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01.09.2018 - 11:59 Uhr

So viel «Seele» steckt in unserem Geld


«Ich habe einen unverkrampften Umgang mit Geld», sagte Investor und Finanzunternehmer Alastair Guggenbühl. Foto: Alfonso Smith

Geld regiert die Welt. Es ist im Alltag unverzichtbar, die Menschen sind davon abhängig. Doch wie viel Seele steckt eigentlich darin? Dieser Frage gingen die Gäste am Turmgespräch nach.

Es war ein Thema, bei dem jeder etwas beitragen konnte. Geld ist Reichtum und Macht, gilt aber auch als Wurzel wirtschaftlichen Übels. Ob im Portemonnaie oder virtuell auf dem Bankkonto – kein Tag, an dem man in der westlichen Welt an Geld als Tausch- und Zahlungsmittel vorbeikommt. Obwohl diese Abhängigkeit für gewöhnlich hingenommen wird, scheinen ihr viele kritisch gegenüberzustehen.
Exemplarisch zeigte sich dies nicht nur bei den Diskussionen um die Vollgeld-Initiative, sondern auch beim letzten Turmgespräch dieses Jahres. Moderiert wurde der Anlass von David Guggenbühl, Vizepräsident der Kirchenpflege St. Peter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen im Turm des St. Peters der Frage nach, ob Geld eine Seele hat.

Mehr Geld verschwenden
Als Hauptgast geladen war David Guggenbühls Bruder Alastair. Er ist Gründer und Hauptaktionär der Monterosa Gruppe, einer global aktiven Investmentgesellschaft, die hauptsächlich in Asien und Indien tätig ist. «Ich arbeite viel mit sehr vermögenden asiatischen und indischen Investoren zusammen », erzählte er. Der Finanzunternehmer sah sich ein wenig in der Rolle des Provokateurs, wie er nach der Veranstaltung offen zugab: «Ich will Geld verdienen», sagte Alastair Guggenbühl und provozierte damit die Anwesenden. Natürlich brauche es einen moralischen Kontext. «Es muss in einem Rahmen sein, der reglementiert ist.» Für ihn sei Geld ein Mittel – wie etwa Stahl, Öl oder gar Backsteine. «Es ist ein Austauschmittel» und sei in diesem Sinne seelenlos, so Alastair Guggenbühl. «Ich habe einen unverkrampften Umgang mit Geld.» Geld verdienen sei weder schlecht noch gut, kritisch betrachten könne man eher den Umgang damit. Stichwort: Umverteilung. Damit meinte der Investor allerdings nicht etwa nur den Staat, der Steuern eintreibt und damit Sozialwerke finanziert. Alastair Guggenbühl verwies auf Indien, wo Verschwendung ein Zeichen der Lebensfreude sei. So würden Reiche schon mal 50 Millionen Franken für eine Hochzeit ausgeben, was ebenfalls wieder Geld umverteilt, in dem es in die Wirtschaft gespült wird. Er stellte damit den Umgang der Schweizerinnen und Schweizer mit Geld und deren Sparcredo infrage.

Wer kein Geld hat, ist unglücklich
Naturgemäss etwas anders sah dies Bruno Crestani. Der Stadtammann und Betreibungsbeamte Kreis 4 fragte sich, ob die vielen Armen in Indien diese Verschwendung ebenfalls so locker sehen würden. Der Mensch sei für seine eigenen Ausgaben verantwortlich, bei den Einnahmen müsse man darüber diskutieren. «Ich habe mit denen zu tun, die die Finanzen nicht im Griff haben.» Man sehe den Leuten an, wenn sie Schulden hätten, weil sie immer dem Geld nachrennen müssten, ergänzte Marie-Claire Meienberg von der Schuldenberatung der Stadt Zürich.
Der Umkehrschluss zu «Geld macht nicht glücklich», wäre hier wohl sinngemäss, dass «kein Geld zu haben unglücklich macht». Obwohl sich die Runde auf die Suche nach der Seele im Geld begab, fielen immer wieder Begriffe wie Umverteilung, Chancengleichheit oder Gerechtigkeit. «Wir haben in 2000 Jahren keine gerechte Verteilung geschafft», kritisierte Frank Russek, Inhaber der Panasia Gallery in Zürich-West. Trotzdem wirkte das Gespräch etwas abgehoben, wie eine Teilnehmerin bemerkte, da es keinem der Teilnehmenden an Geld mangle.

Grosses Geschäft für die Kirche
An diesem Punkt lenkte Moderator David Guggenbühl die Diskussion wieder auf die eigentliche Frage: «Wir wollen wissen, was die Seele des Geldes ist.» Die kirchliche Grundlage hatte am Anfang St.-Peter-Pfarrer Ueli Greminger geliefert. «Geld war schon immer ein kritisches Thema. » So habe die Kirche die Geldgeschäfte den Juden überlassen. Im 12. und 13. Jahrhundert sei das Fegefeuer – als Vorstufe zum Himmel – geschaffen worden für alle, die mit Geld gearbeitet hätten. «Das war wieder ein grosses Geschäft für die Kirche», so Greminger.
Wohl bekanntester Spruch aus der Zeit des Ablasshandels, der dem deutschen Prediger Johann Tetzel zugeschrieben wird: «Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.» Hier wurde Geld zwar gebraucht, um einer Seele den Eintritt in den Himmel zu ermöglichen, allerdings blieb Geld nur ein Zahlungsmittel. Hat es also gar keine Seele – oder gibt doch beseeltes Geld – vielleicht in Form von Münzen?

Geld ist seelenlos
Numismatikerin Hortensia von Roten hatte darauf eine klare Antwort: «Nein.» Münzen seien zwar wichtige historische Dokumente, eine Seele hätten sie aber nicht. Für die Kelten seien Münzen gar kein Zahlungsmittel gewesen, sondern ein Zeichen von Prestige. Psychiater Hanspeter Flury doppelte nach: «Geld hat keine Seele. » Viele Menschen würden sich gegenüber dem Geldsystem sogar ohnmächtig fühlen. «Es ist eine Frage des Umgangs mit Geld», befand Alastair Guggenbühl. Dieser sei eben sehr unterschiedlich. Und genau dieser Umgang könne beseelt sein.
Als Fazit des Turmgesprächs kristallisierte sich heraus, das Geld zwar seelenlos sei, die Menschen, die es benutzen, jedoch keineswegs. (pw.)

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