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11.07.2019 - 18:44 Uhr

Shedhalle widmet sich Collagekünstlerin


Aus der gelben Hängematte kann man das Werk von Christl Mudrak von oben betrachten. Foto: Jeannette Gerber

Zehn Künstlerinnen setzen sich mit Collagen von Hannah Höch auseinander. Heute Donnerstag ist Vernissage in Wollishofen.

Hannah Höch, die von 1889 bis 1978 lebte, war eine deutsche Malerin, Grafikerin und Collagekünstlerin des Dadaismus. Sie gilt als die Mutter der Collage, denn sie erfand die Technik des Zerstückelns und Extrahierens aus dem Kontext und des wieder in anderer Form Zusammenfügens. Und sie hatte die Collage bildsprachlich erforscht und viel zu ihrer Bedeutung innerhalb der visuellen Kunst beigetragen.
Höch war zudem Erfinderin der zeitkritischen Fotomontage und als einzige Frau Mitbegründerin des «Berliner Dada». Auch galt sie als Feministin, die in ihren Arbeiten die Rolle der Frau thematisierte – insbesondere ihrer eigenen in einem männlich dominierten Umfeld. Ihre Sammlungen eigener und fremder Arbeiten sowie zeitgenössischer Dokumente der 1910er bis 1920er Jahre wurde zu einem zeitgeschichtlichen Archiv, das in der Berlinischen Galerie aufbewahrt wird.

Konzept weiterentwickelt
In diesem Archiv fanden die beiden Initiatoren des Projekts rund um Hannah Höch – Martin Schmid und Jaro Straub aus Berlin – die zwanzig Schwarz-Weiss-Fotografien von verschollenen Höch-Collagen, die die Grundlage für eine kollektive Auseinandersetzung mit der Künstlerin und ihrem Werk sind. Unter dem Titel «Verschollen» wurde die Idee bereits 2018 in Berlin umgesetzt.

Für die Shedhalle in der Roten Fabrik haben Mirjam Bayerdörfer und Franz Krähenbühl nun das Konzept zusammen mit den Initiatoren weiterentwickelt. Für «Hallo Hannah» wurden zehn Künstlerinnen eingeladen, jeweils anhand einer Fotografie ihre eigene Interpretation wiederzugeben. Drei Wochen dauerte die Zeit des Entstehens ihrer Werke. Diese Zeitung war eingeladen, drei der Künstlerinnen beim Schöpfen ihrer Vision zu beobachten. Der Arbeitsprozess gehörte übrigens zur Ausstellung und war somit für das Publikum zugänglich.

Die Zürcher Künstlerin Joëlle Flumet sah in der ihr zugeteilten Fotografie einen Strand mit Sonnenschirmen. Diese fertigte sie aus PVC, schwarz und weiss gestreift, an. Sie gab dem Strand eine aktuelle Bedeutung, indem sie fröhlich Badende mit gestrandeten Migranten mischte. Ihre Menschen am Strand sind winzige, bemalte Figürchen, die man im Modellbau oder für Puppenstuben verwendet. Diese Kombination von Menschlein platzierte sie auf den Sand und stellte einen Zusammenhang zur allgegenwertigen Situation im Mittelmeer her.

Christl Mudrak aus Berlin interpretierte ihre Fotografie so: Sie glaubte, Spuren von Autoreifen und undefinierbare Objekte zu entdecken. Deshalb habe sie mit ihrem Auto Farbe auf grosse PVC-Flächen übertragen, indem sie immer und immer wieder über die in der Garage ausgebreitete Unterlage fuhr. Dieses so markierte PVC musste sie zerteilen, um es im Auto von Berlin nach Zürich zu transportieren. Die Objekte auf dem Bild stellte sie aus grauem Ton her. Sie schnitt davon immer wieder Stücke raus und verformte sie mit den Händen; was dann daraus wurde, liegt im Auge des Betrachters. Im Übrigen nimmt sie an, die Fotografie sei aus der Vogelperspektive aufgenommen, deshalb wird das Werk aus der integrierten gelben Hängematte von oben betrachtet werden können.

Magda Droz aus Zürich ist Sound-Artistin. Auf dem ihr vorgegebenen Bild kann selbst der Laie erkennen, dass es sich um einen Kaktus handelt. Sie weiss, dass Pflanzen ihre eigenen Töne von sich geben, die jedoch nur durch ein spezielles Mikrofon hörbar sind. So auch der Kaktus, den sie zum Klingen bringen wird. Ihre Soundarbeit wird man als Geräusche im Raum hören. Momentan nimmt sie sogar eine Schallplatte auf. Es ist bekannt, dass Höch den Pflanzen eine wichtige Bedeutung zuschrieb. An ihrem Wohnort in Berlin hatte sie einen üppigen Garten. Für sie war er Paradies und Horrorvision. Höch musste sich während der Bombenangriffe darin verstecken, also bedeutete der Garten für sie Zuflucht, gleichzeitig war er auch der Inbegriff von Angst.

Ausstellung läuft bis Ende Monat

Das Ende des dreiwöchigen Arbeitsprozesses markiert den Beginn der Ausstellung. Dann werden die Arbeitsutensilien und die Werke präsentiert. Ausgewählt werden die Arbeiten von den Künstlerinnen zusammen mit den Kuratoren. Doch auch das Aussortierte bekommt seinen Platz.

Die Künstlerinnen Muriel Baumgartner, Patricia Bucher, Tatiana Echeverri Fernandez, Myriam Gallo, Esther Kempf, Vreni Spieser und Ana Strika sind ebenfalls am Projekt «Hallo Hannah» beteiligt. (jg.)

Vernissage in der Shedhalle der Roten Fabrik ist heute Donnerstag, 11. Juli, um 18 Uhr. Ausstellung bis 28. Juli.

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