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05.09.2018 - 09:20 Uhr

Petition fordert Untersuchung des Insektensterbens


Mehr Fakten: die Ursachen und die Tragweite des Insektensterbens in der Schweiz müssen umgehend aufgezeigt werden, damit rasch wirksame Massnahmen folgen. Dies verlangt die Petition „Insektensterben aufklären“, die von den Naturfreunden Schweiz NFS gemeinsam mit Dark-Sky Switzerland, dem Schweizer Bauernverband SBV sowie dem Dachverband der Schweizer Imkerinnen und Imker apisuisse lanciert worden ist.

Dass die Zahl und Vielfalt der Insekten abnimmt, nehmen Fachleute bereits seit Jahren wahr. Studien aus dem Ausland zeigten jüngst, wie dramatisch die Lage bereits ist. «Das unaufhaltsame und von der Öffentlichkeit bis dato weitgehend unbemerkte Fortschreiten des Insektensterbens bereitet den Naturfreunden grosse Sorgen», so NFS-Präsident Urs Wüthrich-Pelloli. Mit der Petition „Insektensterben aufklären“ wollen die beteiligten Organisationen das Thema nun in die breite Öffentlichkeit tragen: «Jede und jeder soll sich bewusst werden, was Insekten in ihrer Vielfalt, Schönheit und wegen ihrer Schlüsselrolle in der Ökologie für uns alle bedeuten. Und dass wir alle gefordert sind, für ihren Erhalt einzustehen.

Gerade weil die Diskussion über das Insektensterben aktuell kontrovers geführt wird, braucht es solide und akzeptierte Entscheidungsgrundlagen, damit griffige politische Massnahmen mehrheitsfähig werden», so der Präsident der Naturfreunde Schweiz.


Die Petition läuft im Internet (www.insektensterben.ch) und auf Papier. Die Sammelfrist endet am 24. November. Ziel des Komitees ist es, dem Bundesrat und dem Parlament während der kommenden Wintersession der Eidgenössischen Räte mindestens 50‘000 Unterschriften zu überreichen.

Eminente Bedeutung für die Landwirtschaft
Wo Insekten verschwinden, hungern nicht nur die Vögel. Nationalrat Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizer Bauernverbands, verwies am Dienstag in Bern vorab auf die unverzichtbare Aufgabe der Insekten bei der Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen wie beispielsweise der Obstbäume. Eine Vielzahl und Vielfalt von Insekten sei für die Landwirtschaft geradezu essenziell.

Weltweit wird die „Arbeit“ der Insekten beim Bestäuben auf einen Gegenwert von 153 Milliarden Euro geschätzt (Quelle:„Economic valuation of the vulnerability of world agriculture confronted with pollinator decline“, Gallai et al., 2016). Eine ebenso wichtige Rolle spielen Insekten zudem für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. «Das Interesse der Landwirtschaft am Schutz der Insekten liegt auf der Hand», betonte Bourgeois. Die Schweizer Landwirtschaft sei bereit, für dieses Thema Verantwortung zu übernehmen.


Wo Pflanzenarten verschwinden, sterben die Bienen

Dass es dringend weitere Anstrengungen zur Aufklärung des Insektensterbens braucht, davon zeigten sich am Dienstag auch Sonia Burri-Schmassmann, Präsidentin und Mathias Götti Limacher, Vizepräsident von apisuisse überzeugt. Während Honigbienen sozusagen ‚unter Beobachtung‘ durch die Imkerinnen und Imker stehen, bedürften insbesondere die Wildbienen eines besonderen Schutzes, da diverse Wildbienenarten stark auf einige wenige Nahrungspflanzen spezialisiert seien. «Verschwindet eine Pflanzenart, stirbt auch die dazugehörige Wildbienenart aus». Darum brauche es in unseren Landschaften beispielsweise auch Totholz, über den Winter stehen gelassene Pflanzenstängel oder Abrisskanten mit offenem Boden.


Unnötige Lichtverschmutzung

Auf die für Insekten besonders negativen Folgen des Kunstlichts verwies am Dienstag Lukas Schuler, Präsident von Dark-Sky Switzerland. So können an einer einzelnen Lampe pro Nacht Hunderte Insekten angelockt und eingefangen werden und schliesslich aus Erschöpfung verenden. Studien aus Deutschland belegen, dass die Lichtverschmutzung jährlich um 2 Prozent zunimmt, und dies bezogen sowohl auf die Lichtstärke wie auch im Ausmass der beleuchteten Flächen. Zwar konnte mit den ab dem Jahr 2009 eingeführten LED-Strassenlampen der Energiebedarf gesenkt werden, hingegen erzeugen jene Lampen ein Licht mit einem hohen Blauanteil. Solches Licht wirkt auf die Insekten geradezu magnetisch. Daher spricht sich Dark-Sky Switzerland dafür aus, auf kaltes oder neutralweisses Licht zu verzichten und stattdessen nur Leuchten einzusetzen, die warmes Licht erzeugen.


Leider setze das Bundesamt für Energie aber weiterhin auf LED-Leuchtmittel, die diesen Anforderungen nicht oder nur ungenügend Rechnung tragen. «Früher waren die Effizienzunterschiede von kaltem zu warmem Licht tatsächlich noch wesentlich. Heute aber ist es möglich, warmes Licht mit einem Verlust von nur 2 Prozent zu erzeugen», hielt Schuler dazu fest. Es gebe daher keinen Grund mehr, auf warmes LED-Licht zu verzichten. Letztlich käme dies auch der Nachtruhe des Menschen zu Gute. (pd./Foto: zvg.)

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