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01.02.2018 - 09:20 Uhr

Werden die Letzten die Ersten sein?


Wer die Letztplatzierten auf den Wahllisten für den Gemeinderat studiert, stösst auf prominente Namen, oder zumindest auf originelle Menschen. Eine Spurensuche.

Eines muss man den auf den letzten Listenplätzen stehenden Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten lassen: Alle angefragten Personen haben rasch und zuverlässig reagiert. Also keine Spur von Lückenbüssern, Pseudokandidaten oder fatalistischen Zeitgenossen mit Bammel vor dem letzten Platz, dem Schlusslicht, der roten Laterne.

Mit dem Wahlmobil unterwegs
So ist der ehemalige Spitzendiplomat und FDP-Gemeinderatskandidat des Wahlkreises 7/8 durchaus von seinen Chancen überzeugt. Max Schweizer: «Es war mein Wunschplatz, ich bin ja ‹lokaler Anfänger›.» Als Diplomat wechsle man alle drei bis vier Jahre das Land und die Dossiers – und arbeite sich «als Lehrling» wieder ein. Und: «Ich wollte also auf keinen Fall jemandem den Platz streitig machen. Vom hintersten Platz aus etwas für den Wahlkampf der heutigen FDP zu tun, das ist mein zentrales Anliegen», so Schweizer (68). Dank seines ganz persönlichen Wahlkampfs inklusive Piaggo-Car (siehe Foto) scheint ihm das durchaus zu gelingen. Was würde er denn ändern, wenn er gewählt würde? «Die Ausgaben senken und den Steuerfuss entsprechend nach unten anpassen. Eine Firmengründung in Zürich müsste sich doch lohnen, ohne dass sich der Umzug in eine steuergünstige Seegemeinde bald imperativ aufdrängt», so der «Jung-Politiker».

«Wegen Nationalrat schwierig»
Ebenfalls ein ziemlich prominenter Kandidat ist Bastien Girod. Der Nationalrat steht auf der Wahlliste der Grünen im Kreis 3 – an letzter Stelle. Seine Motivation: «Grüne Anliegen in der Stadt Zürich sind sehr wichtig. Gerade im Gemeinderat wird es aber sehr knapp für diese Anliegen, deshalb habe ich mich für diese Unterstützung entschieden.» Und wie sieht sein persönlicher Wahlkampf aus? «Ich habe ein paar Videos gedreht, bei denen wir auf grüne Quartieranliegen im Quartier hinweisen.» Sein Fazit: «Die Videos sind der Brüller und werden viral abgehen wie die Post.» Und jetzt mal ehrlich, Herr Girod, hätten Sie überhaupt Zeit für das Amt? «Klar, doch. Für Zürich habe ich immer Zeit. Einfach während den Nationalratssessionen wäre es schwierig», so Girod mit einem Schmunzeln. Er nehme eh nicht an, dass er gewählt werde.

Aus einer eigentlichen Politikerdynastie stammt Andrea von Planta (SVP). Einer seiner Söhne, Gian, hat 2013 den damaligen Neubau des Fussballstadions Hardturm an der Urne fast im Alleingang zu Fall gebracht. Vater Andrea von Planta will nochmals zurück in die Politik, der ehemalige Kantonsrat kandidiert im Wahlkreis 4+5. Er wohnt an der Hardturmstrasse. Seine Motivation, auf dem letzten Listenplatz zu kandidieren, ist pragmatisch: «Meine früheren Aktivitäten als Präsident der SVP-Kreispartei 4/5 und als Kantonsrat bringen hoffentlich ein paar Zusatzstimmen für die SVP.» Gesetzt der Fall, er würde doch gewählt? «Wir sollten keine unnötigen und kostspieligen Experimente in der Stromversorgung vornehmen, und unsere Stadt braucht ein adäquates Kongresszentrum», so der ehemalige CEO und Unternehmensberater. Zeit für die Ratsarbeit hätte von Planta übrigens genug, er ist mit 77 Jahren längst pensioniert.

Zeit? Nein!
Für die AL (Alternative Liste) in den Gemeinderat zurück will Catherine Rutherfoord. Warum zurück? Sie politisierte schon einmal im Gemeinderat, von 2010 bis 2012. Hätte sie denn Zeit für einen neuerlichen Einsitz? «Nein», sagt die Architektin mit Wohnsitz in Seebach ganz offen. «Zurzeit konzentriere ich mich auf meinen Beruf und nehme mir Zeit für meine bald 90-jährige Mutter.» Die Kinder seien erwachsen, die «Brutpflege» zum Glück, respektive leider abgeschlossen. Zudem gehe sie mit ihrem Partner hie und da wandern und tanzen. Dann löst der Bibelspruch «Die Letzten werden die Ersten sein» bei ihr nicht nur Gutes aus? «Um Himmels willen! Ich hoffe, dass die Bibel diesmal nicht recht hat», bibbert Rutherfoord. Wenn sie dann doch gewählt würde, würde sie sich für Badis mit Gratiseintritt einsetzen und dass diese auch im Winter zugänglich sind.
Franziska «Fränzi» Rota ist als Hundecoach tätig und hat eine Hundeschule in Langnau am Albis. Sie wohnt schon seit über 30 Jahren in Zürich-Enge und engagiert sich seit Jahren im Veloclub «Züri 2». Sie kandidierte 2006 erfolglos für das Amt einer Friedensrichterin. Mit ihrer Kandidatur auf der Gemeinderatsliste der CVP des Wahlkreises 1+2 will sie in erster Linie ihrer Partei helfen. Dabei sei der letzte Platz kein Problem: «Es ist Bürgerpflicht», so Rota. Wenn sie gewählt würde, hätte sie viele Änderungsvorschläge für Zürich: «Als Erstes würde ich die lästige, unnötige und lärmige Sihlhochstrasse verschwinden lassen.» Und hätte die viel beschäftigte Geschäftsführerin überhaupt Zeit für das Legislativamt? «Klar, sonst hätte ich mich nicht aufstellen lassen.»

Schon Höheres im Sinn als den Gemeinderat hatte Samuel Dubno. Dort sass er von 2010 bis 2015. Vor vier Jahren kandidierte er mit gewissen Ambitionen für den Stadtrat. Mit 21 896 Stimmen schaffte er den Sprung aber klar nicht. Und nun also die Rückkehr ins Rathaus? Dubno winkt eher ab. «Ich will der GLP helfen, ihre Vertretung im Gemeinde- und Stadtrat zu erhöhen», so der 51-Jährige. Dazu will er an diversen Standaktionen der Kreispartei Flyer und Wahlunterlagen verteilen. Sein Urteil über die jetzige politische Situation ist eher milde: «Im grossen Ganzen geht es uns gut. Radikale Änderungen sind nicht notwendig. Der ‹Züri-Finish› könnte reduziert und die Kultur innovativer gestalten werden.» Und der Bibelspruch «Die Letzten werden die Ersten sein»? Dubno gibt sich versöhnlich: «Ich bin eher alttestamentarischen Bibelsprüchen verpflichtet, zum Beispiel dem 2. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 18: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.»

Ein ideales Schlusswort kurz vor den Wahlen. (ls.)

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