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11.01.2019 - 12:12 Uhr

«Autorin zu sein ist für mich wie Ausdauersport»


Stephanie Gränicher aus Erlenbach ist ein ironischer und zeitkritischer Roman gelungen mit dem Titel «Foodparadies». Beim Interview in Zürichs Westen verriet sie, wie inspirierend die Stadt für sie ist.

«Foodparadies» ist Ihr erster Roman. Wann wussten Sie denn, dass er nun zu Ende geschrieben ist?

Stephanie Gränicher: Damit ich bei einem langen Text die Spannung aufrechterhalten und eine sich entwickelnde Handlung zeigen konnte, habe ich ein Konzept gebraucht und musste wissen, wo mein Schluss sein sollte. Als ich den Endpunkt erreicht hatte, entschied ich mich für den letzten Satz. Anschliessend gab es zwei Überarbeitungen von mir und Testleserinnen, deren Feedback ich in den Text einarbeitete. Erst dann wagte ich den Schritt nach draussen.

Ein Einkaufszentrum in Dennburg bildet den Mittelpunkt, um den Ihre Figuren im Roman kreisen. Warum ein Konsumtempel?

Trotz aller Online-Euphorie begeben sich die meisten Menschen gerne selbst auf die Suche nach ihrer Nahrung und den anderen Dingen, die sie brauchen. Ein Einkaufscenter ist praktisch dafür. Es ist aber auch ein symbolischer Ort der Sehnsüchte und Wünsche. Die Figuren von «Foodparadies» suchen nicht nur nach dem frischesten Salat, sondern hinterfragen auch ihre Beziehungen, Lebensstile und Berufskonzepte, während sie sich für die Zutaten zu einem Abendessen entscheiden oder an der Kasse warten.

Erste Besprechungen des Romans attestieren Ihnen Ironie und Humor. War diese Haltung von Anfang an ein Konzept?

Absolut. Das Leben ist ernst genug. Daher möchte ich in meiner Schreibwelt eine leichtere Seite zu Wort kommen lassen, auch wenn es meine Figuren nicht immer einfach haben.

Die Protagonisten in Ihrem Buch hängen oder agieren ihren Sehnsüchten nach. Ihre Sehnsucht nach einem eigenen Roman haben Sie sich nun erfüllt. Wie geht es Ihnen damit?

Als ich zum ersten Mal mein eigenes Buch in seiner schönen Gestaltung in den Händen hielt, war dies natürlich ein ganz besonderer Moment. Aber eigentlich gibt es viele besondere Momente: das Beenden der ersten Fassung, das Finden des Agenten oder des Verlags, die Gestaltung des Covers, die Buchvernissage, eine Lesung, ein Feedback. Autorin zu sein ist für mich wie Ausdauersport. Man erreicht eine Etappe nach der anderen, der Weg ist das Ziel, Disziplin ist wichtig und die Freude am Tun ebenso.

Ob Jan, Kurt oder Chantal, sie kommen uns nahe beim Lesen. Wie entwickeltensich diese Persönlichkeiten?

Vor dem Schreibbeginn habe ich mir gut überlegt, wie meine Figuren sein sollen. Als ich dann mit ihnen schreibend unterwegs war, habe ich doch die eine oder andere Überraschung erlebt. Obwohl ich am Anfang meinte, ihre Charaktere genau zu kennen, haben sie im Lauf der Handlung eine Eigendynamik entwickelt. Dadurch wurde auch für mich die Schreibreise spannend.

Sie leben am rechten Zürichseeufer in Erlenbach, nun sitzen wir hier in Zürich- West, einem Stadtviertel, das praktisch neu gebaut wird. Wie inspirierend ist denn die Stadt für eine Autorin?

Zürich ist für mich generell faszinierend, weil hier auf überschaubarem Raum verschiedene Welten erlebbar sind. Während in der Altstadt Tradition gepflegt wird und sich auf der Bahnhofstrasse Touristen aus aller Welt tummeln, ist Zürich-West für mich total urban und natürlich kulturell sehr interessant. Alte Fabrikgebäude wurden umgenutzt zu Kunsthochschule, Theatersaal, hippem Restaurant oder einer neuartigen Einkaufsgegend.

Gibt es eine Lieblingsecke?

Mein Favorit im Moment ist die Tonhalle Maag, die den traditionellen Konzertgenuss in eine Fabrikhallenumgebung mit Holzhausflair transportiert hat, und dies mit einer hervorragenden Klangqualität. Dieser lösungsorientierte Erfindergeist, der inspiriert mich auch als Schreibende. (Interview und Foto: Urs Heinz Aerni)

Autorin seit 2010

Stephanie Gränicher, 1958 im Raum Köln-Bonn (D) geboren, studierte Englisch, Spanisch und Publizistik an den Universitäten Bonn, Bristol, München und Zürich. Es folgte eine Zeit mit Priorität auf die Familie und als freie Mitarbeiterin bei Zeitungen und als Kursleiterin für Englisch und Deutsch. Seit 2010 widmet sie sich dem Schreiben. Ihr erster Roman «Foodparadies» ist im Bucher Verlag erschienen.

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