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07.03.2019 - 08:05 Uhr

SBB will Schuppen zügeln


Weil er einer Überbauung im Weg steht, soll der Güterschuppen von Wollishofen ins Oberland. Offen ist, ob die kantonale Denkmalpflege mitmacht. 

Um Modelleisenbahnen realitätsnah zu gestalten, gibt es Baukästen mit Häusern, Kirchen, Bahnhöfen und Güterschuppen. Die Bauteile aus Kunststoff lassen sich mehr oder weniger einfach zusammensetzen. Umgestaltungen sind wenig kompliziert. Modelleisenbähnler können Geleise, Häuser und Schuppen auf ihrer Anlage immer wieder neu platzieren.

Einen Schuppen umplatzieren will auch die SBB. Nicht auf einer Modelleisenbahn, sondern in Realität. Die Schweizerischen Bundesbahnen wollen den Güterschuppen, der heute neben dem Bahnhof Wollishofen steht, ins Zürcher Oberland zügeln. Der Schuppen in Wollishofen soll Stein für Stein abgebaut und exakt gleich in Bauma wieder aufgebaut werden, auf dem Areal des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland. Nicht alleine: Neben dem Güterschuppen sollen beim Bahnhof Bauma – wie auf einer Modelleisenbahn – unter anderem eine Wagenwerkstatt aus Altstetten, ein Stellwerk aus Bern und ein Portalkran aus Rheineck neu platziert werden.

Schutzvertrag in Arbeit
Im Weg steht der Schuppen in Wollishofen, weil die SBB auf dem Areal beim Bahnhof eine Überbauung planen («Zürich 2» berichtete). «Die Entwicklung des Areals wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich erfolgen», sagt SBB-Mediensprecher Daniel Pallecchi. Wie im Quartierentwicklungsleitbild festgehalten, sollen nördlich des alten Bahnhofgebäudes Wohnraum, Läden und Haltestellen für drei Buslinien gebaut werden. Der Überbauung weichen müsste neben dem Schuppen auch das angrenzende einstöckige weisse Gebäude.

Ob die SBB den Güterschuppen zügeln können, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein wichtiger ist die Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege zum Ab- und Wiederaufbau. Der Schuppen stammt aus dem Jahr 1928 und ist im überkommunalen Inventar schützenswerter Objekte aufgeführt. «Die Zielsetzung der Denkmalpflege ist es, den Güterschuppen vor Ort zu erhalten», sagt Markus Pfanner, Kommunikationsberater der Baudirektion. Eine Versetzung sei aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. «Allerdings müsste diese sehr gut begründet sein.» Aktuell sind SBB und Denkmalpflege daran, einen Schutzvertrag zu erarbeiten, der den Erhalt der Bausubstanz des Güterschuppens sowie den Unterhalt sicherstellen soll. Rückschlüsse auf eine Zustimmung der Denkmalpflege zum Ab- und Wiederaufbau liessen sich aus ihrer Mitarbeit am Vertrag keine ziehen, sagt Pfanner von der Baudirektion. «Eine allfällige Versetzung des Güterschuppens ergibt sich als Resultat aus den laufenden Gesprächen.»

Gegen eine Entlassung des Schuppens aus dem Inventar könnten dazu Berechtigte Einsprache erheben.

Millionen für den Dampfverein
Die SBB sind bereit, für die Versetzung des Schuppens einiges Geld springen zu lassen. Laut einer Ausschreibung rechnen die SBB mit Kosten von 1,3 Millionen Franken für den Ab- und Wiederaufbau. Gemäss Unterlagen des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) wollen sie weitere 1,3 Millionen Franken an den Landerwerb in Bauma beisteuern. Der DVZO rechnet für sein Projekt mit Kosten von insgesamt 13,2 Millionen Franken. Aufgebracht werden soll das Geld mithilfe des Lotteriefonds. Beteiligt ist ausserdem das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), das die nahe dem Depotareal fliessende Töss renaturieren will.

Die SBB unterstützten das Projekt «Depotareal Bauma 2020», weil damit Bahnbauten aus verschiedenen Epochen zu einem «lebendigen Freilichtmuseum» vereinigt würden, sagt SBB-Mediensprecher Pallecchi. Die Überbauung in Wollishofen sei nicht abhängig von einer Genehmigung der zuständigen Ämter zum Ab- und Wiederaufbau des Güterschuppens. Aus heutiger Sicht solle das Areal so oder so «beplant» werden, sagt Pallechi. «Sollte das Projekt in Bauma nicht realisiert werden können, werden wir Alternativen suchen.»

Sicher ist: SBB und Dampfbahn-Verein haben beide schon Erfahrung mit dem Zügeln von Gebäuden. Der DVZO weihte 2015 eine alte Bahnhofshalle neu ein, die er aus Olten nach Bauma geholt hatte. Schon 1897 Stein für Stein abgebaut wurde der Bahnhof von Zug. Die SBB fanden für ihn einen neuen Platz – in Wollishofen –, wo er noch immer steht. (dh./Foto: pw.)

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