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12.03.2018 - 16:42 Uhr

«Tschüss Gelsenkirchen, hallo Zürich»


Die letzte Party in Gelsenkirchen: Das Ende der Prüfungen sorgt für ausgelassene Feierstimmung. Foto: B. Bernhard

Ein letztes Mal an der Hochschule, eine letzte Abgabe, eine letzte Party, letzte Nacht. Mit dem Ende des Semesters in Gelsenkirchen häufen sich die letzten Male rapide. Bald geht es zurück aus einer der ärmsten Städte Deutschlands in eine der reichsten Städte der Welt.

Wie schnell so ein Semester vergehen kann. Gerade noch erkundete ich bei angenehmen 20 Grad meine damals noch neue Heimat Gelsenkirchen, und plötzlich sitze ich hier, während es draussen alle paar Minuten zwischen Schnee und Regen wechselt, und schreibe meine letzte Kolumne für diese Zeitung.

Erfolgreicher Auslandaufenthalt

Zur gleichen Zeit hat sich wohl sehr viel, aber auch eigentlich gar nicht so viel getan. Wie ich es mir als Student bestens gewohnt bin, dominierten die Prüfungsphase und mehrere Abgaben die letzten Wochen des Semesters.
Auch wenn diese hierzulande etwas entspannter vonstattengeht als zu Hause, wurde das gegen Ende doch ein ziemlicher Stress. Denn ganz in studentischer Manier wurden natürlich Projektarbeiten und Ähnliches erst auf den letzten Drücker fertig (wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass dieses Mal vor allem externe Faktoren dafür verantwortlich waren). Doch, auch ganz dieser studentischen Manier entsprechend, wurde alles rechtzeitig fertig und das mit guten Resultaten. Aus akademischer Sicht war mein Austauschsemester also ein Erfolg. Besonders das fertig gedruckte Resultat unseres Studentenmagazins «Querschreiber», das ich bereits einmal erwähnt habe, sorgt für richtige Glücksgefühle. Doch auch ausserhalb meines akademischen Treibens sorgten die letzten Wochen für Stress.

Ausflug zur Ausländerbehörde
«Guten Tag, Herr Bernhard. Sie sollen sich so schnell wie möglich bei der Ausländerbehörde melden.» In meinem Hauseingang steht eine Beamte in gepolsterter Jacke, so ähnlich wie sie die Polizei auch trägt. Also ein doch recht beeindruckender Look. Etwas verdutzt schaute ich mir die Gestalt an. Ausländerbehörde? Weshalb, wir gehören doch zum Schengenraum? Und ich reise Mitte Februar (die Interaktion fand Anfang Februar statt) eh aus? Was solls, man fügt sich ja der Bürokratie.

Da mir diese Botschaft mit einigem Nachdruck vermittelt wurde, bewege ich mich also am Folgetag in die Innenstadt Gelsenkirchens zur Ausländerbehörde. Ein äusserst skurriler Ort. Ein überdachter Eingang, wie es normalerweise bei Hotels der Fall ist, in dem drei Securitys alle Neuankömmlinge misstrauisch begutachten. Na ja, fast alle Neuankömmlinge. Während die vermutlich grösstenteils arabischen und osteuropäischen Menschen direkt aufgehalten und kontrolliert werden, werde ich erst, als ich mich etwas verwirrt umdrehe, angehalten. «Arbeiten Sie hier?», fragte mich die Sicherheitsfrau am Eingang, worauf ich zu ihrer sichtlichen Verwirrung den Kopf schüttle. «Was wollen Sie denn hier?» Genau, dachte ich mir, was will ich hier? Ich sei aus der Schweiz und solle mich hier melden, erklärte ich ihr also. Da ich «Kunde» bin, muss ich also erst durchsucht werden, schliesslich hatte ich meinen Rucksack mit tonnenweise Unikram dabei. Doch während die schüchterne Frau mit Kopftuch vor mir in der Reihe penibel untersucht wird, werde ich nur gefragt, ob ich einen Stift dabei hätte. Mein «Ich glaube nicht» wurde einfach so hingenommen. Keinen Blick in den Rucksack, und auch als der Metalldetektor mehrmals bei meinen Hosentaschen piepst, keine weitergehende Kontrolle. Drinnen dann die grosse Erleichterung. Denn als ich der verantwortlichen Person meine Situation erklärt habe, meint die nur mit einem Schmunzeln: «Ach, Sie gehen schon wieder. Dann melden Sie sich bei der Stadt ab und ich registriere das so.» Na danke, dafür hätte ich mir diese eindeutige Zeitverschwendung zwar nicht antun müssen, aber immerhin hat das gut geklappt.

Tschüss JPR-Familie
Wie könnte ein Austauschsemester besser beendet werden als mit einer der berühmt-berüchtigten Partys der JPR (Journalismus und PR) Fachschaft. Schliesslich glänzt da fast der ganze Studiengang mit seiner Anwesenheit. Schlechte, teils unerträgliche Musik trifft hier auf hohe Alkoholpegel (ich weiss nicht, wie das für die anderen ist, in meinem Falle korrelieren diese zwei Attribute auf jeden Fall) – eine Mischung, die es schafft, einem die Schamesröte ins Gesicht zu treiben, während man lauthals die Hits der letzten 20 Jahre dennoch mitgröhlt.
In einer früheren Kolumne habe ich bereits über die Familienkultur meines Gaststudiengangs geschrieben und wie mir diese etwas suspekt war. Diese ist für mich unterdessen zwar verständlicher geworden. Allerdings gibt es da gewisse Traditionen, die ich wohl für immer und ewig schlimm und gruselig finden werde. So zum Beispiel der riesige Singkreis, der sich bei «Angels» von Robbie Williams, der inoffiziellen Hymne des Studiengangs, bildet – Horrorfilmmaterial. Doch irgendwie passt das zu dieser Gruppe, das ist alles gleichzeitig schaurig und schön, schrecklich und nett. Eine schrecklich nette Familie, quasi. (Bastian Bernhard)

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