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15.05.2019 - 13:00 Uhr

Wie eine Ferienreise durch die eigene Stadt


Station im Zehntenhaus in Affoltern.

Kurt Guggenheims Zürcher Chronik erwacht an Originalschauplätzen zu neuem Leben. Zahlreiche Künstler und freiwillige Helfer verhalfen der monumentalen Theaterreise zu einem unvergesslichen Start.

Wer in den nächsten Wochen den ZSC-Mannschaftsbus durch die Innenstadt schieben sieht, obwohl die Eishockey-Meisterschaft doch eigentlich vorbei ist, dann sitzen darin wahrscheinlich die Zuschauerinnen und Zuschauer der selbst ernannten Theaterreise «Alles in allem», die am letzten Samstag ihre Premiere feierte. Zu den prominenten Gästen bei der Premiere zählte Stadtpräsidentin Corine Mauch. Ihre Begeisterung war gross. «Der Anlass ist super.» Sie genoss insbesondere auch die spezielle Atmosphäre 80 Meter unter dem Boden im Seewasserwerk Moos.

Abwechslungsreiche Inszenierung

Mal intime Kleinkunst, mal nahezu Cabaret, mal musikuntermalte, szenische Lesung, mal nahezu meditative visuelle Installation: Die abwechslungsreiche Inszenierung verknüpft die Schicksale der Protagonisten über Schauplätze miteinander und macht das Zürich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Zuschauer dadurch buchstäblich begehbar.

Zu den Spielorten gehören unter anderem der Park der Villa Patumbah, das Gaswerk in Schlieren, der Quartiertreff Zehntenhaus in Affoltern oder das Seewasserwerk Moos in Wollishofen. Einen Wendepunkt der Geschichte illustrieren gewissermassen drei historische Spielstätten in der Kaserne: der Waffensaal, der Holzsaal und die ehemalige Militärkantine. Hier ist auch Halbzeit.

Bei einem Zvieri zwischen zwei Aufführungen, an dem Äpfel, Müesliriegel und Madeleines gereicht werden, gibt es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz: Begeistert sei sie, sagt eine Dame und entschuldigt sich gleich, dass ihr kein besseres Wort einfällt. «Es ist wie eine Ferienreise durch die eigene Stadt.» Sie ist mit einer Gruppe von sechs Leuten unterwegs, alle zwischen 60 und 70 Jahre alt. Ein anderer Besucher fühlt sich an James Joyces «Ulysses» erinnert, jemand an Christoph Marthalers legendäre Inszenierungen.

Alles ist Bühne

Kurze Einführungen, ausgedehnte Pausen und Grillwürste schon beim zweiten Halt im Gaswerk machen die Theaterreise zu einem All-inclusive-Erlebnis. Den Roman gelesen haben die meisten Besucher nicht, wohl davon gehört oder es sich vorgenommen, ihn zu lesen. Jemand gesteht: Jetzt sei er richtiggehend angefixt.

Im Quartiertreff Zehntenhaus in Affoltern halten sich die Schauspielerinnen und Schauspieler auf dem Sofa, auf den Ablageflächen in der Werkstatt oder in höheren Lagen auf. Es wird getanzt, gesungen, musiziert und erzählt. Ein weiteres besonderes Erlebnis ist der Aufenthalt in der Kaverne des Seewasserwerks Moos. Dank Wolldecken wird es auch tief im Untergrund nicht allzu kühl. Auch hier widerhallt der Ort nahtlos im präsentierten Text, der von Wollishofen, vom Bauen und vom See erzählt.

Im Kulturmarkt in Wiedikon endet die Theaterreise schliesslich. Es ist nach 22 Uhr. Die verbliebenen Besucher – nicht alle haben bis zum Schluss durchgehalten – essen Suppe und Brot und stossen mit den Schauspielern und Theaterschaffenden an. Impresario Peter Brunner, der die Theaterreise mal als Reiseleiter, mal als Conférencier, mal als diskreter Beobachter von allen Seiten begleitet, zeigt sich überglücklich über den gelungen Start ins Leben: «Es war eine sanfte Geburt. Kein Kaiserschnitt! Das Theaterkind wurde ohne Schmerzen am Samstag geboren.»

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