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13.06.2018 - 17:48 Uhr

Mit Ozon gegen den Mikrodreck der Zivilisation


Gang durchs lärmige Maschinenhaus, wo gepumpt, aus Luft Sauerstoff produziert und daraus wiederum Ozon gewonnen wird. (Foto: Lisa Maire)

Medikamente, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel & Co. sorgen für Mikroverunreinigungen im Abwasser und belasten damit das Ökosystem in Flüssen und Seen. Die Stadt Zürich rückt dem Problem nun mit Ozon zu Leibe – ein Pionierprojekt im Klärwerk Werdhölzli. 

Das Problem ist seit vielen Jahren bekannt: Organische Spurenstoffe aus Medikamenten, Kosmetika, Nahrungsmittelzusätzen, Reinigungs-, Insekten- und Pflanzenschutzmitteln oder etwa auch Fassadenanstrichen gelangen aus Haushalten, Industrie und Landwirtschaft in unsere Flüsse und Seen. Auch über die Klärwerke. In der Schweiz seien über 30 000 solcher Spurenstoffe in unzähligen Produkten täglich im Einsatz, sagte Peter Wiederkehr, Direktor ad interim ERZ Entsorgung + Recycling Zürich, vor den Medien im Klärwerk Werdhölzli. Trotz extrem tiefer Konzentration (Wiederkehr: «Stellen Sie sich 43 Würfelzucker im Greifensee vor») können solche Mikroverunreinigungen Tiere und Pflanzen in den Gewässern schädigen. Das bekannteste Beispiel: Hormone aus der Antibabypille bewirken eine Verweiblichung der männlichen Fische, können also deren Fortpflanzung beeinträchtigen.

Bisher stand man in den Klärwerken Mikroverunreinigungen mehr oder weniger machtlos gegenüber. Mit einer Ozonungsanlage ändert sich dies grundlegend: Im Klärwerk Werdhölzli können nun 80 bis 90 Prozent der problematischen Spurenstoffe unschädlich gemacht werden. Denn das Molekül Ozon ist in der Lage, Schadstoffe im Abwasser aufzuspalten.


Durch Ozonungsreaktor und Sand sauber in die Limmat

Die zusätzliche Verfahrensstufe werde als Prozess zwischen Nachklärung und Filtration geschaltet, erklärte Wiederkehr beim Rundgang durch die 70 x 45 Meter grosse Anlage. Das heisst: Das bereits biologisch gereinigte Abwasser durchläuft die Ozonungsreaktoren (Kapazität: 6500 Liter pro Minute) und muss danach noch durch einen Sandfilter, bevor es schliesslich über den erneuerten doppelten Auslaufkanal in die nahe Limmat fliesst. Der Maschinenpark im neuen Gebäudekomplex ist beeindruckend: Zum Pumpwerk kommen Anlagen für die Sauerstoff- und Ozonproduktion, Ozonungsreaktoren sowie Räume für die Energieversorgung. Vor dem Maschinenhaus steht zudem, gesichert hinter einem hohen Maschendrahtzaun, ein Speichertank mit Flüssigsauerstoff. Er dient dazu, allfällige Bedarfsspitzen abzudecken.

Der Umgang mit dem Reizgas Ozon ist heikel. Sicherheit wird entsprechend grossgeschrieben. Zur elektronischen Überwachung der technischen Funktionen kommen unter anderem mehrere Entlüftungsanlagen. Ziemlich Eindruck auf die Besucherin machen nicht zuletzt auch die Schutzmaskendispenser und die zahlreichen Warnschilder an den Zugängen zu den Betriebsräumen.

Nicht die Erste, aber die Grösste

Vom Maschinenhaus aus führt der Medienrundgang aufs Dach, wo – ebenso wie auf den Fassaden – Photovoltaikmodule installiert wurden. Die Anlage produziert gemäss ERZ 30 Mal so viel Strom wie ein Vierpersonenhaushalt verbraucht. Auf die Stromrechnung des ERZ wirke sich die Photovoltaik allerdings kaum aus, sagte Wiederkehr. Die zusätzliche Reinigungsstufe ist energieintensiv: Sie verursacht Stromkosten von etwa einer Million Franken im Jahr – was der Hälfte der jährlichen Betriebskosten entspricht.

Die Ozonungslage der Stadt Zürich ist nicht die erste in der Schweiz. Bei der ARA Neugut in Dübendorf schaut man schon auf vier Jahre Erfahrung mit der Ozonung von kommunalem Abwasser zurück. Vor allem von ihrer Grösse und auch vom technischen Aufbau her besitze die Anlage des ERZ aber dennoch Pioniercharakter bis über die Landesgrenzen hinaus, versicherte Wiederkehr. In kurzer Zeit sei hier sehr viel neues Wissen aufgebaut worden. Das Klärwerk Werdhölzli bietet sich denn auch bestens für den «Klärwerktourismus» an: Mindestens tausend interessierte Fachleute von überall her wurden hier bereits empfangen. (Lisa Maire)

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