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23.01.2019 - 14:04 Uhr

Der Kreis 5 und sein Problem mit der Migros


Elin Braun, Geschäftsführerin des Chornladens, Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich, QV-Vorstandsmitglied Thomas Raoseta und Migros-Zürich-Leiter Jörg Blunschi (v.l.) diskutierten kontrovers. F: A. Just

Die Expansionsstrategie der Migros im Langstrassenquartier stösst bei vielen Anwohnern auf Kritik. Jörg Blunschi, Leiter der Migros Zürich, stellte sich am Montag den Vorwürfen.

Mit dem neuen Thai-Take-away Kaimug, der Pizzeria Molino, der Chickeria, einem Migrolino, einem Activfitness und bald einem Alnatura-Laden neben dem grossen Supermarkt am Limmatplatz breitet sich die Migros im Langstrassen-Quartier immer mehr aus. Der «Orange Riese» wird zunehmend zum Gastro-Imperium.
Der Einzug von Kaimug an der Langstrasse 102, wodurch der Buchladen Fermento schliessen und der Schuhladen «Peter & Vreni» sich verkleinern musste, hat im Quartier das Fass zum Überlaufen gebracht und das Forum «5im5i» zu einer Petition veranlasst. Bei deren Übergabe an die Migros schlug Jörg Blunschi, Leiter Migros Genossenschaft Zürich, vor, einmal für eine Diskussion ins Quartier zu kommen.

Und er hielt Wort. Vergangenen Montag nahm der Zürcher Migros-Leiter an der Diskussion «Handel im Wandel an der Langstrasse» teil. Neben ihm auf dem Podium im Quartierlokal «L200» sassen Elin Braun, Geschäftsführerin vom Chornladen, Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich, und Thomas Raoseta, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Industrie. Das Interesse an der Diskussion war gross, gut 80 Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, der Raum war bis auf den letzten Stehplatz besetzt.

Migros-Chef unter Beschuss

Im Fokus stand von Beginn weg der Migros-Chef. Zwischenrufe aus dem Publikum wie auch die Fragen von Moderator Michael Tanner machten klar, dass ihm ein harter Wind entgegenwehte. Blunschi sah sich genötigt, die Standortentscheide seines Unternehmens zu verteidigen. Das Geschäftsmodell basiere immer auf der Frage, wo der Kunde ein Migros-Unternehmen wolle. «Unser Ziel ist es, die Lebensqualität der Kunden zu steigern», argumentierte er. Der Strukturwandel im Detailhandel, unter Druck geraten durch Onlinemarkt, starken Franken und veränderte Lebens- und Essgewohnheiten, mache auch der Migros zu schaffen. «Könnten sie wählen, würden heute viele Leute keine Küche mehr einbauen», beschrieb er den Trend zu Verpflegung ausser Haus. Diesem folge die Migros mit Take-away- und Gastrobetrieben.

Elin Braun, die froh ist, mit dem Biofachgeschäft Chornladen ins Zollhaus an der Fierzgasse und somit weiter weg vom neuen Alnatura zu ziehen, liess seine Argumente nicht gelten. «Die Migros ist mit ihrer Grösse an der Macht. Sie bräuchte etwas mehr Verantwortungsbewusstsein, könnte fragen, was gut ist fürs Quartier und wie man bestehende Angebote ergänzen kann.» Ein Alnatura-Laden am Limmatplatz sei ganz klar nicht ergänzend, sondern konkurrenzierend. Auf diesen Vorwurf konterte Blunschi mit seiner Verantwortung gegenüber Kunden und 8000 Angestellten. «Ob sie es glauben oder nicht, aber wir haben ständig Zuschriften von Kunden, die einen Alnatura am Limmatplatz wünschen. Wenn wir dann sagen, wir machen es nicht, hätten wir den Shitstorm genauso.»

Pop-ups für lebendige Zentren

Diskutiert wurden auch die Rollen der Stadt und von Quartiervertretern auf durchmischte und lebendige Zentren. Stadtplanerin Schindler hielt fest, dass die Stadt kaum einen Einfluss auf die Preisgestaltung der Mietobjekte habe. «Einzig bei den städtischen Liegenschaften haben wir Spielraum, um ein Überleben von Kleingewerbe zu fördern.» Trotzdem zeigte sie sich optimistisch für das Kleingewerbe: Die Zahl der Leerstandsflächen habe 2018 abgenommen und diejenige von Pop-up-Nutzungen steige. «Diese bringen keine höhere Rendite, sondern haben mit dem Bewusstsein zu tun, dass lebendige Zentren benutzte Erdgeschossflächen brauchen», beschrieb Schindler die Entwicklungen.

Kooperationen als Zukunftsmodell

Einig war man sich, dass die Zauberformel für ein Nebeneinander von Gross und Klein «Kooperationen» heisst. Der Quartierverein nehme dabei gerne eine Vermittlerrolle ein, betonte Raoseta. Auch das Experimentieren mit neuen Nutzungskonzepten, wie es das «L200» tue, sei nötig, so der Architekt. Auch Migros-Chef Blunschi zeigte sich offen für ein Miteinander. Er verwies auf das «Shop-in-Shop»-Konzept, das die Migros immer häufiger eingehe, zum Beispiel im Hauptbahnhof mit der Bäckerei Buchmann. «Das ist das künftige Erfolgsmodel, schliesslich will der Kunde ein One-Stop-Shopping.»

Eine von vielen kritischen Wortmeldungen aus dem Publikum kam von Grünen-Gemeinderätin Elena Marti. Das Problem sei, dass man meist erst handeln könne, wenn die Baubewilligung eingegeben ist, so die Langstrassen-Anwohnerin. «Wenn sie wirklich an der Meinung des Quartiers interessiert sind, müssen sie vorher in den Dialog treten», wandte sie sich an Blunschi. «Das Angebot steht», erwiderte der Migros-Chef. Er habe ein gutes Gefühl, da man nun im Kontakt stehe.

Man darf gespannt sein, ob er erneut Wort hält. (Annina Just)

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