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09.02.2018 - 12:23 Uhr

Gut unterwegs, aber noch nicht über den Berg


Das Pilotprojekt «Tagesschule 2025» verläuft erfolgreich: Diese Bilanz zogen CVP-Stadtrat Gerhard Lauber und weitere Projektbeteiligte an einer Infoveranstaltung der SP3.

Seit dem Schuljahr 2016/17 setzen sechs Stadtzürcher Schulen das Modell «Tagesschule 2025» um. Zu diesen Pilotschulen gehört auch die Schule Aegerten in Wiedikon. Auf Einladung der SP3 informierten hier letzte Woche Schulvorsteher, Stadtrat Gerhard Lauber (CVP), SP-Kantonsrätin Jacqueline Peter und SP-Gemeinderat Duri Beer über den Stand des Projekts, das aufgrund eines SP-Vorstosses von 2012 lanciert wurde und nun vor einem Ausbau steht: Voraussichtlich Anfang März befindet der Gemeinderat über eine Kreditvorlage von 67,7 Millionen Franken für die Projektphase II, welche die Einbindung weiterer 24 Schulen umfasst. Am 10. Juni wird sich dann die Zürcher Stimmbevölkerung an der Urne dazu äussern.

Chancengleichheit von Kindern unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft, Sprache, Religion und Geschlecht, so heisst das oberste Ziel der Tagesschule. «Alle Kinder werden in irgendeiner Form gefördert», sagte Jacqueline Peter zum Projekt, das zurzeit auch in der Bildungskommission des Kantonsrats diskutiert wird – zwecks Anpassung des Volksschulgesetzes. Neben viel Zustimmung gebe es in der Stadt und im Kanton aber auch Kritik. Die Tagesschule, diese «Schule à la DDR», mache die Familien kaputt und sei viel zu teuer, heisse es von SVP-Seite her.

Nur 10 Prozent Abmeldungen

Neben der Chancengleichheit wolle die Tagesschule vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern und die Wirtschaftlichkeit verbessern, erläuterte Stadtrat Gerhard Lauber. Zu den Kernelementen zählt dabei eine je nach Alter abgestufte Gebundenheit, wobei die Mittagspause (um 30 Minuten) auf 80 Minuten verkürzt wurde. Für die zeitlich gestaffelten warmen Mahlzeiten wird ein Einheitspreis von 6 Franken verlangt, wobei im Sonderfall auch tiefere Beiträge möglich sind. Über den Tarif, so Lauber, sei bei der Vorbereitung der Vorlage lange diskutiert worden. Etliche erachten ihn als zu tief. «Wir wollen aber nicht, dass Eltern, die beide arbeiten, ihren Zusatzverdienst gleich wieder an die Schule verlieren.»

Lediglich rund 10 Prozent der Kinder wurden an den sechs Pilotschulen vom Tagesschulbetrieb abgemeldet, vor allem im Zusammenhang mit besonderen Esskulturen oder auch um familiäre Bindungen – zum Beispiel das Mittagessen bei den Grosseltern – beibehalten zu können. Die Bilanz zeigt gemäss Lauber: «Wir decken ein Bedürfnis der meisten Eltern ab.» Laut Befragungen schätzen sie vor allem die höhere Planungssicherheit. Den Kindern gefällt besonders, dass sie sich nun am Mittag auch mit Gspänli ausserhalb der eigenen Klasse austauschen können. Ebenso positiv klingt es von Seite der Lehrpersonen: «Sie essen ebenfalls am Mittagstisch, das ermöglicht ihnen einen anderen, neuen Zugang zu den Kindern», sagte Romy Müller, Schulleiterin Schule Aegerten. Die Bereitschaft, die Tagesschule mitzutragen, scheint an Stadtzürcher Schulen gross: Für die Projektphase II sei man fast überschwemmt worden mit Anfragen von Schulteams, so Lauber. Einige Bewerbungen mussten aus baulichen Gründen – Mangel an geeigneten Räumlichkeiten – zurückgestellt werden.

Keine Ausgrenzung von Kindern, die nicht teilnehmen

Die Kinder sind gut betreut, bekommen gesundes Essen, können Hausaufgaben machen und haben so zu Hause mehr Freizeit, auch werden selbstständiges Lernen und soziale Kompetenzen gefördert: In der bisherigen Diskussion der Tagesschule überwiegen die Pluspunkte. Als Kritik wurde etwa der erhöhte Lärmpegel in der Mittagspause vorgebracht. An der Schule Aegerten sei Lärm aber kein Thema, sagte Müller. Ebenso wenig wie die Befürchtung, die auf 80 Minuten verkürzte Mittagspause könnte vor allem die kleineren Kinder zu sehr stressen. Im Aegerten-Schulhaus verbringen die Kindergärtler den Mittag in Räumen abseits des grossen Trubels. Für die Kleinsten gebe es auch Möglichkeiten, sich hinzulegen.
Und wie sieht es aus mit den 10 Prozent Kindern, die von den Eltern vom Tagesschulbetrieb abgemeldet wurden? Laufen sie nicht Gefahr, ausgegrenzt zu werden? Von den Projektbeteiligten hat bisher niemand eine solche Rückmeldung erhalten. (Lisa Maire, Text und Foto)

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