Wohnkultur präsentiert – sei es die bürgerliche oder bäuerliche. Auch Aussortiertes aus Kirchen gehört dazu.

Ein offizielles Museum ist das 2011 eröffnete, von der städtischen Denkmalpflege finanzierte Alterthümer-Magazin trotzdem nicht, sondern eine Studiensammlung. Die gezeigten Objekte stammen alle aus dem Bauteillager der kantonalen und städtischen Denkmalpflege. Dort, in einer riesigen, mit verschiebbaren Regalen bestückten Halle beim Bahnhof Stettbach lagern insgesamt rund 18 000 denkmalpflegerisch wertvolle Sammelstücke. Neben Bauteilen wie Fenstern, Türen, Böden, Kachelöfen, die bei Abbrüchen oder Renovierungen geborgen wurden, gehören zahllose Einrichtungsgegenstände, vom Kronleuchter über den Holzherd bis zur feuerbeheizten Schulthess-Waschmaschine, zum Bestand. Auch auf Kinosessel (inklusive festklebende Kaugummis), einen riesigen Blasebalg aus einer Schmiede, eine Swisscom-Telefonkabine oder die Omega-Faltblatttafel vom abgebauten Gleis 17 im HB trifft man hier.

Gesammelt wird mit dem Ziel Recycling. Denn was im einen Haus seine Funktion verloren habe, finde vielleicht in einem anderen neue Verwendung, hofft man bei der Denkmalpflege. Nicht vergeblich. Besitzer von denkmalgeschützten Häusern würden hier immer wieder fündig, weiss Keck. Gut laufen ihr zufolge vor allem Türbeschläge, Leuchten, bäuerliche Kachelöfen, Holzherde oder Biberschwanzziegel. Die Objekte sind zu moderaten Preisen, manchmal sogar gratis zu haben. Keck: «Wir fördern, wo wir nur können, wenn es in unserem Sinn ist». Das Bauteillager ist für die breite Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wer sich für die denkmalpflegerische Sammeltätigkeit interessiert, kann jedoch im Alterthümer-Magazin ebenso spannende Einblicke gewinnen. In geführten Ausstellungen kommen hier besonders schöne, seltene oder kuriose Objekte zu Ehren.

Aussen reformiert, innen katholisch

Im Zentrum steht zurzeit das Thema Tür mit allem Drum und Dran – Fallen, Knäufen, Rosetten, Schlössern, Schlüsseln. Türen seien das häufigste Sammelgut, erzählt Denkmalpflegerin Keck. Man habe etwa 550 Exemplare davon. Besonderer Clou an der Ausstellung: Die Türen sind an Holzkabinen montiert, in denen sich verschiedenste historische Interieurs verbergen: vom Art-Déco-Tischchen aus dem Haus Metropol über die «Häfelilocke» aus dem Kongresshaus bis zur vermeintlichen Kanonenkugel aus der Fassade der Villa Tobler, die sich als 5-kg-Stosskugel für Frauen entpuppte. Besonders neckisch: Öffnet man die Tür aus dem reformierten Pfarrhaus Horgen, kommt dahinter eine Moses-Statue aus der katholischen Kirche Adliswil zum Vorschein.

Insgesamt umfasst die Ausstellung 77-Objekt-Posten. Als besonderes Juwel kommt dazu eine schweizweit einmalige Tapetensammlung: Über 1400 restaurierte Tapetenmotive können an den Wänden und in Schubladen begutachtet werden. Sogar in alten Musterbüchern samt Preislisten darf man blättern. Unbedingt gesehen haben muss man aber natürlich auch die schicke Hängeleuchte aus dem Schulhaus Kappeli oder den prächtigen Hirschgeweih-Kronleuchter aus dem 1968 abgebrannten Hotel Metzgerbräu …

Alterthümer-Magazin, Sihlamtstrasse 4, 8002 Zürich. Führungen jeden 1. Mittwoch im Monat, 18.30 Uhr, und jeden 1. Samstag im Monat, 14 Uhr. Weitere Informationen: www.denkmalpflege.zh.ch

Hort der Vergessenheit

Ein weiterer Teil der von Zürichs kulturhistorischer Vergangenheit lagert – nur sehr beschränkt öffentlich zugänglich – im städtischen Denkmaldepot an der Duttweilerstrasse. Ob Löwenkopf vom Amtshaus, Hermes vom Bürkliplatz, der berühmte Hans Waldmann oder der «Turner» vom Arboretum: Hier ruhen zahlreiche Denkmal-Originale. Die einen sind durch Umwelteinflüsse geschädigt, die anderen durch stürzende Bäume oder Vandalen, die dritten galten sonstwie als nicht mehr ausstellungswürdig.

Auch Original-Gipsabgüsse – etwa der 1987 gesprengten Statue auf dem Jupiterbrunnen am Neumarkt – finden sich hier. Alle zusammen bilden die Figuren eine Gemeinschaft, die etwas gespenstisch wirkt. Der Eindruck der Besucherin mag daher rühren, dass etliche von ihnen «entgliedert» oder «enthauptet» sind. Wobei die amputierten Körperteile nicht etwa verloren gingen. Sie ruhen vielmehr, fein säuberlich etikettiert und gestapelt, in einer grossen Kiste. (mai.)

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