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11.07.2019 - 15:39 Uhr

Familiengartenverein verärgert Pächter


Beim Familiengartenverein Aussersihl hängt der Haussegen schief. Diverse Pächter werfen dem Vorstand «Angstmacherei» und «Willkür» vor. Dieser weist die Anschuldigungen als «lächerlich» zurück. 

Die Familiengärten auf dem Freilager-Areal in Albisrieden müssen einem neuen Schulhaus weichen. Das hat das Stimmvolk am 19. Mai an der Urne beschlossen. Das Projekt soll rund 63,3 Millionen Franken kosten. Alleine für «Vorbereitungsarbeiten» hat die Stadt einen Betrag von 3,07 Millionen Franken budgetiert. Zwei Tage nach der Abstimmung liess der Familiengartenverein Aussersihl (FGV) den Pächtern der betroffenen Parzellen einen Brief zukommen, indem er sie auffordert, ihre Gartenhäuschen bis zum 22. Oktober «besenrein» zu räumen und dem Verein bis Ende Juni jeweils 600 Franken für die weiteren Räumungskosten zu überweisen.

Wer dieser Forderung nicht nachkommt, muss die vollen Räumungskosten von 4000 bis 6000 Franken pro Parzelle übernehmen. «Diese Angstmacherei war für viele hier eine Schikane», sagt Pächterin Tina Kinteh. So würden die Pachtverträge noch bis Ende Oktober laufen, das Geld für die Räumung sei aber bereits Ende Juni fällig. «Wir haben leider den Eindruck, dass der Vorstand des Vereins und wir Pächter zwei Fronten sind, anstatt – wie es zu erwarten wäre – eine Einheit.» Viele Pächter würden sich deshalb allein gelassen fühlen.

Auch sei vielen Gärtnern unklar, weshalb sie die 600 Franken überhaupt bezahlen müssen. Als Begründung führt der FGV in seinem Schreiben die Tatsache an, dass sich viele «schadstoffhaltige Materialien» auf den Parzellen befinden – unter anderem asbesthaltige Kleber.

Das habe der Verein den Pächtern zuvor nie mitgeteilt. «Wir haben hier vielleicht 20 Jahre lang im Gift gearbeitet», beschwert sich Kinteh. Auch hätten die meisten der heutigen Pächter ihr Häuschen erst übernommen, als Asbest in der Schweiz bereits verboten war. Dennoch werden sie jetzt zur Kasse gebeten.

Stadt übernimmt viele Kosten

Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich erklärt: «Bei einem unsachgemässen Rückbau können Schadstoffe freigesetzt werden.» Deshalb habe man dafür ein professionelles Entsorgungsunternehmen beauftragt. «Die Stadt hat sich bereit erklärt, 80 Prozent der Kosten des Rückbaus zu übernehmen, die Bodensanierung übernimmt sie vollumfänglich», sagt Handschin. Der Verein leiste an den Rückbau 70 000 Franken aus seinen Rückstellungen.

Statt mehrerer tausend Franken belaufe sich der Beitrag der Pächter deshalb auf 600 Franken pro Parzelle. Damit leisten die Pächter einen Anteil an die Räumung ihrer Häuschen. Wer diese Kosten nicht aufbringen kann, könne sich beim Vereinsvorstand melden. Laut Vizepräsidentin Jolanda Marchetti hat das bisher nur eine Person getan: «Diese Person hat uns als Beweis ihre Steuererklärung gezeigt. Der Fall ist momentan noch in Bearbeitung.»

Für die Pächter sind diese Argumente nicht befriedigend. «Als ich meinen Garten hier vor vier Jahren übernommen habe, wusste ich, dass der Vertrag begrenzt ist», sagt Pächter Bela Mora. Der Verein habe ihm aber nie gesagt, dass er für die Räumung noch etwas drauf zahlen muss. Das stösst auch bei Pächter Marco Becunia sauer auf: «Ich habe mein Häuschen renoviert und hatte dabei Auslagen. Mir war zwar klar, dass ich bald gehen musste, über die Kosten hat mich aber niemand vom Verein informiert.» Auch mit der Entsorgung lasse der Verein seine Pächter alleine. «Sie wollen, dass wir alles zum Cargo-Tram bringen, und weigern sich, eine Mulde auf dem Areal aufzustellen», beschwert sich Becunia. Dies hat laut Vizepräsidentin Marchetti seine Gründe: «Wir haben bei der Räumung des Hard-Areals negative Erfahrungen damit gemacht.» So sei damals alles in der Mulde gelandet, was die Gärtner und die Passanten gerade entsorgen wollten. «Das hat uns natürlich auch etwas gekostet», sagt Marchetti.

Den Betrag für die Räumung hält der Vorstand für gerechtfertigt. «Es steht in den Verträgen, dass die Räumung Sache der Pächter ist», sagt Marchetti. Diese soll per Ende Oktober erfolgen. Die Pächter bezahlen jedoch noch den vollen Jahres-Pachtzins. «Wir müssen zahlen und dürfen nicht einmal fertig kultivieren», ärgert sich Becunia. Diesen Vorwurf weist Marchetti als «lächerlich» zurück: «Das Pachtjahr dauert von Anfang November bis Ende Oktober. Es ist auch bei einer Kündigung durch den Pächter völlig normal, dass der Garten bis dahin geräumt sein muss», erklärt sie. Zudem sei es seit 2013 noch nie vorgekommen, dass ein Pächter nach der Räumung seines Gartens noch Geld verlangt hat.

Streit um Anschlusslösungen

Das Freilager-Areal macht rund einen Drittel der gesamten Gärten des FGV-Aussersihl aus. An der letzten Generalversammlung im Februar habe der Vereinsvorstand den Pächtern seine Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Garten zugesichert. «Sie haben gesagt, dass sie sich dafür einsetzen, dass möglichst viele von uns eine Anschlusslösung finden», sagt Becunias Frau Daniela.
Nun werfen viele dem Vorstand vor, dass er bewusst keine neuen Gärten für jene Personen suche, die sich über die Zahlung der 600 Franken beschwert haben. «Mir ist ja klar, dass sie nicht einfach 70 Gärten freimachen können, aber die machen das bewusst nicht», sagt Becunia. Viele hätten sich um neue Gärten beworben, würden aber keine Rückmeldung erhalten. «Wir werden nicht fair behandelt. Einige Leute werden bevorzugt, und jene, die sich kritisch geäussert haben, werden ignoriert», sagt Pächterin Kinteh. Auch sie habe sich beim Verein gemeldet, weil sie Interesse hatte, den älteren Pächtern künftig bei ihrer Gartenarbeit zu helfen. «Ich habe bis heute keine Antwort erhalten», ärgert sie sich. «Ich wäre sehr an einer Stellungnahme interessiert», sagt auch Daniela Becunia. Sie verurteile die Willkür des Vorstands stark.

Für den Vereinsvorstand sind das happige Vorwürfe. «Ich kann die Gärten ja auch nicht aus dem Ärmel schütteln», erklärt Vizepräsidentin Marchetti. So sei auf den übrigen Arealen des Vereins bis Ende Juli nur eine Kündigung eingegangen. Auch würden sich die Antragssteller nicht immer einfach verhalten. «Viele haben dann auch noch Wünsche», sagt Marchetti. So habe sie zum Beispiel schon Beschwerden erhalten, dass die angebotene Anschlusslösung zu teuer sei. (Leon Zimmermann, Text und Foto)

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