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22.02.2018 - 12:01 Uhr

Flugzeuge verursachen zehnmal mehr Feinstaub als Autos


100'000'000'000'000'000'000'000'000 Nanopartikel stossen die 25'000 Flugzeuge weltweit und jährlich aus. Aus Autos und Schiffen sind es zusammen fünfmal weniger. Foto: Roger Suter

Neben dem beim Verbrennen unvermeidlichen CO2 drehte sich die Abgasdiskussion in den letzten Jahren vor allem um Feinstaub aus (manipulierten) Dieselmotoren. An einer Nanopartikel-Konferenz der ETH Zürich im Juni vergangenen Jahres wurden Zahlen präsentiert, wieviel Ultrafeinstaub insgesamt aus unserem Verkehrsverhalten resultiert.

Die Zahlen aus Beiträgen der Konferenz zeigen nun, dass Flugzeugtriebwerke die grösste Quelle von Ultrafeinstaub sind: Rechnet man aus Daten der Konferenzbeiträge die Partikelemission der circa 25 000 Verkehrsflugzeuge hoch, so ergibt sich ein Total von 1026 Nanopartikeln pro Jahr – das ist eine 1 mit 26 Nullen dahinter.

Für die weltweit 500 Millionen Fahrzeuge – Diesel- und die viel zahlreicheren, ähnlich schädlichen Ottomotoren zusammengenommen – ergab die Hochrechnung 1025 Partikel, also zehnmal weniger.

Nicht viel besser steht die Schifffahrt da: Ihre bekanntermassen dreckigen Zweitakt- und Viertaktmotoren, die mit giftigem (aber billigem) Schweröl betrieben werden, stossen noch einmal 1025 Partikel im Jahr aus. Die Russablagerungen auf der Nordpolarkappe, die dadurch schneller schmilz, stammten vor allem von Schiffen, heisst es im Bericht des Vereins zur Durchführung der ETH-Nanopartikel-Konferenz.

Der Verein resümiert, dass allein die Fahrzeugemissionen etwa 4 Millionen vorzeitiger Tote verursachten (also etwa 10'000 täglich) – eine Zahl, von der die OECD annimmt, dass sie sich absehbar verdoppeln wird. Und Todesfälle seien nur die Spitze des Eisbergs, denn die Wissenschaft berichte über vielfältige Erkrankungen und Missbildungen, insbesondere bei Kindern.

Flughafenanwohner alarmiert

Die Meldung über das Ausmass der Partikel hat nun die Stiftung gegen Fluglärm aufgeschreckt: Messungen in Amerika hätten nämlich ergeben, dass in der nach Süden abdriftenden Abluft des Flughafens von Los Angeles die Belastung durch Flugzeuge höher sei als durch die drei grossen Highways, die man bisher neben dem Riesenhafen Long Beach als Hauptverursacher betrachtet hatte.

Erhöhte Werte von Ultrafeinstaub wurden mit umfangreichen Messprogrammen noch im Umkreis von 18 Kilometern um den Flughafen gemessen – auch in Innenräumen.

Am grössten ist die Belastung für die Menschen in den Anflugschneisen. Die Partikel, welche der Flugverkehr produziert, werden mehrheitlich unterhalb einer Flughöhe von 900 m ü. M. ausgestossen.

«Als bedeutende Ultrafeinstaubquellen sollten Umweltexperten Flugzeugtriebwerke eigentlich längst auf dem Radar haben», wundert sich Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, über die mangelnde politische Aktivität, die aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen resultiert. «Die 10 hoch 26 jährlich emittierten Nanopartikel gelangen ungefiltert in unsere Luft und dringen bis in tiefe Lungenschichten ein. Das ist ein riesiges gesundheitliches Problem, das von Lobbyisten nach wie vor kleingeredet wird.» Doch solange ein Umweltproblem nicht in einen entsprechenden rechtlichen Rahmen gegossen sei, also keine Grenzwerte definiert sind, solange werde es in der politischen Auseinandersetzung ignoriert.

Durch Messungen nachzuweisen, dass ein Problem existiert, sei nur der allererste Schritt. «Eine politische Bewegung anzustossen, die dieses Problem richtig angeht, ist der weitaus wichtigere, aber auch schwierigere Schritt», ist Spörri überzeugt.

Die im Jahr 2000 gegründete Stiftung gegen Fluglärm vertritt die Interessen von 300000 Menschen rund um den Flughafen Kloten, die seit 13 Jahren zusätzlich auch von Südanflügen belästigt bis bedroht werden. Der Stiftungsrat setzt sich aus interessierten Personen aus der Schweizer Wirtschaft, Medizin und Forschung zusammen. Alle Mitglieder engagieren sich unentgeltlich für die Ziele der Stiftung. www.nanoparticles.ethz.ch, www.stiftungfluglaerm.ch

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