Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich

09.02.2018 - 13:25 Uhr

Kunsthaus: Monet braucht mehr Money


Der Neubau (links) des Stararchitekten David Chipperfield soll dem Kunsthaus weltweit mehr Beachtung bringen. Die durch die Verdoppelung der Grundfläche steigenden Kosten sollen mit höheren Besucherzahlen und 25 Prozent mehr Mitgliedern wettgemacht werden. (Foto: Lorenz Steinmann)

Das Kunstmuseum Basel ist wegen seines grossen Erweiterungsbaus in grosser finanzieller Schieflage. Droht in Zürich nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus ein ähnliches Desaster? Das Kunsthaus verneint.

Das Kunstmuseum Basel hat sich mit seinem 2016 eröffneten neuen Hauptbau arg verrechnet. Es fehlen jährlich rund zweieinhalb Millionen Franken für Betrieb und Personal, wie etwa die «NZZ» im Herbst schrieb. Höhepunkt des Trauerspiels ist aktuell laut SRF die Schliessung des Museumskiosks für eine Woche, weil das Personal fehlte. Dabei war der Neubau des Architekturbüros Christ & Gantenbein von der Weltpresse hochgejubelt worden. Droht in Zürich dasselbe Desaster? Immerhin wird auch hier die Museumsfläche fast verdoppelt, dank einem Neubau des Stararchitekten David Chipperfield. Dazu kommt der alarmierende Rückgang der Eintritte im 2017 um 90 000 Personen auf nur 230 000.
Kunsthaus-Mediensprecher Björn Quellenberg bestätigt, dass der Betrieb mit einem Minus von rund 300 000 Franken fürs vergangene Jahr abschliessen werde. Beim Neubau oberhalb des Heimplatzes geht es um ganz andere Summen. Die geplanten Kosten der Grossbaustelle betragen rund 200 Millionen Franken. Die Hälfte davon trägt die öffentliche Hand, die Stadt Zürich bezahlt allein 88 Millionen Franken.

Architektur als Magnet
Wie in Basel rechnen auch die Verantwortlichen des Kunsthauses damit, «dass das Gebäude selbst der schönste, lang ersehnte Besuchermagnet sein wird». Nur: Wer das neue Gebäude einmal gesehen hat, kommt zumindest wegen der Architektur kein zweites Mal. Dann muss das Kunsthaus mit Inhalten überzeugen. Dies ist die übereinstimmende Meinung von vielen Museumsfachleuten. Nicht für den Neubau spricht, dass die grossen, publikumswirksamen Wechsellausstellungen weiterhin im «alten» Teil des Kunsthauses, im Bührle-Saal, stattfinden werden. Im Erweiterungsbau, der im Winter 2020 eröffnet werden soll, werden primär die Sammlung E. G. Bührle sowie französische Malerei (etwa Claude Monet) und Impressionismus gezeigt. Daneben bleibt lediglich Platz für mittelgrosse Wechselausstellungen. Mediensprecher Björn Quellenberg ist trotzdem überzeugt, dass die Rechnung aufgehen wird. «Wir prognostizieren einen Anstieg der Besucher um rund 30 Prozent auf bis 400 000 Besucher.»
Weiter sei geplant, die Einnahmen aus Sponsoring von heute 2 Millionen auf dann 4 Millionen zu verdoppeln. Und: Man wolle 5000 neue Mitglieder für den Trägerverein des Kunsthauses («Zürcher Kunstgesellschaft») gewinnen. Dies bedeutet immerhin 25 Prozent Wachstum. Quellenberg ist optimistisch: «Erreichen wir diese Zahlen, geht die Kalkulation auf.» Und weiter: «Das Ziel, auch nach 2020 mehr als die Hälfte unserer Ausgaben durch eigene Einnahmen zu bestreiten, ist erreichbar.» Sprich, die Hälfte der nötigen Einnahmen wäre dank diesem durchaus ambitionierten Plan gestemmt.
Aber wie kommt die andere Hälfte der Einnahmen zusammen? Das Zauberwort heisst «Subventionen». Quellenberg erklärt, dass «dank transparenter Ein- und Ausgabenplanung mit der Volksabstimmung über den Kredit zum Erweiterungsbau auch eine sukzessive Subventionserhöhung beschlossen wurde». Sprich: Die städtischen Subventionen für die erhöhten Betriebskosten werden mit der Eröffnung des Chipperfield-Baus um 4,5 Millionen auf neu 12,7 Millionen Franken angehoben. Für die Instandhaltung zahlt die Stadt Zürich zu den bisherigen 1,88 Millionen maximal jährlich 3 Millionen Franken zusätzlich.
Trotzdem bleiben Fragen. Bedeutet die Kunsthaus-Erweiterung mit fast verdoppelter Fläche auch die Verdoppelung bei der Anzahl des Aufsichtspersonals und deren Kosten? Quellenberg relativiert: «Die Kosten steigen deutlich unterproportional zur Fläche.» Den Berechnungen zufolge würden steigende Besucherzahlen, Einnahmen aus Vermietungen des Bankettsaals, höhere Sponsoringerträge, steigende Umsätze im Shop und mehr Mitgliederbeiträge die Mehrkosten kompensieren, rechnen die Kunsthausverantwortlichen vor.

Musealer Internetauftritt
Während der Erweiterungsbau ab 2020 Besucherinnen und Besucher mit moderner Architektur anlocken soll, wirkt die Website äusserst museal. Hinzu kommt, dass man Tickets nur an der Kasse und nicht online kaufen kann. Was in internationalen Museumsstädten längst Realität ist – das Ticket daheim ausdrucken oder auf das Handy laden – ist hier nicht möglich. Andere Zürcher Museen machen es vor: Im Museum Rietberg oder im Landesmuseum kann man die Eintrittskarte im Internet kaufen. Quellenberg wehrt sich: «Ab dem Sommer wird der Vorverkauf auch online möglich sein – und eine viersprachige Website, die für Desktop, Tablet und Smartphone ausgelegt ist, geht an den Start.»
Ein künftiger Pluspunkt stellt die Sicherheit dar. Das gesamte Ensemble bildet ab 2020 eine einheitliche Sicherheitsarchitektur. Damit sei es möglich, dass Leihgeber vermehrt ihre wertvollsten Stücke dem Kunsthaus anvertrauen, so Quellenberg. (ls./pw.)

*******************************

Museumspass weiterhin ungültig

Obwohl allein die Stadt Zürich 88 Millionen Franken an den Erweiterungsbau zahlt, bleibt das Kunsthaus standfest. Mit dem in den meisten Museen gültigen Museumspass kann man weiterhin nicht ins Kunsthaus. Dies könnte den Trägerverein mit seinen 20 000 Mitgliedern zu sehr konkurrenzieren. Viele bisherige Mitglieder würden sonst aus finanziellen Erwägungen ihre Mitgliedschaft kündigen, so das Kunsthaus. Um die Einnahmen zu steigern, plane man ab 2020 mit 5000 neuen Mitgliedern. (ls.)

 

< Gut unterwegs, aber noch nicht über den Berg

Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 24. Mai 2018
Zürich 2 vom 24. Mai 2018
Zürich Nord vom 24. Mai 2018
Zürich West vom 24. Mai 2018
Küsnachter vom 24. Mai 2018
Küsnachter Amtlich vom 24. Mai 2018

Sonderzeitungen

Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger