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11.01.2019 - 15:01 Uhr

Die Turbulenzen rund um «Zürich im Landesmuseum»


Exklusiv: Nach einigen Verzögerungen und politischen Turbulenzen wird am 2. Februar die Dauerausstellung «Zürich im Landesmuseum» eröffnet. Ob und wie zeitgemäss das über vier Millionen kostende Projekt ist, scheint aber noch offen.

«Einfach Zürich – aber ganz so einfach ist Zürich nicht», schreiben die Kuratoren über die geplante Dauerausstellung «Zürich im Landesmuseum». Sie wird in drei Räumen gezeigt und kostet rund vier Millionen Franken. Der Eintritt ist – im Gegensatz zum eigentlichen Landesmuseum – kostenlos. Eröffnet wird die nicht unumstrittene Ausstellung anfangs Februar. Das Projekt soll alle Generationen ansprechen und Stadt und Kanton Zürich mit ihrer je eigenen sowie
ihrer gemeinsamen Geschichte anhand von Multimedia-Installationen präsentieren.

Aus fürs Migrationsmuseum
Die Idee der Ausstellung ist alt. Seit 1998 hatte sich der Verein Migrationsmuseum Schweiz für eine gleichnamige Institution als öffentlichen Ort eingesetzt, um «das Bewusstsein und das Wissen zum vielfältigen Themenbereich Migration» zu fördern. Doch 2009 wurde die zwölfjährige Vorarbeit Opfer der Finanzkrise: Die Stadt Zürich, die das Projekt in ihr Kulturleitbild aufgenommen hatte, verschob das Anliegen ans Ende der Wunschliste. Der Verein löste sich zwangsläufig auf.

Volksabstimmung wurde nötig
Das darauf folgende Museumsprojekt wurde dank Stadt und Kanton Zürich breiter abgestützt, das Thema «Migration» rückte in den Hintergrund. Kritik gab es trotzdem. SVP, die AL und die Grünliberalen ergriffen das Behördenreferendum und erzwangen eine Volksabstimmung. Ihre Argumente: Es gebe schon genug Museen und das Projekt sei zu teuer. Das Volk aber sagte am 14. Juni 2015 mit 63,5 Prozent Ja zum Kredit und einen jährlichen Betriebsbeitrag von 300 000 Franken. Auf Anfrage sagt Matthias Wyssmann vom Präsidialdepartement, man habe daraufhin die Umsetzung als Wettbewerb ausgeschrieben. «Das Team Holzer/Kobler & Heller Enterprises hat die Ausschreibung Anfang 2017 für sich entschieden», so Wyssmann. Martin Heller von Heller Enterprises ist der Öffentlichkeit ein Begriff, weil er von 1999 bis 2003 Direktor der Expo 02 war.

Vom Kanton mitgetragen
Laut Wyssmann «werden die Ausstellung und das damit verbundene Programm stark auch vom Kanton mitgetragen, und das ist einerseits in der Ausstellung sichtbar». Zudem sei die Ausstellung im 1. Stock des Landemuseums der Ausgangspunkt für ein Kulturprogramm, das die Ausstellung mit Orten und Ereignissen im ganzen Kanton verknüpfe. Die Dauerausstellung gliedert sich in drei Räume. «Natürlich verarbeitete sie viele historische Elemente und Objekte, schlägt aber immer wieder auch einen Bogen zur Gegenwart und zu dem, was Zürich heute innerhalb der Eidgenossenschaft ist», führt Wyssmann aus. Rund um 60 Objekte werden 60 Geschichten erzählt. In 20 Kurzvideos werden 20 Gemeinden porträtiert. «In einem dritten Raum führen filmische Animationen in einer ganz neuen Technologie in Landschaften und Stadträume und eröffnen ganz überraschende Perspektiven», so Wyssmann.

Kritik an den Kosten
Doch die Freude über das neueste Museums-Projekt ist unterschiedlich. «Auf ein Museum, das virtuelle Fantasiewelten bringt, kann ich verzichten», sagt AL-Gemeinderat Edi Guggenheim. Er stört sich zudem an den Kosten. «Für dieses Geld hätte man das Kunstvermächtnis Art-Dock auf dem Areal des Güterbahnhofs retten können», urteilt der Architekt. Er kritisiert damit indirekt das Präsidialdepartement, welches den Nachlass der Stiftung Trudi Demut und Otto Müller (als Beispiel) nicht unterstützen will.
Ebenfalls nicht für helle Begeisterung sorgt folgende Aussage des Stadtrats in seiner Museums-Weisung: «In Zürich fehlt ein Ort, an dem Zürich über sich selbst erzählt.» Denn vergessen geht dabei offensichtlich, dass es in Zürich immerhin sechs Ortsmuseen gibt, darunter das kürzlich mit viel Detailliebe und Sachverständnis neu konzipierte Ortmuseum Wollishofen, die sich genau diesem Thema annehmen. Für wenig Geld und oft mit Fronarbeit der Quartiervereine.

Offen ab 2. Februar – und gratis
Dazu kommen einigen Museen, die sich explizit auf Zürich und seine Geschichte konzentrieren. Beispiele sind das Zunftstadt-Museum, die Gottfried-Keller-Ausstellung, der Strauhof, das Musée Visionaire, das Trammuseum Zürich, das Uhrenmuseum Bayer, das Max-Frisch-Archiv, das Zivilschutzmuseum sowie das Altertümer-Magazin. Und nicht zuletzt das Stadthaus, wo regelmässig Ausstellungen über Zürich (aktuell die Reformation) stattfinden. Somit wird sich weisen, ob und wie der neuste Wurf in Form von «Einfach Zürich» beim Publikum ankommt. Die Ausstellung ist für die Bevölkerung ab Samstag, 2. Februar, offen.

www.einfachzuerich.ch

Offen ab 2. Februar. Di bis So 10 bis 17, Do bis 19 Uhr, montags geschlossen. Eintritt frei.

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