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11.07.2018 - 18:00 Uhr

Horte: Stadt kürzt Budget für Mahlzeiten


Wenn es nach dem Willen der Stadt geht, müssen die Schulhorte mit spürbar weniger Geld wirtschaften. Nun regt sich Widerstand. (Foto: ls.)

Als vor sieben Jahren in den städtischen Alterszentren beim Essen für Pensionäre 250 000 Franken pro Jahr gespart werden mussten, gingen die Wogen hoch. Nun will die Stadt bei den Hortessen den Hebel ansetzen. Rund 10 Prozent oder bis zwei Millionen Franken will man so weniger ausgeben.

Schulpfleger Markus Pfister aus Zürich-Nord nervt sich. «Die Stadt will ab 2019 auf dem Buckel der Schulkinder sparen. Um durchschnittlich zehn Prozent wurde das Budget bei den Hort-Mahlzeiten gekürzt.» Konkret dürfe zum Beispiel ein Mittagessen (Kaltanlieferung) der 2. bis 6. Klasse anstatt 5 Franken 25 nur noch 4 Franken 70 kosten, zeigt Pfister auf. Dazu sei das Einkaufssystem angepasst worden. Neu müssten alle Lebensmittel über «Menu and More» (die privatisierte ehemalige Stadtküche also) bestellt werden. Kleinere Spontankäufe im Laden nebenan seien nicht mehr gerne gesehen. «Nachbestellungen müssen über eine spezielle Gastroplattform erfolgen», so Pfister. Der ehemalige Leiter des Gemeinschaftszentrums Oerlikon und Schulleiter mit Gastro-Erfahrung fragt sich «angesichts der beschlossenen Kürzungen bei gleichzeitiger Teuerung im Lebensmittelbereich von 4 Prozent», ob sich denn damit Verpflegungsqualität und -sicherheit gewährleisten lassen.

«Milchbüechlirechnung», sagt Angst
Ins gleiche Horn bläst Walter Angst. Der AL-Gemeinderat und Pressesprecher des Zürcher Mieterverbandes spricht von einer «Milchbüechlirechnung» der Stadt. Angst: «Man hat das McKinsey-Prinzip angewendet mit linearen Kürzungen». Bei den budgetierten Kosten für die Hort-Mittagessen gehe es um eine Sparsumme von 1 bis 2 Millionen Franken jährlich. Dabei seien die Gesamtkosten für die Hortbetreuung geprägt von den Löhnen und Mieten. «Ich bin nicht dagegen, dass man die Abläufe anschaut, aber Sparen bei den Kinderverpflegungen geht gar nicht», so der mehrfache Familienvater.
Den Gürtel enger schnallen beim Essen? Da kommt einem unweigerlich die Schlagzeile «Cervelat statt Filet» in den Sinn, die 2011 die Runde machte. Die damalige Sparrunde in den städtischen Alterszentren belief sich zwar «nur» auf jährlich 250 000 Franken, erzeugte aber hohe mediale Wellen. Während es bei den Altersheimen um rund 2000 Mittagessen pro Tag geht, sind es in den Horten rund 12 000, Tendenz stark steigend. Es sind beim aktuellen Fall also höhere Summen. Und: Nach den Senioren sind nun die Kinder «dran».
Was sagt die Stadt zur geäusserten Kritik? Marc Caprez, Sprecher des Schul- und Sportdepartements, sieht in der Massnahme kein Sparen: «In der Vergangenheit hat die Mehrheit der Schulen die Budgets bei weitem nicht ausgeschöpft. So bedeutet diese Budgetanpassung lediglich eine Angleichung an die tatsächlichen Verhältnisse.» Aber hochwertig und nachhaltig produzierte Lebensmittel werden doch überproportional zur Teuerung im Preis steigen. Läuft da die Stadt nicht Gefahr, dass künftig auf «Discounter»-Niveau eingekauft wird? Caprez winkt ab: «Schulen, Alterszentren, Spitäler und weitere Stadt-Betriebe schreiben gemeinsam die Lebensmittelbezüge in einem submissionsrechtlich geregelten Verfahren aus. Dieses stellt hohe Anforderungen an die Qualität, die Nachhaltigkeit und an die Lieferanten.» Die Auswahl falle somit auf das wirtschaftlich beste Angebot – unter strenger Berücksichtigung der Vorgaben an Qualität und Nachhaltigkeit. «Durch die Grösse sind wir für Lieferanten ein interessanter Partner und erhalten zu Gastropreisen, ja teilweise sogar Industriepreisen eine hohe Qualität.» Caprez schränkt jedoch ein, dass damit Horte verpflichtet seien, ihre Einkäufe bei Vertragslieferanten zu beziehen. Was ist denn mit den wegfallenden Spontankäufen, um die Essen aufzubessern? Caprez: «Die individuell erfolgten Ergänzungseinkäufe waren nicht zwingend eine Garantie für Qualität, da diese Einkäufe aufgrund eigener Präferenzen und nicht unbedingt im Quartierlädeli getätigt wurden.» Der Sprecher erklärt, dass Spontaneinkäufe weiterhin möglich seien. Es gebe dazu ein Budget. Generell bestehe aber eine Bezugspflicht bei den Vertragslieferanten der Stadt Zürich. Und: «Die Einkäufe werden online bestellt und in die Betreuung geliefert. Das Personal kann sich entsprechend auf die Kernaufgabe der Betreuung konzentrieren», so Caprez.

«Entscheid zurücknehmen, bitte»
Walter Angst hält nichts von den Antworten der Stadt. «Das ist Mumpitz», sagt er. Er fordert, dass das zuständige Schulamt den Entscheid zurücknimmt. «Die Stadt soll mit den Betreuungsleitungen in den Schulkreisen zusammensitzen und den Entscheid überarbeitet», so Angst. Pfister zitiert dazu einen direktbetroffenen Jugendlichen: «Wer so was entscheidet, sollte einfach mal eine Woche lang nur im Hort essen.» Auch Markus Pfister ist für eine Neubeurteilung. «Anscheinend war ‹Menu and More› der einzige Bewerber bei der Ausschreibung. Da fehlt eindeutig der Markt», so Pfister. (Lorenz Steinmann/ Foto: ls.)

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