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30.01.2019 - 16:30 Uhr

Immigrantinnen emanzipieren die Schweiz


Im Rahmen der Ausstellung «Züricher!nnen machen» präsentierte Francesca Falk, Oberassistentin am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Fribourg, ihre Forschungsarbeit vergangene Woche im Ortsmuseum Zollikon. Die Historikerin widmete sich damit einem politisch und gesellschaftlich wichtigen Thema: der Migration und deren Einfluss auf die Gesellschaft. Anders als die weitverbreitete Vorstellung, dass Migration eine Gefahr für die Gleichstellung ist, stellte die Wissenschaftlerin eine These auf: «Migration hat in der Geschichte auch als Motor für die Gleichberechtigung gewirkt.»

Als erstes Beispiel nannte Falk die eingewanderten italienischen Familien: Mit der Erleichterung des Familiennachzugs in den 1960er-Jahren sei ein Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder entstanden. «Das hat dazu geführt, dass die Infrastruktur der Kinderkrippen ausgebaut wurde.» Während anfangs mehrheitlich Kinder mit Migrationshintergrund die Kitas besuchten, wurden die Betreuungseinrichtungen bald von allen Bevölkerungsschichten genutzt.

Russinnen sorgten für Bildung

Migration spielte auch in der höheren Bildung eine wichtige Rolle. «Es waren vor allem Russinnen, die den Zugang für Frauen zur höheren Bildung erkämpften, und aus Deutschland rekrutierte Professoren, die ihnen das Hochschulstudium ermöglichten», sagte Falk. Die Schweiz war unter den ersten Ländern, die Frauen den Zugang zu Universitäten gewährleisteten.

Drei wichtige Frauen nannte Falk: Die Ärztin Nadeschda Suslowa, die an der Universität Zürich als erste Frau in der Schweiz 1867 doktorierte. Die Philosophin Anna Tumarkin, die 1909 an der Universität Bern zur ersten Professorin in der Schweiz ernannt wurde und die erste Frau in Europa war, die Promotionen und Habilitationen betreuen durfte. Und Ida Hoff, die erste Schulärztin und die erste Frau mit Führerschein im Kanton Bern. «Hoff, als Vorstand des Frauenstimmrechtsvereins in Bern, und Tumarkin waren Pionierinnen im Kampf um politische Partizipation.»

Auch in Bezug auf die Einführung des Frauenstimmrechts hatte die Migration einen Einfluss: Marie Goegg-Pouchoulin gründete nach einem Auslandsaufenthalt in London, wo sie sich von der dortigen Frauenrechtsbewegung inspirieren liess, 1868 die «Association international des femmes». «In diesem Fall war der Auslandsaufenhalt eine Art Migrationserfahrungen, die prägte», sagte Falk. «Lange wurde Migration jedoch nur als Problem betrachtet. In der Folge wurde deren Bedeutung für den Wandel von Geschlechterverhältnissen in Bezug auf Arbeitsverhältnisse, Bildung und politische Rechte ignoriert», sagte Falk. Sie wolle Migration jedoch keineswegs glorifizieren, sondern zeigen, dass diese weder gut noch schlecht ist.

Impulse erst später erkannt

Was ihre Erkenntnisse für die heutige Situation bedeuten, erklärte Falk anhand der italienischen Migration. «Zum damaligen Zeitpunkt hat man nicht vermutet, dass es durch die Einwanderung zu einem gesellschaftspolitisch wichtigen Impuls kommen könnte.» Mit diesem Gedanken im Hinterkopf erahne man vielleicht, dass heute empfundene Probleme Impulse bringen können, die man jetzt nicht erkenne.

Die Oberassistentin fasste schliesslich zusammen, weshalb es wichtig ist, diesen bisher unterbeleuchteten Zusammenhang zwischen Migration und der Geschichte der Gleichberechtigung zu analysieren: «Der Blick durch die Linse der Migration verändert die Perspektive, aus der man die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft betrachtet.» (lia.)

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